Geheimnissen auf der Spur

Von ANDREAS BERNHARD Speele. Manchmal kann Geschichte richtig kurios sein: So brachte kürzlich ein Mann dem Speeler Ortsheimatpfleger Walter Jentsch

Von ANDREAS BERNHARD

Speele. Manchmal kann Geschichte richtig kurios sein: So brachte kürzlich ein Mann dem Speeler Ortsheimatpfleger Walter Jentsch einen kleinen, vergilbten Zettel vorbei. Den habe er bei der Sanierung seines Hauses hinter der Türverkleidung gefunden, berichtete er. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus: Das Stück Papier war ein alter "Deckschein" aus den 30er Jahren. Darin quittierte der Besitzer eines Ziegenbockes den Erhalt von einer Reichsmark von einem Speeler, der sich offensichtlich Nachwuchs für seine Ziege wünschte.

Charakter des Ortes

Eine kleine Entdeckung, eher zum Schmunzeln. Eine Randnotiz in der Dorfhistorie. Und die kennt wohl kaum einer so gut wie der ehemalige Geschichtslehrer Jentsch, der seit 1993 für das Bewahren zuständig ist. Auch dieser Fund wird

von ihm sorgfältig aufgehoben. Vielleicht fließt er noch ein, in seine laufende Vortragsreihe über die Geschichte des kleinen Ortes zu der er regelmäßig einlädt.

"Ich verbinde mit meinen Vorträgen die Hoffnung, dass die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät", betont Jentsch, "denn wenn keiner mehr die Geschichte kennt, geht der Charakter eines Ortes verloren."

Verlorene Axt aus der Steinzeit

Apropos verloren:  Ein wichtiger Fund, nämlich eine Axt aus der Steinzeit, die 1932 auf dem Gut Wissmannshof gefunden wurde, ist womöglich für immer verschwunden. "Die Axt", so der Ortsheimatpfleger verärgert, "ging damals an das Landesforstamt Kattenbühl und von dort in das Landesmuseum nach Hannover, wo sie bis heute nicht wieder aufgetaucht ist."

Nicht die einzige Frage an der Jentsch zu knabbern hat. Ebenso rätselhaft ist die massive Zerstörung des unbedeutenden Dorfes durch amerikanische Fliegerbomben im Jahr 1944. "Womöglich war ein Kleiderlager der

Reichsbahn das Ziel, es könnten aber auch falsche Zielkoordinaten für die Bomberpiloten gewesen sein", vermutet der Ortsheimatpfleger. Genaues weiß auch hier bisher niemand.

Noch viel zu erforschen

Es gibt also noch viel zu erforschen in Speele. Die Arbeit wird Jentsch nicht ausgehen. Momentan, so sagt er, arbeite er an der Wiederentdeckung alter Hausnummern. "Die", so erklärt er, "wurden bis zur Gründung der Gemeinde Staufenberg nicht nach Straßen, sondern nach Baujahr vergeben." Wer also weiß, welche Hausnummer ein Haus ursprünglich hatte, kann – zumindest ungefähr – dessen Alter datieren. Neben alten Akten nutzt Jentsch für seine Arbeit das Gespräch mit den Menschen. Auch hier erhält er immer wieder wichtige Hinweise. Umgekehrt möchte er mit seinen Vorträgen etwas zurück geben.

Die nächste Gelegenheit etwas über die Geschichte von Speele zu erfahren, gibt es am Dienstag, den 22. Februar. Dann berichtet Jentsch über Speele vom Mittelalter bis zur Neuzeit.

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