,Haben bis zuletzt an unseren Traum geglaubt’

Foto: Archiv
+
Foto: Archiv

Restaurant lief immer schlechter: Ehepaar versank im Schuldensumpf und zahlte Rechnungen nicht.

Hann. Münden. Es hatte sowohl bestelltes Heizöl als auch in Auftrag gegebene Zeitungswerbung nicht bezahlt und die Sozialversicherungsbeiträge seiner Mitarbeiter monatelang nicht an die Krankenkassen überwiesen und musste sich deshalb in der vergangenen Woche vor dem Mündener Amtsgericht verantworten: Ein Ehepaar, das von Anfang 2012 bis Ende 2013 im Altkreis Münden ein Restaurant betrieben hatte, wurde zu Zahlungen von Geldstrafen in Höhe von insgesamt 1.600 Euro verurteilt.

Betrug und Veruntreuung

Dem 39-jährigen Mann wurde vorgeworfen, im Herbst 2013 bei einer Kasseler Firma für 800 Euro Heizöl bestellt zu haben, obwohl er wusste, dass er die Rechnung wegen der hohen Schuldenlast nicht begleichen konnte – Betrug.Die Ehefrau hatte als offizielle Arbeitgeberin zwischen April und November 2013 in 13 Fällen die Sozialversicherungsbeiträge ihrer Angestellten in Höhe von 7.500 Euro nicht mehr gezahlt. Im Herbst 2012 gab sie Werbeanzeigen in einer Zeitung in Auftrag, doch auch hier wurde die Rechnung nicht beglichen – Vorenthaltung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt sowie Betrug.Das sah Richter Dr. Wilfried Kraft in allen drei Fällen zwar als erwiesen an, folgte aber mit seinem Urteil nicht der Forderung der Staatsanwaltschaft, die für den Ehemann eine siebenmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung beantragt hatte. Der Betrug des 39-Jährigen fiel nämlich in die Bewährungsfrist einer Verurteilung aus dem Jahr 2011. Damals war er wegen Straßenverkehrsgefährdung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einer Geldstrafe und dem Leisten von Sozialstunden verurteilt worden. Zudem hat der Ehemann bereits einiges auf dem Kerbholz, unter anderem Betrug, Diebstahl, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz, Verletzung von Unterhaltspflichten, Untreue und Beitragsvorenthaltung in mehreren Fällen. Kraft bescheinigte dem Angeklagten dennoch eine günstige Sozialprognose und berücksichtigte die Umstände der Heizölbestellung folgendermaßen: "Der Angeklagte wollte sich nicht bereichern, sondern den Gaststättenbetrieb aufrecht erhalten, rechnete in dem Moment mit einer baldigen Verbesserung der Situation." Der Richter beließ es bei einer Geldstrafe in Höhe von 600 Euro.

Für die Taten der 44-jährigen Ehefrau hatte die Staatsanwaltschaft die Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 1.800 Euro gefordert. Sie bewertete jedes Vergehen einzeln. Auch das sah der Richter anders und legte eine Geldstrafe in Höhe von 1.000 Euro fest.

Einnahmen geringer als gedacht

Das Ehepaar hatte das Restaurant zwei Jahre lang gemeinsam gepachtet und war nach eigenen Angaben wegen schlechter Wetterverhältnisse und dadurch resultierender Gewinneinbußen in der Hauptsaison in wirtschaftliche Schieflage geraten. Beide hätten immer noch geglaubt, das Ruder herumreißen zu können und sich sogar mit einem Catering-Service, der pädagogische Einrichtungen mit Mittagsmenüs beliefern sollte, ein zweites Standbein geschaffen. Doch auch das habe nicht zu einem Aufschwung geführt. Ganz im Gegenteil: Konnte das Ehepaar im Sommer 2013 noch eine Insolvenz abwenden, war es sechs Monate später wirtschaftlich am Ende. Der Verpächter des Restaurants habe schließlich reagiert und den Mietvertrag  gekündigt, erklärte die 44-Jährige.

"Wir haben niemandem schaden oder uns bereichern wollen, es tut uns sehr leid, was passiert ist. Wir haben bis zuletzt an unserem Traum geglaubt", sagte die Ehefrau vor der Urteilsverkündung. Auch der Verteidiger des 39-Jährigen bezeichnete das Verhalten seines Mandanten als blauäugig, naiv und falsch. Neben den Geldstrafen, die das  geringe Einkommen berücksichtigen, muss das Ehepaar die Kosten des Verfahrens tragen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Unbekannte klauen in Niestetal 14 Gänse und schneiden einem Tier Kopf und Schwanz ab
Kassel

Unbekannte klauen in Niestetal 14 Gänse und schneiden einem Tier Kopf und Schwanz ab

Die Polizei und Gänse-Eigentümer Rainer Althans suchen Zeugen, die Verdächtige in der Fuldatal-Straße gesehen haben.
Unbekannte klauen in Niestetal 14 Gänse und schneiden einem Tier Kopf und Schwanz ab
Kasseler Oktoberspaß auf der Schwanenwiese
Kassel

Kasseler Oktoberspaß auf der Schwanenwiese

Der Kasseler Oktoberspass lockt vom 1. bis zum 24. Oktober mit vielen Attraktionen auf die Schwanenwiese Kassel.
Kasseler Oktoberspaß auf der Schwanenwiese
Handball-Star Silvio Heinevetter jetzt auch Gastronom: Betreiberwechsel im „Holy Nosh Deli“
Kassel

Handball-Star Silvio Heinevetter jetzt auch Gastronom: Betreiberwechsel im „Holy Nosh Deli“

„Wir sind hinter der Theke genau so gut, wie davor“ scherzen die neuen „Holy Nosh Deli“-Inhaber Silvio Heinevetter und Yannick Klütsch.
Handball-Star Silvio Heinevetter jetzt auch Gastronom: Betreiberwechsel im „Holy Nosh Deli“
Alkoholisierter Mercedesfahrer durchbricht Zaun von<br/>Autohandel: Rund 15.000 Euro Schaden
Kassel

Alkoholisierter Mercedesfahrer durchbricht Zaun von
Autohandel: Rund 15.000 Euro Schaden

Der Pkw, an dem rund 5.000 Euro Schaden entstanden waren, musste von einem Abschleppunternehmen geboren werden. 
Alkoholisierter Mercedesfahrer durchbricht Zaun von
Autohandel: Rund 15.000 Euro Schaden

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.