Frauen prügelten sich mit "Lustspielzeug"

Frau attackierte Bekannte mit "Lustspielzeug": "Du brauchst sowas!"

Hann. Münden.  „Wurde der überhaupt mal gewogen? Der ist so weich – ich bezweifle, dass man damit jemanden ernsthaft verletzen kann“, äußerte der Verteidiger als das „Corpus Delicti“, ein etwa 18 Zentimeter langer Gummi-Dildo, am Donnerstag im Mündener Amtsgericht die Runde machte und von Staatsanwaltschaft, Richterin und Anwalt beäugt wurde.

Im August vergangenen Jahres soll er vor einer Mündener Bäckerei zweckentfremdet worden sein, als mehrere Frauen in einen Streit gerieten, der in einer körperlichen Auseinandersetzung mündete. Eine 38-Jährige zog währenddessen den Dildo hervor und haute ihn ihrer Konkurrentin mehrmals mit den Worten auf den Mund: „Du brauchst sowas!“ Beistand erhielt sie in dem Zwist von einer 40-jährigen Bekannten.

Die habe nach eigenen Angaben zunächst versucht den Streit zu schlichten, sei dann aber mit hineingezogen worden. Die beiden Frauen mit türkischen Wurzeln fanden sich in der vergangenen Woche auf der Anklagebank wieder. Der Vorwurf: Gefährliche Körperverletzung. Diese räumten sie unumwunden ein.

Beleidigte griff an

Es sei zu der handgreiflichen Auseinandersetzung gekommen, da die 38-Jährige von anderen Frauen beleidigt und provoziert worden sei und das schon seit geraumer Zeit. Schließlich sei die Lage eskaliert. Auf die Frage der Richterin, warum die Angeklagte einen Dildo bei sich hatte, entgegnete die, dass sie ihn ihrer Widersacherin als „provokantes Geschenk“ habe übergeben wollen.

Doch zu einem friedlichen Besitzerinnenwechsel sei es dann nicht gekommen, weil die Gemüter zu sehr erhitzt gewesen seien. Man habe sich gegenseitig angeschrien, an den Haaren gezogen und geschlagen. Die beiden Opfer sollen laut Anklageschrift Verletzungen an Kopf und Dekolleté davongetragen haben.

Eins fordert nun in einem Zivilprozess Schmerzensgeld in Höhe von 5.000 Euro. Alle am Streit Beteiligten sollen früher befreundet gewesen sein. Da eine der angeklagten Frauen ihren Mann verließ, soll es zu Diffamierungen gekommen sein, „da eine türkische Frau ihren Mann nicht verlässt“, so die 38-jährige Angeklagte.

Die Freundschaft sei deshalb nach der Trennung zerbrochen und in Feindschaft umgeschlagen. Eins der Opfer war die Ex-Schwägerin einer der Täterinnen und noch mit ihr verwandt. Sie machte vom Recht der Aussageverweigerung Gebrauch.

Zwei weitere Zeuginnen konnten den Tathergang nur vage beschreiben. Wer wen genau wie stark geschlagen habe, konnten sie nicht genau sagen. Fest steht, dass alle Beteiligten Blessuren davon trugen und die beiden angeklagten Frauen zuerst zuschlugen.

Das Verfahren wurde gegen die Zahlung einer Geldauflage eingestellt: Die 38-Jährige, die mit den Dildo zuschlug, muss 500 Euro und die 40-jährige Mitstreiterin 250 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung, ein Kinder-Hospiz, zahlen.

„Damit hat die Sache ja auch noch ihr Gutes“, sagte der Verteidiger und schmunzelte.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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