„Wo geht’s denn hier nach Indien?“

Wandern auf die harte Tour: 23-jhriger Witzenhuser will per Pedes nach IndienVon HEIDI TRAEGERWitzenhausen. Es gibt Dinge, die klingen zu

Wandern auf die harte Tour: 23-jhriger Witzenhuser will per Pedes nach Indien

Von HEIDI TRAEGERWitzenhausen. Es gibt Dinge, die klingen zu verrckt um wahr zu sein. Die Idee, Schritt fr Schritt von Witzenhausen nach Indien zu wandern, gehrt fr viele Leute eindeutig dazu.

Fr Friedemann Rber ist es jedoch keine verrckte Idee. Es ist sein fester Entschluss. Sobald der 23-jhrige Student Mitte April seinen Bachelor-Abschluss kologische Agrarwissenschaften in der Hand hat, wird er in ein paar neue Wanderstiefel steigen, einen mittelgroen Rucksack schultern und sich auf den Weg machen: ber sterreich, Ungarn, Rumnien, Bulgarien, die Trkei, den Iran und quer durch Pakistan bis nach Indien, genauer in den nrdlichen Bundesstaat Punjab. Ziel des langen Fumarsches ist das dortige Vipassana-Zentrum. Sptestens im Dezember will er dort ankommen. Dann startet der von ihm anvisierte 40-tgige Meditationskurs. Vipassana ist eine Meditationsform, die auch in Deutschland in speziellen Kursen der Vipassana-Vereinigung erlernt werden kann.

Das deutsche Vipassana-Zentrum liegt in Triebel, im schsischen Vogtland. Dort lernte Rber diese spezielle Meditation vor zwei Jahren kennen und schtzen. Seitdem praktiziert er Vipassana und ist von deren Vorzgen berzeugt. Man lernt, im Hier und Jetzt zu leben, wird ausgeglichener, aufnahmefhiger, effizienter, kreativer, versucht der Student seine Faszination verstndlich zu machen. Er hat sogar handfeste Beweise fr die Vorteile. Er wird sein Studium in nur fnf statt sechs Semestern abschlieen. Doch was treibt ihn zu der ungeheuerlichen Wanderung?Rebellion gegen das AbgesichertseinIn Deutschland werden nur 10-tgige Meditationskurse angeboten, in Indien kann man 40 Tage am Stck meditieren. Per Flugzeug reisen kommt aus verschiedenen Grnden nicht in Frage. Es ist teuer und unkologisch. Auerdem sieht der Agrarstudent in dem Vorhaben eine Mglichkeit, aus der typisch deutschen Mentalitt, sich mglichst gegen jedes Risiko abzusichern, auszubrechen. Darber hinaus betrachtet Rber den Weg als Vorbereitung fr die Meditation und als Mglichkeit, seine christlichen Grundstze sowie die Festigkeit seines Glaubens zu berprfen. Whrend des Studium war er sehr engagiert in der ESG (evangelischen Studenten-Gemeinde) ttig, leitete den Gospelchor, spielte Cello im Instrumentalkreis, sang eine Zeit lang in der Kantorei.

Mit der Bibel durch islamische LnderErfahrungen als Weltenbummler oder Pilger hat er bis jetzt noch keine. Sein Weg wird ihn in viele extrem arme Regionen, in politisch hochbrisante Gebiete und in weiten Teilen durch islamische Lnder fhren. Kein Problem, meint Rber, der sich von der islamischen Spiritualitt angezogen fhlt und die anders geartete Geisteshaltung sowie den Umgang miteinander bei studentischen Kontakten mit Moslems bisher als sehr bereichernd und angenehm empfunden hat. Er setzt bei seiner Wanderung auf die sprichwrtliche Gastfreundschaft anderer Kulturen. Und auf die wird er bitter angewiesen sein.Als Bettelstudent unterwegsDenn er wird nicht nur wandern, sondern quasi als Bettelstudent, d.h. ohne finanzielle Mittel, unterwegs sein. Geld, Handy, Fotoapparat, Zelt, Gaskocher Fehlanzeige. Ins Gepck kommen neben Kleidung, Schlafsack, Isomatte und einer Zeltplane nur ein Kompass, eine Bibel und ein kleiner Sprachfhrer Hocharabisch.

Feste Anlaufstationen unterwegs hat er nicht. Schlafen will er unter freiem Himmel. Fr den Iran und Pakistan gibt es nur Transitvisa, die zwei Wochen lang gelten. Das ist zu Fu nicht zu schaffen. Dann wird er trampen mssen. Doch darber macht er sich bisher keine Gedanken. Diese Probleme liegen noch hunderte, ja tausende Kilometer entfernt. Wie viele genau, wei er selber nicht. Doch, gibt er zu, vielleicht ist es ein bisschen naiv, einfach so loszulaufen.Aber irritieren lsst er sich nicht. Weder von Hinweisen auf Krisengebiete, typische Entfhrungsflle oder sonstige Horrorszenarien. Auch nicht von provokanten Fragen. Etwa der, ob er kein schlechtes Gewissen hat, unterwegs eventuell ohnehin schon armen Menschen ihr karges Essen abzubetteln. Nein, denn das sieht er nicht so. Er betrachte sich dann als einen der ihren. Ob Armut in diesem Falle wirklich solidarisiert? Wir werden es so schnell leider nicht erfahren. Mindestens eineinhalb Jahre wird der junge Optimist unterwegs sein wenn alles wunschgem luft. Aber sptestens am 3. September 2009 will er zurck sein. Da hat seine Freundin Geburtstag. (htr)

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