Filigrane Arbeit im Eberlein-Zimmer

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Freuen sich, dass es mit bei dem Eberlein-Relief endloch voran geht: Heinz-Peter Schwarze, Sprecher der Schutz- und Fördergemeinschaft (li.) sowie Bildhauer Erhard Joseph.

Bildhauer aus Adelebsen restauriert Relief im Turmzimmer der Tillyschanze

Hann. Münden. Prüfend blickt Erhard Joseph auf einen Finger, den er soeben aus Gips modelliert hat. Mit seinem Feinwerkzeug zieht er die Konturen nochmal nach. Der Bildhauer und Maler restauriert aktuell das Relief im Eberlein-Zimmer der Tillyschanze und damit auch kleine Schäden und Malheure, die im Laufe der Jahrzehnte entstanden sind. Das 2,5 mal 2 Meter große dreidimensionale Bild des Künstlers Gustav Heinrich Eberlein (1847-1926) soll der Adelebsener für eine Sonderausstellung ab Mitte Juli in Form bringen. Etwa 80 Eberlein-Werke hat er restauriert. Einige echte Herausforderungen waren darunter. Joseph zeigt Fotografien vergangener Arbeiten. Teilweise setzte er in kleine Fragmente zertrümmerte Skulpturen wie ein Puzzle wieder zusammen. Eine echte Geduldsarbeit. Zurzeit ist das Eberlein-Relief an der Reihe. Vor vier Wochen hat der Bildhauer damit begonnen, das Kunstwerk auszubessern. Es zeigt die Verteidigung Mündens gegen Tillys Truppen. Einige der angebildeten Figuren sind nicht mehr vollständig: „Hier fehlt ein Finger, dort eine Nase, da ein Flügelchen. Auch die Farbe frische ich auf, weil vieles im Laufe der Zeit schon etwas verblasst ist“, erklärt Joseph. Vorab wurde der riesige Gipsabdruck trocken- und feuchtgereinigt. Da die Decke des Zimmers nicht immer in einem tadellosen Zustand gewesen war, hatte eingedrungenes Wasser das Material ausgewaschen.

Finanziert werde die Restauration durch Spenden der Gustav-Eberlein-Forschung und der Schutz- und Fördergemeinschaft Tillyschanze, informiert Heinz-Peter Schwarze, Pressesprecher der Schutzgemeinschaft. Etwa 2.500 Euro wird die Restaurierung des Reliefs kosten. Ein geringer Betrag im Vergleich zu den Gesamtkosten der Tillyschanzen-Sanierung, die sich aktuell auf unglaubliche 350.000 Euro beläuft. Und wir sind noch nicht am Ziel, denn die Bastion muss noch bemacht werden und wir wollen ein kleines Amphitheater einrichten“, so Schwarze weiter. Dafür seien weiterhin Gelder nötig (siehe Info-Kasten). Was das Eberlein-Zimmer angeht, so wird auch hier weiter investiert. Zum Sommerfest am 17. Juni soll ein Touch-Screen den Besuchern Eberleins Kunstwerk erläutern. Ein Geländer aus Aluminium und Glas soll das Relief vor Berührungen schützen. Angeschaut werden darf es natürlich nach wie vor, genauso wie Dokumente, wie Aufzeichnungen und Bilder Eberleins, die der Verein in den vier Wänden dauerhaft ausstellen möchte.

Sommerfest und Rock am Turm an einem Tag

Wenn alles klappt, kann das fertige Eberlein-Zimmer bereits am Samstag, 17. Juni für neugierige Blicke geöffnet werden. Die Schutzgemeinschaft plant ab 11 Uhr ein Familienfest mit Kinderprogramm. Abends wird ab 19 Uhr die Steaven-Stealer-Cover-Band die Bühne rocken. Ein Pendelbusverkehr wird morgens bis abends ab Brückenmühle/Tanzwerder eingerichtet.

Bis dahin wird Erhard Joseph weiterhin seiner filigranen Arbeit nachgehen und noch so manche Gliedmaße ersetzen, die im Laufe der Jahrzehnte verloren gegangen ist.

Über das Kunstwerk und den Verein

Das Gipsrelief von Gustav Heinrich Eberlein (geboren 1847 in Spiekershausen) zeigt die heldenhafte Verteidigung der Stadt im 30-jährigen Krieg im Jahre 1626. Angeführt wurde die Gegenwehr gegen den Besatzer Tilly von Hauptmann von Rheden, der in der Relief-Mitte dargestellt wird. Wie so häufig in seinen Werken verlieh Eberlein auch hier seinen Figuren die Gesichter ihm bekannter Personen, wie von Freunden oder Familienangehörigen. Das Relief wurde 1888 in einem Turmzimmer der Tillyschanze installiert. Die 2011 gegründete Schutz- und Fördergemeinschaft setzt sich neben dem Erhalt der Tillyschanze als Mündener Wahrzeichen auch für den Fortbestand des Eberlein-Reliefs ein. Auch weiterhin sind Spenden nötig, um die Sanierung zu sichern. Potentielle Unterstützer werden gebeten sich mit dem 1. Vorsitzenden Dr. Manfred Albrecht in Verbindung zu setzen (albrecht-engel@t-online.de).

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