Gedenktag am 9. November in Hann. Münden

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Viele legten Steine auf die Stele und gedachten dabei der Opfer. Vorn Bürgermeister Harald Wegener.

An der Unteren Rathaushalle in Hann. Münden gedachten Vertreter der Geschichtsvereine sowie zahlreiche Bürger an die Pogromnacht am 9. November 1938.

Hann. Münden. Die Stele an der Unteren Rathaushalle ist ein Ort der Erinnerung und Mahnung. Erinnerung an die Pogromnacht am 9. November 1938, Mahnung, dass so etwas nie wieder geschieht. Zum 80. Jahrestag trafen sich Vertreter der drei Mündener Geschichtsvereine, Arbeitergeschichtsverein, Heimat- und Geschichtsverein Sydekum und Verein Erinnerung und Mahnung, ebenso zahlreiche Bürgerinnen und Bürger.

„Das Gedenken an alle Opfer von Gewalt hier und in der Welt ist das Beste gegen das Vergessen“, sagte Bürgermeister Harald Wegener. „Wir leben in einem Zeitalter der Extreme und dürfen vor Schutzsuchenden die Tür nicht verschließen. Die Jungen sind nicht verantwortlich für das was war, aber für das was wird“. Im Anschluss hielt Stadtarchivar Stefan Schäfer in der Rathaushalle einen Vortrag über die „Schicksalstage“ der deutschen Geschichte und in einem zweiten Teil speziell über die Geschichte der Mündener Juden.

Der 9. November

Am 9. November 1918 rief Philipp Scheidemann die Weimarer Republik aus. „Alles für das Volk, alles durch das Volk“. Es folgten „Reparationszahlungen“ an die Siegermächte, Inflation, Wirtschaftskrise. Am 9. November 1923 unternahm Adolf Hitler einen Putschversuch, der jedoch scheiterte. 1933 hatte er sein Ziel erreicht, er wurde Reichskanzler. Vor 80 Jahren, in der Pogromnacht, zeigte es sich, „dass Deutschland widerstandslos in einen neuen Krieg gehen würde“.

Stadtarchivar Stefan Schäfer verteilt Kopien einer Akte des Stadtarchivs über die gewaltsame Beschädigung der Synagoge in der Pogromnacht.

Unmittelbarer Anlass war das Attentat des Juden Herschel Grynszpan am 7. November auf den Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Paris, Ernst vom Rath. Jüdische Wohnungen, Geschäfte, Synagogen wurden in Brand gesetzt, Friedhöfe zerstört. Schätzungen zufolge starben in der Pogromnacht „reichsweit“ 400 Menschen, 30tausend wurden eingesperrt, in den Wochen danach 600 weitere in den Konzentrationslagern ermordet. Die systematische Judenverfolgung begann. Ungefähr sechs Millionen europäische Juden wurden Opfer des nationalsozialistischen Völkermords.

Und wieder am 9. November, diesmal im Jahr 1989, gibt Günter Schabowski durch ein „Missverständnis“ die „neue Reiseregel“ für DDR-Bürger bekannt „Ab sofort, unverzüglich“. Die Mauer, die 28 Jahre Deutschland trennte, ist gefallen.

Parforceritt durch 100 Jahre

„Ein Parforceritt durch 100 Jahre Deutsche Geschichte“, so Schäfer abschließend. Er verteilte unter den Anwesenden Kopien einer Akte des Stadtarchivs. Darin steht, dass Louis Löwenthal, Vorsteher der Synagogengemeinde, anzeigt, „dass in der Nacht zum 9. November 1938 gegen 24 Uhr eine Anzahl Personen gewaltsam in die Synagoge eingedrungen seien und dort alles zertrümmert hätten. Türen waren „gewaltsam aus den Angeln gerissen“, bemalte Fenster, Bänke und andere Gegenstände zerstört, die „Bundeslade entwendet und mit Gebetbüchern und Gebettüchern auf dem Tanzwerder verbrannt worden“.

Die Täter, sechs bis sieben Personen, seien beobachtet, aber nicht erkannt worden. „Der Anzeigenerstatter als Vertreter der Synagogengemeinde erklärte, dass er Strafantrag gegen die Täter nicht stelle und brachte zum Ausdruck, dass nach seiner Ansicht die Tat auf Grund der Pariser Vorfälle am 7.11.38 als Vergeltungsmaßnahme verübt worden sei“.

Im Jahre 1796 hatten Juden das Gebäude „Hinter der Stadtmauer 23“ und das dahinter liegende Grundstück gekauft. 1809 lebten in Münden 17 erwachsene Männer, davon waren 13 verheiratet, 24 Kinder über und 45 Kinder unter 14 Jahren. Die Voraussetzung für eine Jüdische Gemeinde waren zehn erwachsene Männer. 1834 wurde eine Synagoge auf dem genannten Grundstück gebaut. Die Synagoge war 1966 Kaufhaus und wurde erst 1973 abgerissen.

Am 6. Dezember wird Stefan Schäfer im Lepantosaal des Welfenschlosses einen Vortrag halten mit dem Thema „Münden und das Ende des Ersten Weltkriegs – Revolution und Umbruch“. Beginn ist 19.30 Uhr.

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