Gitterboxen im großen Stil verscheuert

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Hann. Münden. 45-jähriger Mündener beklaute über zwei Jahre lang seinen Auftraggeber – Schaden: 190.000 Euro.

Hann. Münden.Vor dem Schöffengericht musste sich am heutigen Mittwochmorgen ein 45-jähriger Mündener wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in 33 Fällen verantworten. Zwischen 2011 und 2013 hatte der selbständige Transportunternehmer über 3.000 Gitterboxen an eine Kölner Firma verkauft, obwohl sie ihm gar nicht gehörten.Die Boxen wurden ursprünglich, wie in der Branche üblich, von seinem Auftraggeber angemietet, einem in Hann. Münden ansässigen Unternehmen. Erst nach über zwei Jahren waren Mitarbeitern Unregelmäßigkeiten im Boxenbestand aufgefallen und man stellte Untersuchungen an. Dabei kam heraus, dass der 45-Jährige als Subunternehmer monatlich rund 100 Boxen unter der Hand verkaufte. Über eine Spedition hatte er die Ware nach Westen schaffen können. Die Verladungen erfolgte dabei direkt auf dem Gelände des Mündener Unternehmens. Immer früh morgens gegen 4 Uhr, um keinen Verdacht zu erregen. Erst bei der 34. Verladung flog der Diebstahl auf – im April 2013.Vor Gericht gab der Angeklagte die Taten zu und  beichtete, die Einnahmen aus dem Verkauf des Diebesguts für die Weiterfinanzierung seiner eigenen Transportfirma genutzt zu haben. Große Teile des Geldes in Höhe von insgesamt 165.000 Euro sei für die Zahlung von Steuerforderungen aufgewendet worden. Außerdem habe er für rund 35.000 Euro seinen Fuhrpark durch zwei Lieferwagen erweitert.Dem Mündener Unternehmen enstand ein Schaden von über 190.000 Euro, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren sowie die Zahlung des entstandenen Schadens.

"Haben Sie alles für Sekt und nackte Weiber verbraten?"

Im Verlauf der Verhandlung musste Richter Dr. Wilfried Kraft schon eine Menge Überzeugungsarbeit leisten, um vom Angeklagten zu erfahren, wo das ganze Geld abgeblieben ist. Seinen Berechnungen nach wäre nach Abzug möglicher Steuerzahlungen und den Kauf neuer Firmenfahrzeuge immer noch eine hohe fünfstellige Summe übrig. "Sie müssen hier schon die Hosen runterlassen, wenn Sie nicht in den Knast gehen wollen oder haben Sie alles für Sekt und nackte Weiber verbraten?",  raunte Kraft den Angeklagten an. Der versicherte jedoch nachdrücklich alles für die genannten Anschaffungen und Rechnungen aufgewendet zu haben.Der Angeklagte erklärte sich dazu bereit, seine Firma aufzugeben und den Erlös aus dem Fuhrparkverkauf dem geschädigten Mündener Unternehmen zukommen zu lassen ("Das hätten Sie schon längst tun können und guten Willen zeigen können", O-Ton Kraft). Durch eine in Aussicht gestellte Anstellung hoffe er außerdem in Zukunft monatliche Zahlungen von bis zu 300 Euro leisten zu können. Außerdem zieht das Geschädigte Unternehmen das Eintragen einer Zwangshypothek auf das Eigenheim des Angeklagten in Betracht.

Kraft verhängte am Ende eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Der 45-Jährige muss monatliche Schadensersatzzahlungen in Höhe von  300 Euro leisten. Bei Zahlungsunfähigkeit droht entweder das Leisten von Sozialstunden oder im Härtefall das Antreten der Haftstrafe.

Kraft hielt dem 45-jährigen Mündener in seinem Urteil zugute, dass dieser geständig und nicht vorbestraft war. Man hätte es ihm durch mangelnde Kontrolle seines Auftraggebers außerdem leicht gemacht die Taten zu begehen. Somit sei die ganze Sache mit der Zeit zu einem Selbstläufer geworden.

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