Gefahrenherd A7: MdL Gerd Hujahn im Interview

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Gerd Hujahn, niedersächsischer Landtagsabgeordneter der SPD für den Wahlkreis Göttingen/Hann. Münden und Polizeidirektor a.D., äußert sich zur Situation auf der A7.

SPD-Landtagsabgeordneter fordert Konsequenzen nach den tödlichen Unfällen auf der A7

Göttingen/Kassel. Es vergeht kaum ein Tag, an dem es auf dem A7-Streckenabschnitt Göttingen/Kassel nicht zu einem Vorfall kommt. Die aktuellen dramatischen Unfälle auf der A7 sowie die anhaltende Konzentration an schweren Verkehrsunfällen auf dem Streckenabschnitt zwischen Hann.Münden/Hedemünden und Kassel Nord würden Anlass geben, Maßnahmen zu ergreifen und die Verantwortlichen zeitnah an einen Tisch zu holen, so die Meinung des niedersächsischen Landtagsabgeordneten Gerd Hujahn (SPD, Wahlkreis Göttingen/Hann. Münden). „Es ist notwendig, eine länderübergreifende Task Force zur Verkehrssicherheit auf der A7 ins Leben zu rufen und gemeinsam mit allen Akteuren wie Landkreisen, Straßenbauämter, Polizei und anderen beteiligten Institutionen schnellstmöglich geeignete Maßnahmen zu entwickeln, die eine gefahrlose Nutzung des Streckenabschnitts wieder ermöglichen“, fordert Hujahn. Wir fragten beim Polizeidirektor a.D. nach.

MÜNDENER RUNDSCHAU (MR): Herr Hujahn, mehrere Auffahrunfälle binnen weniger Stunden forderten in der vergangenen Woche auf der A7 zwei Todesopfer und mehrere Verletzte. Verwickelt waren ausschließlich Lkw. War dieses Unglück absehbar?

Gerd Hujahn: Grundsätzlich sind solche massiven Unglücke nicht absehbar. Aufgrund der hohen Verkehrsdichte mit stetig zunehmendem Lkw-Verkehr in Nord-Süd-Richtung und einem verkehrstechnisch schwierigen Streckenabschnitt zeichnete es sich jedoch in den vergangenen Monaten und Jahren ab, dass die Stelle Hann.Münden/Hedemünden-Kassel Nord besonders stau- und unfallanfällig ist.

MR: Sie waren zehn Jahre als Leiter Einsatz bei der Polizeiinspektion Göttingen tätig und dort für den Verkehrsbereich zuständig. Was müsste Ihrer Meinung nach getan werden, um solche Unfälle zu vermeiden?

Hujahn: Als Leiter Einsatz bei der Polizei in Göttingen habe ich mich zehn Jahre mit der schwierigen Situation auf dem Streckenabschnitt befasst, möchte jedoch den Experten bei der Analyse der aktuellen Situation nicht vorgreifen. Meiner Meinung nach muss ein besonderer Fokus auf der Stauabsicherung liegen, da zu beobachten ist, dass viele Unfälle mit Lkw am Stauende entstehen. Ferner würde ich mich auch für temporäre Überholverbote in Kombination mit Geschwindigkeitsbeschränkungen aussprechen. Lieber langsam und geordnet durch die Gefahrenstrecke kommen, als stundenlang auf Ausweichstrecken stecken zu bleiben. Grundsätzlich sollte der Verkehr auf den Autobahnen gehalten werden. Das bedingt jedoch auch, dass die Fahrbahn, so schnell es die Situation zulässt, wieder freigegeben wird. Zudem plädiere ich für eine intensive Verkehrsüberwachung, hier insbesondere die Überwachung von Überholverboten und vom Einhalten des Mindestabstands.

MR: Mitte Februar kontrollierten Ihre ehemaligen Kollegen den Güterverkehr auf der A7. Das Ergebnis war erschreckend: Von 51 Fahrzeugen mussten 36 beanstandet werden. Neun davon wurde die Weiterfahrt untersagt. Vor allem ausländische Fahrzeuge fielen auf. Wie kann man das Problem in den Griff bekommen? 

Hujahn: Auch dieses Problem bekommt man nur mit intensiver Überwachung und unter Ausnutzung aller rechtlichen Möglichkeiten durch die zuständige Behörden in den Griff.

MR: Experten haben der A7 einen Verkehrs-Kollaps schon vor Jahren prophezeit: Zu viele Lkw würden sich auf der Hauptverkehrsader bewegen. Könnten nicht mehr Güter auf die Schiene verlagert werden? 

Hujahn: Schon aus ökologischer Sicht wäre eine Verlagerung auf die Schiene wünschenswert, hier stellt sich jedoch die Frage der Machbarkeit: Welche Kapazitäten kann die Deutsche Bahn zur Verfügung stellen?

MR: Kommt es auf der A7 zu einem Unfall, sind die Nebenstrecken kurze Zeit später überlastet und rund um – und besonders in – Hann. Münden steht der Verkehr und es herrscht Chaos. Wie könnte man die Situation entschärfen?

Hujahn: Mit Hilfe moderner elektrischer Verkehrsleitsysteme könnten metergenaue Angaben zu Staus erfasst und entsprechende Maßnahmen, wie Geschwindigkeitsbeschränkungen, geschaltet werden. Darüber hinaus reichen die ausgewiesenen Umleitungsstrecken nicht aus. Gerade in der Ortsdurchfahrt Hann. Münden bilden sich kilometerlange Rückstaus. Die Leistungsfähigkeit könnte man z.B. durch die Errichtung von drei Kreiseln an den entscheidenden Stellen Werrabrücke, Natermannturm und Kasseler Straße/Vogelsang ausweiten. Auch sollten Strecken, die für Lkw nicht geeignet sind, wie z.B. Meensen-Wiershausen oder Ziegenhagen-Hedemünden für Lkw gesperrt werden, denn sonst entstehen neue Gefahrensituationen.

Foto Unfall: HessennewsTV/Montage: Simon

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