Gewalt gegen Beamte bleibt ein Problem

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Thomas Rath (links), Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, und Thomas Breyer, Leiter Zentraler Kriminaldienst, stellten das Zahlenwerk Mitte vergangener Woche vor.

Göttingens Polizeiinspektion stellte die Kriminalstatistik 2018 vor - erstmals für den neuen Kreis

Göttingen. Die Zahl der Straftaten im „Neukreis“ der Polizeiinspektion (PI) Göttingen, das heißt ein Jahr nach der Landkreisfusion zwischen Göttingen und Osterode am Harz und dem damit einhergehenden „Bevölkerungszuwachs“ um rund 72.000 Menschen, lag 2018 bei 20.510 Fällen. Den Großteil bilden Rohheitsdelikte (3.357), Diebstähle (7.194) sowie Vermögens- und Fälschungsdelikte (3.685). Sie alle ereigneten sich im Landkreis und der Stadt Göttingen. Es sind die geringsten Fallzahlen seit 1999, sie sanken gegenüber 2017 um 7 Prozent.

Inspektionsleiter Thomas Rath zog eine positive Bilanz: „Die Aufklärungsquote bleibt mit 60,6 Prozent auf einem hohen Niveau. Erfreulich ist der weitere Rückgang der Diebstähle (gegenüber dem Vorjahr -1.300) und Einbrüche (-300). Diese Entwicklung führen wir auf die professionelle und engagierte Arbeit unserer Kollegen zurück, zu der auch die Prävention zählt. Sorge bereitet dagegen, dass die Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamte und Rettungskräfte nach wie vor auf einem hohen Niveau stagniert.“ Im vergangenen Jahr mussten im Bereich der Gewalt gegen Polizeibeamte und Rettungskräfte 137 Fälle verzeichnet werden. Das seien zwar zehn weniger Taten als im Vorjahr, dennoch handele es sich um einen Wert im hohen Fallzahlenniveau, so Rath weiter. In den überwiegenden Fällen sei es um Widerstandsstraftaten gegangen. Polizisten seien Opfer von Körperverletzungen, Bedrohungen und Nötigung geworden. „Es ist Wahnsinn, dass Menschen, die zum Retten rausfahren, sich selbst schützen müssen“, machte Thomas Breyer, Leiter des Zentraken Kriminaldienstes, deutlich.

Im Laufe des Jahres sollen sogenannte Body-Cams in Göttinger Streifendienst eingesetzt werden, um den Kollegen ein Instrument zur Eigensicherung an die Hand zu geben, so Rath. Innerhalb der PI wurden 15 Tötungsdelikte registriert. In vier Fällen wurden Ermittlungsverfahren wegen Mordes, in neun wegen Totschlags und in zwei weiteren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung geführt. Alle Taten sind polizeilich geklärt. Bei den vier Mordfällen handelt es sich um einen Messerangriff auf einen 28-jährigen Deutschen mit libanesischen Wurzeln, einen Mordversuch an einen 54-jährigen Polizeibeamten, auf den ein 23-jähriger Deutscher gezielt mit seinem Pkw zufuhr, einen tödlich verlaufenden Messerangriff in der Göttinger Innenstadt auf einen 28-jährigen Deutschen durch einen 19-Jährigen mit Migrationshintergrund sowie ein Gewaltverbrechen gegen eine 75-jährige Deutsche aus Herzberg. Hier wurde ein Tatverdächtiger in Schweden gefasst.

Mehr zu tun für die Task Force Cybercrime

Die 2016 eingerichtete Task Force für Cybercrime und Digitale Spuren hatte auch in 2018 hervorragende Ermittlungserfolge zu verzeichnen. Mit Abschluss des Jahres 2018 wurden 1.124 Fälle mit „Tatmittel Internet“ polizeilich registriert – ein Zuwachs um 92 Fälle. Darüber hinaus werden dort mittlerweile drei Informatiker beschäftigt, die nicht nur in Sachen Internetkriminalität ermitteln, sondern auch ihre technischen Fähigkeiten für Bereiche der polizeilichen Analysen und Präventionsarbeiten einsetzen. Angestiegen seien die Fälle von Besitz und Verbreitung kinder- und jugendpornografischer Schriften von 44 auf 51. „Wir vermuten, dass das nur die Spitze des Eisbergs ist. Es wird Leute geben, die solch abscheuliches Material sammeln wie Briemarken“, so Rath. Teilweise würden Terrabyte große Datenmengen gefunden. Die müssten einzeln gesichtet werden, um unter Alt- und Neudateien zu unterscheiden und Hinweise auf Opfer und Urheber zu sammeln, um ihnen zu helfen beziehungsweise das Handwerk zu legen. Die Auswertung der abstoßenden Bilder und Videos sei eine psychologisch hohe Belastung für die Kollegen, so Breyer. Automatische Auswertungssoftware werde erprobt, sei aber noch nicht ausgereift. Die Fallzahlen der Körperverletzungsdelikte sind im Vergleich zum Vorjahr nochmals rückläufig (-7,29 Prozent) und liegen bei 1.869 Taten. „Alarmierend ist hierbei, dass der schon in 2017 beobachtete Alkoholeinfluss auch in 2018 in vielen Fällen ursächlich war. Bei über 40 Prozent der Delikte war Alkohol im Spiel“, so Breyer.

Inspektionsweit blieb 2018 die Anzahl der Rauschgiftdelikte mit 1.419 nahezu konstant (-4). Der Besitz und Konsum von Cannabisprodukten weist die größten Fallzahlen auf und das auf gleichbleibendem Niveau (712 Fälle).

Vergleichsweise geringe Flüchtlingskriminalität

Landesweit ist die Zahl der tatverdächtigen Flüchtlinge erkennbar zurückgegangen. Im Zuständigkeitsbereich der PI Göttingen sank die Zahl der Delikte, bei denen Flüchtlinge als Tatverdächtige gezählt wurden, von 1.515 in 2017 auf 1.228 Taten. „In den überwiegenden Fällen handelt es sich dabei um Körperverletzungsdelikte, einfachen Diebstahl und das Erschleichen von Leistungen. Die überwiegende Mehrheit der geflüchteten Menschen tritt nach wie vor nicht polizeilich in Erscheinung. Rechnet man die ausländerrechtlichen Verstöße und die Fälle der Urkundenfälschung heraus, ist im hiesigen Zuständigkeitsbereich für 2018 eine auf niedrigem Niveau befindliche „Flüchtlingskriminalität“ von 909 Taten festzustellen. Dies macht knappe 4,43 Prozent der Gesamtkriminalität aus“, betonte Breyer.

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