Mann soll Partnerin beleidigt, gewürgt und mit dem Messer bedroht haben

52-Jähriger vor dem Mündener Amtsgericht zu Deeskalationstraining verdonnert

Hann. Münden. Weil er seine Ehefrau angegriffen haben soll, wurde heute Vormittag einem 52-Jähriger aus dem Altkreis Münden auferlegt ein Deeskalationstraining in Göttingen zu absolvieren. Sollte er der Auflage innerhalb der nächsten sechs Monate nicht nachkommen, werde das Verfahren gegen ihn wieder aufgenommen, teilte Richterin Dr. Christine Kunst mit.

Im Februar dieses Jahres, so der Vorwurf der Göttinger Staatsanwaltschaft, soll der Angeklagte seine Frau zunächst mit einem Küchenmesser bedroht, mit den Worten „Verpiss dich, Drecksschlampe! Soll ich dir mal zeigen, wie ich dir den Hals abschneide?“ beschimpft und am darauf folgenden Tag gewürgt haben. Fotoaufnahmen von dem auffällig geröteten Hals hätten Beamte unmittelbar nach der Tat gemacht.

Auslöser der Bedrohung respektive des Angriffs soll die Spielsucht der 57-jährigen Ehefrau sein. Wie der Angeklagte mitteilte, habe sie immer wieder Geld von seinem Konto abgebucht, „um es heimlich in einer Spielhalle zu verzocken“. Das passiere regelmäßig. An einem Tag, so der 52-Jährige, seien sogar 800 Euro abgehoben worden – immer hundert Euro im Stundentakt. Das habe ihn sehr wütend gemacht.

Einen verbalen Streit, wenn auch nicht in dem ihm vorgeworfenen Wortlaut, räumte er ein. Zu den ihm vorgeworfenen Taten schwieg er, er könne sich nicht mehr daran nicht erinnern. Der Bruder des Angeklagten, der bei dem mutmaßlichen Würgeangriff zugegen gewesen sein soll, verweigerte seine Aussage. Von diesem Recht machte zunächst auch die Ehefrau Gebrauch. Kunst forderte während der Verhandlung das Protokoll des Notrufes an, den die Frau nach dem zweiten Angriff abgesetzt und die Polizei informiert hatte. Man habe sie gewürgt und bereits versucht mit einem Messer zu attackieren, so die Kernaussagen des Protokolls. Die alarmierten Beamten hatten, obwohl der Angeklagte einen Promillewert von 2,5 besaß, keinerlei Ausfallerscheinungen bei dem 52-Jährigen feststellen können: Geistig und körperlich sei er unauffällig gewesen. Auf die Frage, ob er öfter trinke, erklärte der Angeklagte: „Ich trinke fast nur Bier und wenn, dann nur am Wochenende. Vielleicht auch mal Wodka-Cola.“

Ehefrau nimmt Schuld auf sich

Nach einer kurzen Verhandlungspause wollte sich die Ehefrau schließlich doch zu den Vorfällen äußern. Einen Messerangriff habe es laut Notruf-Protokoll allerdings nicht gegeben. Ihr Mann habe lediglich ein Küchenmesser vor Wut in die Zimmer-Ecke geworfen. Der Würge-Angriff habe stattgefunden, wenn auch nur sehr kurz und weniger schlimm. Sie liebe ihren Mann über alles, habe die Situation aber selbst provoziert. Nach dem Umzug von Göttingen in den Altkreis Münden habe sie ihre Freunde verloren und Ablenkung an Spielautomaten gesucht. Sie sei schuld an dem Angriff ihres Mannes. Er sei sonst ein liebevoller Mensch. Der 52-Jährige ist kein unbeschriebenes Blatt und war bereits 2015 wegen Körperverletzung an seiner Frau zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt worden. Kunst empfahl dem Mann, der bereits ein Deeskalationstraining absolviert hat, die etwa 20-stündige Maßnahme ernst zu nehmen. Zudem riet sie der Frau sich therapeutische Hilfe zu suchen, um ihre Spielsucht zu bekämpfen. Wenn ein Zusammenleben mit ihrem Mann aufgrund von Gewalt nicht mehr möglich wäre, sei eine Trennung unumgänglich.

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