Totaler Absturz nach Schicksalsschlägen

22-Jähriger wegen mehrerer Delikte vor Gericht - wenn Alkohol zum Problem wird

Von MATHIAS SIMON

Hann. Münden.  Unter anderem wegen Körperverletzung, Diebstahl und Beleidigung muss sich derzeit ein 22-Jähriger aus Hann. Münden vor dem Amtsgericht verantworten. Der junge Mann war seit Mitte vergangenen Jahres mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Grund dafür sollen schwerwiegende private Probleme sein. Momentan verbüßt er in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf eine neunzigtätige Haftstrafe, weil er Geldstrafen aus anderen Verfahren nicht bezahlen konnte. Dem 22-Jährigen wird vorgeworfen zwischen Juni 2017 und Juni 2018 unterschiedliche Taten begangen zu haben, unter anderem den Diebstahl einer Damenhandtasche, Verletzung seiner Ex-Freundin, Beleidigung von Polizeibeamten, Laden- und Fahrraddiebstahl sowie die Beschädigung eines Autos.

Flaschenwurf auf Freundin

Der junge Mann, der sein Fehlverhalten weitestgehend einräumte und erklärte nach seiner Haft eine Langzeittherapie antreten zu wollen, um sein Leben „in den Griff zu bekommen“, soll seine Taten zum Großteil in einem alkoholisierten Zustand begangen haben. Er räumte sie ein und entschuldigte sich bei den Opfern.

Seniorin Handtasche entrissen

Im Sommer letzten Jahres hatte er in der Mündener Innenstadt einer 77-Jährigen die Handtasche entrissen und nahm später aus dem Portemonnaie der Rentnerin 30 Euro an sich, um sich davon Hochprozentiges zu kaufen. Im Dezember soll er einer Frau ins Gesicht geschlagen und die herbeigerufenen Beamten beleidigt haben. Im Januar habe er, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, mit einer Glasflasche nach seiner Ex-Freundin geworfen und mit sie mit den Scherben an der Hand verletzt. Im März sei es zu einem versuchten Diebstahls einer Wodka-Flasche im Edeka-Markt im Wiershäuser Weg gekommen. Im Juni soll er ein Fahrrad aus einem Schuppen geklaut haben, weil sein Fortbewegungsmittel „einen Platten hatte“ und wenige Tage später trat er aus Wut den Außenspiegel eines Firmenwagens ab. Nach einigen Delikten war der 22-Jährige von der Polizei aufgegriffen worden. Jedes Mal konnte man ihm einen hohen Alkoholwert nachweisen, teilweise von über drei Promille. Am ersten Verhandlungstag wurden ein Dutzend Zeugen gehört. Sie beschrieben den Angeklagten überwiegend als ruhigen, zurückhaltenden Menschen, der aber viel zu viel trinke. Sein Cousin sagte dazu: „Er ist alkoholabhängig. Ich habe Angst, dass der sich eines Tages tot säuft“. Die Lebensumstände des jungen Mannes wurden nach und nach bekannt: 2004 verstarb sein Vater, seine Mutter wurde kurze Zeit später alkoholkrank. Als im vergangenen Jahr seine Großmutter und seine Tante verstarben, habe er mit dem regelmäßigen Trinken begonnen und sei mit dem Gesetz mehr und mehr in Konflikt geraten. Einen Job habe er nicht, ebenso wenig eine abgeschlossene Ausbildung. Seine Situation im Gefängnis beschrieb der Angeklagte als mäßig. Er bekomme Medikamente, um der Sucht Herr zu werden. Körperlich gehe es ihm den Umständen entsprechend gut.

Log Zeugin für Ex-Freund?

Die eingangs erhobenen Vorwürfe des räuberischen Diebstahls im Edeka-Markt und die gefährliche Körperverletzung mit einer Glasscherbe an seiner 19-jährigen Freundin, konnten die Zeugen nicht stützen. Sie entlasteten den Angeklagten weitestgehend. Auch die ehemalige Lebensgefährtin, die trotz Trennung auch heute noch mit dem 22-Jährigen in Kontakt steht, trat von ihrer ursprünglichen Aussage, er habe sie mit der Glasflasche am Kopf getroffen und mit einer Scherbe an der Hand verletzt, zurück. Das kam bei Gericht nicht gut an: „Entweder sie haben damals gelogen, um ihren Ex-Freund zu belasten oder tun es jetzt, um ihn zu entlasten. Stellen sie sich auf die Einleitung eines Strafverfahrens wegen Falschaussage ein“, sagte der Staatsanwalt gegenüber der Zeugin. Und den Angeklagten fragte er: „Wo ist bei Ihnen die Grenze, wenn es um die Beschaffung von Alkohol geht?“ Der 22-Jährige antwortete keinen verletzen zu wollen. Die Diebstähle habe er begangen, um den Suchtdruck zu befriedigen. In dem Edeka-Markt hatte es eine Rangelei gegeben, nachdem Mitarbeiter den Angeklagten gestellt und den Vorfall zur Anzeige bringen wollten. Ein Fluchtversuch schlug fehl. Einer der Mitarbeiter wurde dabei leicht verletzt. Auf Videoaufzeichnungen war zu sehen, wie der 22-Jährige die Wodka-Flasche in der Innentasche seiner Jacke verschwinden ließ, aufgrund seiner Körperhaltung aber stark alkoholisiert gewesen sein muss. Der junge Mann ist bereits wegen Beleidigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung vorbestraft. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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