Verkehrssicherheitswoche an den Berufsbildenden Schulen in Münden

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Piekatz

Prävention: ,Der Unfall, der nicht passiert’

Hann.Münden. Alle zwei Jahre führen die Berufsbildenden Schulen (BBS), Auefeld 8, eine Verkehrssicherheitswoche durch. Ziel ist es, die Unfallzahlen junger Fahranfänger zu senken. Daran beteiligen sich ADAC, Feuerwehr, Polizei und die Verkehrswacht. Zu Beginn der vergangenen Woche, bei einer Auftaktveranstaltung, stellten sich Referenten und Referentinnen mit ihren Themen vor. Klaus Ulbricht, Geschäftsführer der Verkehrswacht Münden, betonte, wie wichtig die Prävention sei. Es lohne sich, um jeden einzelnen zu kämpfen. Der ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt hat „verschiedene interaktive Bausteine entwickelt, die bei Verkehrssicherheitstagen an Schulen eingesetzt werden.“ „WAM – wait a minute“ heißt das Programm. Junge Fahrer sensibilisieren, die Unfallzahlen der Hochunfallrisikogruppe senken, ist das Ziel. Reinhold Chrzanowski ist ehrenamtlich in der Notfallseelsorge tätig. Schwer sei es, Todesnachrichten zu überbringen. Die Jugendlichen wüssten nicht was sie ihren Angehörigen antun. Dr. med. Christopher Spering ist Unfallchirurg. Für ihn sind nicht die Unfalltoten relevant, sondern die Schwerverletzten. „51 Prozent können nicht mehr arbeiten, daran arbeiten wir.“ Und er fügt hinzu, die Jugendlichen nicht schockiert werden, sie sollen selbst verstehen.

Handy als „Killer Nr.1“

Karsten Kraus von der Autobahnpolizei Göttingen meint, „Prävention funktioniert nicht ohne Repression. Man müsse zeigen, welche Mittel die Polizei hat“, gegen Verstöße wie überhöhte Geschwindigkeit, Drogen und Unaufmerksamkeit durch Handynutzung vorzugehen. Untersuchungsrichter Dr. Oliver Jitschin sieht als Strafmaßnahme Führerscheinentzug. Für den Göttinger Polizeihauptkommissar Jörg Arnecke besteht die Hauptunfallursache in der Handynutzung während der Fahrt, es sei der „Killer Nr. 1“. Schulleiter Gerd Reddig schlug vor, eine Freisprechanlage in alle Autos zu installieren. Chirurg Spering hielt dagegen, das „würde nichts nützen, denn es sind die Inhalte der Gespräche“, die ablenken. Eike Schucht von der Feuerwehr sagte, die Verkehrsunfälle seien zurückgegangen, da die Fahrzeugtechnik verbessert wurde. Oft muss die Feuerwehr Unfallopfer teilweise aus PKW schneiden.

Felix Lasse Schmidt vom ADAC mit einem Schüler auf dem Ablenkungsparcour.

Neben zahlreichen Vorträgen und Workshops konnten die Schülerinnen und Schüler am Donnerstag und Freitag praktische Erfahrungen machen. Am Überschlagsimulator erklärte Thomas Ischietsch vom ADAC, was passiert, wenn sich das Auto überschlägt, und wie man sich aus einem PKW befreit, wenn man kopfüber hängt. Luca Marie und Samira probierten es als erste aus. Es hat ihnen Spaß gemacht, ein „cooles Gefühl, man schwebt“, sagen sie. Beim Opel Astra ist Gas und Bremse verkabelt. Arnd Schilack (Verkehrswacht Bielefeld), erklärt die richtige Sitzhaltung im Auto. „Nicht zu bequem sitzen, sondern aufrecht und nahe dran und Hände nicht oben, sondern seitlich am Lenkrad“, rät er. Der Fahrsimulator wertet das Fahrverhalten der Schüler aus, Reaktion und Bremsweg gleich Anhalteweg. Schilack erläutert die Ergebnisse. Der 16-jährige Phillip, noch ohne Führerschein, hat seinen ersten „Crash“ im Simulator überstanden. Das bringt „mehr Erfahrung, als wenn man es nur hört“, kommentiert er. Der Gurtschlitten prallt mit 11 Stundenkilometern auf. Wie würde es sich wohl bei 50 kmh anfühlen? Das kann man erahnen beim Video des Crashtests mit einem Smart des ADAC Technikzentrums Landsberg und einem Golf. Da hätte ein Fuß wegen der eindringenden Teile amputiert werden müssen. Ein Konstruktionsfehler dieses Golfs7, der aufgrund des Bildmaterials heute nicht mehr produziert wird. Dr. Tobias Schmidt berechnet mit den Jugendlichen den Bremsweg. Empfohlener Abstand halbe Tachostand, bei 50 kmh also 25 Meter. Zu wenig sagt der ADAC-Fahrsicherheitstrainer. Je höher die Geschwindigkeit, desto länger ist der Bremsweg, bzw. Anhalteweg. (Die genaue Formel ist nachzulesen unter www.bussgeldkatalog.org/anhalteweg, Anmerkung der Redaktion).

Auf dem Ablenkungsparcour probieren die Schülerinnen und Schüler das Kart-Fahren ohne und mit Nachrichten auf dem Handy schreiben aus. „Das ist anstrengend, man kann sich nicht konzentrieren, man fährt stockender“, sind die Kommentare, Ferner gab es den ADAC-Prüftruck, den Sehtest, Informationen zum Lärmschutz und die Demonstrationen der Unfallrettung und -bergung durch die Feuerwehr. Die Statistik der Göttinger Polizeiinspektion zeigt erfreulicherweise einen Rückgang der schwer verletzten und getöteten Fahranfänger im Jahr 2017 von 36 auf 20 gegenüber dem Vorjahr. Die Gesamtzahl der bei Verkehrsunfällen verletzten jungen Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren ist jedoch von 266 auf 288 gestiegen. Deshalb wird sich die Polizeiinspektion Göttingen dieser Risikogruppe in ihrer Verkehrssicherheitsarbeit weiterhin intensiv widmen, unter dem Motto: dein Unfall, der nicht passiert.

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