Von Hann. Münden aus Geld übers Internet ergaunert

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In Handschellen wurde der Angeklagte in den Gerichtssaal gebracht (Symbolfoto).

Erneuter Gefängnisaufenthalt droht einem 37-Jährigen, der sich seinen immensen Drogenkonsum durch Online-Betrügereien finanzierte

Hann. Münden. Ein Angeklagter in Handschellen, ein Richter vor einem Berg von Akten und eine mehr als dreistündige Verhandlung, all das ereignete sich in der vergangenen Woche vor dem Mündener Amtsgericht. Ein 37-jähriger, gebürtig aus Göttingen stammender Mann, musste sich wegen gewerbsmäßigen Betrugs verantworten.

Dem Angeklagten, der derzeit in der Justizvollzugsanstalt Heimsheim (Baden-Württemberg) einsitzt, wurde vorgeworfen Anfang 2019 von Hann. Münden aus über die Plattformen „Facebook Marketplace“ und „Ebay Kleinanzeigen“ in sieben Fällen Armbanduhren, Smartphones und Akku-Schlagschrauber verkauft zu haben. Er gab die Taten zu: Das Geld für die Waren kassierte er im Voraus, doch die Käufer erhielten die Waren nicht, denn der 37-Jährige war nie in deren Besitz gewesen. Nach eigenen Aussagen, kopierte er andere Verkaufs-Angebote auf Online-Plattformen und recherchierte dazu die realistischen Preisvorstellungen. Insgesamt ergaunerte er sich auf diese Weise über 3.300 Euro. Damit er schneller Vertrauen zu den Interessenten aufbauen konnte, verschickte er sogar Kopien seines Personalausweisen. „Ich bin seit Jahren stark drogenabhängig. Ich brauchte das Geld, um mir Cannabis, Kokain, Speed oder Amphetamine zu kaufen, die ich für meinen täglichen Konsum benötigte. Das Verlangen war so groß, dass es mir egal war meine Identität preiszugeben, auch auf die Gefahr hin erwischt zu werden“, schilderte der Angeklagte, der angab, seit dem 16. Lebensjahr regelmäßig Drogen zu nehmen.

Weder Schulabschluss noch Berufsausbildung

Die Hauptschule habe er ohne Abschluss verlassen, später eine Ausbildung zum Mechatroniker geschmissen. Seinen Lebensunterhalt bestritt er zum Teil mit Geld, dass er sich durch Betrugsmaschen erschlich – sofern er seine Zeit nicht im Jugendarrest oder im Gefängnis verbrachte. Insgesamt zwölfmal wurde der Angeklagte verurteilt, unter anderem wegen Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung sowie Betrug in dutzenden Fällen. Bei Letzteren soll stets die Drogenabhängigkeit die Triebfeder gewesen sein. Bewährungen wurden mehrfach widerrufen und mehrjährige Gefängnisstrafen wirksam.

Der Tod seines Vater im Jahr 2016 habe die Situation noch einmal verschärft. In all den Jahren habe er es nur einmal geschafft eine Therapie anzutreten. Das war 2009: „In der JVA habe ich regelmäßig versucht an Therapieprogrammen teilzunehmen, die sind aber hoffnungslos überfüllt und es gibt lange Wartelisten“, so der 37-Jährige, der sich Kritik der Staatsanwaltschaft gefallen lassen musste, warum er sich nicht in Freiheit um einen Therapieplatz bemüht habe. Auch hier erklärte der Angeklagte, dass seine guten Absichten an überlaufenen Einrichtungen gescheitert seien. Doch er blicke optimistisch in die Zukunft. Er sei seit kurzem verlobt, das gebe ihm etwas Halt. Nach der Verbüßung seiner Strafe wolle er als Schausteller in Süddeutschland Fuß fassen. Sein zwischenzeitlicher Arbeitgeber habe sich für ihn stark gemacht und sogar die Zahlung einer Kaution angeboten, was jedoch aus rechtlichen Gründen nicht möglich gewesen sei.

„Sie sind ein hartnäckiger Rechtsverbrecher“

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten, der Verteidiger des 37-Jährigen eine 18-monatige Haftstrafe auf Bewährung. Vor Gericht räumte er ein, dass sein Mandant eine „Beschaffungskriminalität par excellence“ betrieben habe. Richter Matthias Thielbeer verurteilte den Angeklagten wegen Betrug in sieben Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Damit kann die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt werden. Zudem muss der Verurteilte dafür sorgen, dass die Geschädigten ihr Geld zurück erhalten und er muss die Kosten des Verfahrens tragen. Thielbeer legte dem Mann zur Last, dass er sich intensiv mit dem Betrug auseinandergesetzt, Recherche betrieben und sogar extra ein Konto für die illegal erworbenen Summen angelegt hätte. Zudem sei die kriminelle Vergangenheit dermaßen erdrückend, dass der Richter keine günstige Sozialprognose habe stellen können. Die Drogensucht sei die Wurzel allen Übels und es sei in der Vergangenheit versäumt worden diese therapeutisch aufzuarbeiten. „Die emotionale Belastung durch den Tod ihres Vaters verstehe ich. Das gibt Ihnen aber noch lange nicht das Recht andere Menschen um ihr Erspartes zu bringen. Die Summen, um die es bei den einzelnen Geschäften ging, jeweils zwischen 400 und 500 Euro, stellen erhebliche Werte dar. Man kann bei ihnen von einem hartnäckigen Rechtsverbrecher sprechen.“ Das Strafmaß bei Betrug liegt, je nach Schwere, zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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