"Museum der Arbeit" in Münden bleibt geschlossen

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Die Vorstandsmitglieder des Arbeitergeschichtsvereins: (V.li.) Friedhelm Meyer, Sarah Schnieder, Stefan Schäfer, Martina Pakusch und Dr. Karin Gille-Linne.

Arbeitergeschichtsverein wird Mündener Hagelturm 2017 nicht öffnen

Hann. Münden. Ein Standbein des Arbeitergeschichtsvereins und gleichzeitig ein wichtiges kulturelles und touristisches Angebot für Hann. Münden, ist der Betrieb des „Museums der Arbeit“ im Hagelturm, einem einzigartigen Denkmal der Industriegeschichte. 2017 wird es aber keine Besucher empfangen. Das hat der Verein Anfang April beschlossen. „Der Betrieb des Museums brachte den Ehrenamtlichen in den vergangenen Jahren viel Freude, kostete aber auch eine Menge Kraft. Öffnungszeiten gewährleisten, Führungen und Museumsfeste orga­nisieren, Öffentlichkeitsarbeit, die Räume und die 165 Treppenstufen reinigen und vieles mehr gehören eben auch dazu. Im Herbst haben wir sogar einen Heiratsantrag auf dem Turm möglich gemacht. Aber insgesamt haben sich in den letzten zwei Jahren die Bedingungen so massiv verschlechtert, dass wir nun den Mu­seumsbetrieb für 2017 einstellen werden. Auch das Turmfest am 1. Mai entfällt“, so die Vereinsvorsitzende Dr. Karin Gille-Linne.

„Arbeit wird durch die Politik erschwert“

Die Arbeit des Vereins, so der Vereinsvorstand in einer Pressemitteilung, werde durch Entscheidungen der Politik und der Verwaltung erschwert. Der Verein bekomme keine finanzielle Unterstützung seitens der Stadt. Ein Zuschuss in Höhe von 720 Euro, der zu­nächst halbiert und für 2016 ganz gestrichen worden sei, gelte der Teildeckung der Kosten, die der Verein als Miete zur Nutzung zweier kleiner Räume im Erdgeschoss – jährlich 720 Euro – an die Stadt zu zahlen habe. Spielräume zur Finanzierung von Ausstellungen und Veranstaltungen seien so erheblich eingeengt worden. Das Nachbargebäude und der zum Turm führende Hof seien verkauft worden. Damit sei die Möglichkeit zum Ausbau des Industriemuseums oder zur Bewirtschaftung der Hoffläche weitestgehend eingeschränkt worden.

Halmfliegen-Befall bleibt massives Problem

„Zentrales Problem ist die Bekämpfung der ab dem Jahre 2015 massiv auftretenden Halmfliegen. Wur­den diese auf Veranlassung der Stadt im Herbst 2015 und Frühjahr 2016 bekämpft, so handelte die Stadt in der Überwinterungsperiode 2016/17 nicht. Ab August ist wieder mit einem massiven Befall zu rechnen, der ein vorzeitiges Saisonende, wie in den beiden Vorjahren auch, erwarten lässt“, so Gille-Linne. Nach der letzten Grundreinigung der Gießerstube im Oktober 2016 durch Vereinsmitglieder sei diese erneut von Fliegenkadavern übersäht. Anfang April hat die Jahreshauptversammlung den Vorstand beauftragt, die Vereins- und Museumsarbeit neu zu ordnen. Die Zusammenarbeit mit der Stadt will man vertraglich festhalten und auch Versicherungsfragen müssen geregelt, ein Betreiberkonzept erarbeitet und Fragen der baulichen Unterhaltung wie etwa die Bekämpfung der Halmfliegen geklärt werden. Der Rat der Stadt sei informiert worden. „Einige der Angeschriebenen bekundeten bereits ihr Interesse an einer Wiedereröffnung des Museums. Ob dies gelingt, hängt von vielen Faktoren ab. Der Arbeitergeschichtsverein ist gerne zu Gesprächen bereit“, so Gille-Linne.

Über den Verein und das Museum

Die Geschichte der kleinen Leute, das Arbeitsleben und die Arbeiterbewegung des 19. und 20. Jahr­hunderts – das sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Arbeitergeschichtsvereins, der zirka 60 Mitglieder zählt. Seit vielen Jahren leistet er seinen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus in Hann. Münden. Seit 2015 auch im Verbund mit der Stadt, dem Geschichtsverein Sydekum und dem Verein Erinnerung und Mahnung im Rahmen eines gemeinsam finanzierten Projekts. „In erster Linie müssen historische Quellen im Archiv erschlossen werden. Auf Gedenkveranstaltungen, Vorträgen und Konferenzen wurden Zwischenergeb­nisse präsentiert“, schildert Stefan Schäfer, zweiter Vorsitzender des Vereins, die inhaltliche Arbeit. Das Museum im Hagelturm wurde Ende 1999 von der Stadt und der Firma Haendler&Natermann mit Unterstützung des Arbeitergeschichtsvereins ausge­baut und eröffnet. 2008 hat die Stadt mit EU-Mitteln den Turm mit einer Aussichtskuppel versehen und so die Attraktivität noch gesteigert. Die Stadt ist Inhaberin des Gebäudes.

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