Gedenkveranstaltung am 9. November in Hann. Münden

Am Freitag, 9. November, laden die Stadt und die drei Geschichtsvereine zu einer Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht vor 80 Jahren ein.

Hann. Münden - Zu einer Gedenkveranstaltung am 9. November laden die Stadt Hann. Münden sowie die drei Mündener Geschichtsvereine ab 18 Uhr an der Stele an der Südseite des Rathauses ein.

Vor 80 Jahren erschütterte eine beispiellose Welle der Gewalt gegen die Juden das Deutsche Reich, die schließlich in millionenfachen Mord mündete. Genau 20 Jahre früher fand im November der Zusammenbruch der alten monarchistischen Ordnung, das Ende des Ersten Weltkrieges und ein republikanischer Neuanfang statt, welcher die Hypotheken eines verlorenen Weltkrieges zu zahlen hatte. So steht der 9. November wie kein anderer Tag im Zeichen eines Schritts in die Moderne, aber auch auf einen Weg in die Barbarei.

Bürgermeister Harald Wegener und Stadtarchivar Stefan Schäfer, werden die Bedeutung beider Tage für die Vergangenheit und die Gegenwart in Ansprachen hervorheben. Im Anschluss an das Gedenken an der Stele erfolgt in der unteren Rathaushalle ein Bildvortrag über die Synagoge in Münden. Als Zentrum des jüdischen Glaubens wurde sie in der Nacht vom 8.11. auf den 9.11.1938 vom Ort der religiösen Einkehr zu einem Schauplatz der Brutalität. Etwa ein Dutzend unerkannt gebliebene Männer drangen über das Vorderhaus in die Synagoge ein. Sie zerschlugen die Glasfenster und das Mobiliar. Ihre Aggression richtete sich vor allem gegen den Thoraschrein. Die Thora wurde auf dem Tanzwerder, gemeinsam mit allem Tragbaren und halbwegs Brennbaren, angezündet.

Das jüdische Gemeindeleben hatte nach diesen Vorfällen keine Heimat mehr. Der Gemeinde wurde der Verkauf des Gebäudes und der dahinterliegenden Synagoge aufgenötigt. Im Zuge der Stadtsanierung und dem geplanten aber nicht vollzogenen Ausbau des Grundstücks zu einem Bauhandwerkermarkt fiel die ehemalige Synagoge Ende 1973 einem Abriss zum Opfer. Dieser heute kaum nachvollziehbare Vorgang wiederholte sich in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg an vielen Orten in Deutschland, da sich bundesweit, wie auch in Münden, erst Ende der 1970er Jahre ein verantwortungsvoller Umgang mit dieser Geschichte entwickelte. Stefan Schäfer wird hier einen Abriss über diese tragischen Vorgänge geben. 

Der Eintritt zu der Gedenkveranstaltung ist frei. Männliche Personen werden an der Stele um das Tragen einer Kopfbedeckung gebeten.

Rubriklistenbild: © Privat

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