Growiane: Experten und BI-Vertreter sehen die Natur als Verlierer

Die Podiumsteilnehmer: (V.li.) Gabriele Niehaus-Uebel (Vorsitzende der BI-Oberweser-Bramwald), die Stimme des Reinhardswaldes, Hermann-Josef Rapp,  Dr. Nikolai Ziegler (Vorsitzender Bundesinitiative Vernunftkraft), Siegfried Pflum (Stadtplaner Stadt Hann. Münden) und Hann. Mündens Bürgermeister Harald Wegener.
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Die Podiumsteilnehmer: (V.li.) Gabriele Niehaus-Uebel (Vorsitzende der BI-Oberweser-Bramwald), die Stimme des Reinhardswaldes, Hermann-Josef Rapp, Dr. Nikolai Ziegler (Vorsitzender Bundesinitiative Vernunftkraft), Siegfried Pflum (Stadtplaner Stadt Hann. Münden) und Hann. Mündens Bürgermeister Harald Wegener.

Podiumsteilnehmer wollen den Kampf gegen Großwindanlagen auf dem Gahrenberg nicht so schnell aufgeben.

Hann. Münden. Etwa 70 Zuhörer zog es am Sonntagabend ins Welfenschloss zur Informationsveranstaltung der Stadt hinsichtlich drohender Windkraftanlagen auf dem Gahrenberg. Dort könnten zwischen der Dreiflüssestadt und Reinhardshagen auf einer Fläche von über 500 Hektar bis zu  50 Großwindanlagen, sogenannte Growiane, entstehen (wir berichteten). Ein Ausschreibungsverfahren hat das Land Hessen bereits eröffnet. An der Diskussion nahmen neben dem gastgebenden Bürgermeister Harald Wegener auch Dr. Nikolai Ziegler, Vorsitzender Bundesinitiative Vernunftkraft, die Stimme des Reinhardswaldes, Hermann-Josef Rapp, Siegfried Pflum, Stadtplaner der Stadt Hann. Münden, und Gabriele Niehaus-Uebel teil.

Die Vorsitzende der Bürgerinitiative Oberweser-Bramwald gab sich kämpferisch und rechnete mit guten Erfolgsaussichten für eine Klage gegen den Teilregionalplan Energie Nordhessen, wenn auf dem Gahrenberg Growiane entstehen sollten. Um den Oberweserraum vor der Verspargelung zu bewahren, müssten die Bürger allerdings aus ihrer Lethargie erwachen, Transparenz und Akteneinsicht bei geplanten Genehmigungsverfahren einfordern und die Regionalversammlung dazu auffordern, die Auflistung des Vogelartenvorkommens zu überarbeiten.Irritiert zeigte sie sich darüber, dass die Energiegenossenschaft Reinhardswald, der sich neun Anrainerkommunen exklusive Hann. Münden angeschlossen haben, ein Gebot abgegeben habe, um den Zuschlag für die Flächen zu erhalten, denn die Ausschreibung beinhalte etliche inhaltliche Schwächen, die den Bau der Growiane zu Fall bringen könnten. Gutachten würden sich demnach kaum mit der Auswirkung von Schattenwurf, Blinklichtern, Eisschlag, Schallimmission, Brandgefahren oder Tourismus befassen.

Der letzte Punkt beunruhigte Wegener besonders, denn ein Windpark auf dem Gahrenberg würde die stimmungsvolle Landschaft zerstören. "Es geht hier um Bauwerke mit einer Höhe von 200 Metern, was einem 70 Stockwerke hohen Gebäude entspricht."  Nach einem Gespräch mit Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke mit den Hinweis auf die Resolution des Stadtrates und den Frontalangriff auf Hann. Münden habe der RP eine dritte Offenlegung in Aussicht gestellt, berichtete Wegener weiter. Außerdem erwarte Lübcke keine Flugroutenverlegung in Zusammenhang mit Winderenergieanlagen.

"Einzigartige Artenvielfalt bedroht"

Rapp unterstrich indes die Bedeutung und den Wertgehalt des Reinhardswaldes als unberührtes Fleckchen Erde. Endlose Buchenwälder, eine einzigartige Artenvielfalt und viel Wildnis mit Totholz würde man hier vorfinden. "Der große Verlierer ist bei dem Bau von Windkraftanlagen die Natur! Es steht viel auf dem Spiel im Oberwesertal. Wir haben eine attraktive Waldkulisse zu verlieren", so Rapp, der die Idee der Windenergiegewinnung als naiv bezeichnetet. Obendrein spalte sie die Gesellschaft. "Deshalb wünsche ich mir, dass der Reinhardswald genauso von den Growianen verschont bleibt wie der Habichtswald, die Hohe Rhön und der Meißner."

"Versorgungssicherheit gefährdet"

"Windenergie gefährdet die Versorgungssicherheit, sie ist nicht speicherbar", betonte Ziegler. Obwohl sie nachweislich sehr ineffizient und unberechenbar sei, habe sie trotzdem Vorfahrt vor anderen Energiegewinnungsarten. "Lediglich 3,4 Prozent der Energieversorgung beziehen wir aus Windkraft und Fotovoltaikanlagen", rechnete Ziegler vor, "sie werden niemals Kernkraftwerke ersetzen können."Dass die Energiewende in Deutschland einen Einfluss auf die globale Emission habe, hält Ziegler für ein Gerücht, da die Bundesrepublik dazu gerade mal 2,3 Prozent beitrage. Ein weiterer Faktor, warum Ziegler die Windkraft zu einem Nischendasein verdammt sieht, ist die begrenzte Fläche in Deutschland. Man müsste hunderte Windparks bauen, um eine Versorgung zu gewährleisten – mit der Folge, dass man mit den Betonsockeln und den Bodenverankerungen der Türme für eine massive Oberflächenversiegelung sorge. Pro Windkraftanlage werde zudem ein Hektar Wald vernichtet."Wir müssen alles zur Disposition stellen, wenn wir diesen Weg weiter verfolgen wollen", sagte Ziegler, "anstatt das ursprüngliche Ziel zu erreichen,  die Natur zu schützen, haben wir am Ende mehr Schaden angerichtet."

Dass sich ein Kampf gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner, das Land Hessen, lohne, machte Niehaus-Uebel deutlich: "Dadurch gewinnen wir Zeit, vielleicht sogar bis zur Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, an der das  Bundeswirtschaftsministerium derzeit arbeitet."  Und diese Überarbeitung könnte die gesamte Energiewende ins Wanken bringen, die nach Meinung Zieglers aktuell nur einem wirklich etwas nütze: den Windparkinhabern. Denn sie würden eine 20 Jahre andauernde Preis- und Abnahmegarantie sowie Ausnahmegenehmigungen bei Bauverfahren erhalten. "Ein sonderbares System zu Lasten des Gemeinwohls", hielt Ziegler fest.

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