Geiselnehmer von Hann. Münden veruteilt

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Der 34-Jährige war im Juli vergangenen Jahres kurz nach seiner zweiten Tat festgenommen worden.

3 Jahre und 9 Monate Freiheitsentzug: 34-Jähriger überfiel Discounter und Spielhalle

Hann. Münden. Wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung und vollendeter schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit einer Geiselnahme wurde heute Morgen ein 34-Jähriger aus dem Altkreis Hann. Münden vor dem Landgericht Göttingen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Das Gericht ordnete die Unterbringung des Mannes in einer Entziehungsanstalt an, um seine Drogensucht zu besiegen.

Als „Katastrophale Idee“ an Geld zu kommen, wertete der vorsitzende Richter des Schöffengerichts die Entscheidung des Angeklagten, im Juli 2017 innerhalb einer Woche die Spielhalle in der Rosenstraße und den Lebensmitteldiscounter in der Wilhelmshäuser Straße zu überfallen (wir berichteten): „Mit weitreichenden Folgen für Täter und Opfer.“

Sei der erste Überfall an dem Opfer, eine Spielhallen-Angestellte, beinahe spurlos vorübergegangen – für die Zeugin sei die Tat kein „prägendes Geschehen“ gewesen und hatte die vorgehaltene Schreckschusspistole als „unecht“ erkannt – hatte der zweite Überfall auf den Discounter Folgen für die Mitarbeiterinnen. Eine von ihnen wurde von dem 34-Jährigen kurzzeitig als Geisel genommen als die alarmierte Polizei seine Flucht vom Tatort vereiteln wollte. Einen Moment habe er sogar die Pistole an den Kopf seines Opfers gehalten, sich kurze Zeit später jedoch den Beamten ergeben. Diese hatten das Gebäude umstellt. Die Geisel klagte später über Schlafstörungen und Angstzustände, sei Wochen krankgeschrieben gewesen, so der Richter weiter. Bei dem Überfall auf die Spielhalle flüchtete der Täter ohne Geld, weil sich der Tresor nicht öffnen ließ. Im Discounter ließ er sich von Angestellten 4.000 Euro in Geldscheinen in eine Tüte packen. Doch die Freude darüber währte nur kurz – bis Beamte eintrafen.

,Drang zum Glücksspiel, Konsum von Drogen’

Das Schöffengericht folgte mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Es sah als erwiesen an, dass der „erhebliche Drang zum Glücksspiel“ und der übermäßige Konsum von Alkohol, Kokain und Marihuana zu einer Veränderung der Persönlichkeit und des Wertgefüges des Angeklagten geführt hätten. Obendrein soll der 34-Jährige 18.000 Euro Schulden gehabt haben, was den Druck verschärft habe. „Er hat nur noch an die Beschaffung neuer Drogen gedacht. Sein Hang im Übermaß Drogen zu nehmen, steht in einem symptomatischen Zusammenhang zur Tat. Wir haben begründete Annahme, dass die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt zum Erfolg führen wird. Die Drogenabhängigkeit war klarer Hintergrund der Taten. Ist sie geheilt, werden sich die Taten nicht wiederholen“, erklärte der Richter. Zugute hielt das Schöffengericht dem Angeklagten folgende Umstände: Er hatte die Überfälle und die Geiselnahme vollumfänglich eingeräumt. Die eingesetzte Waffe war nicht mit Munition geladen gewesen und der Mann war nicht vorbestraft. Er hat neben der Freiheitsstrafe die Kosten des Verfahrens zu tragen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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