Tumult vor Mündener Schule blieb ohne Folgen

Amtsgericht stellt Verfahren gegen 45-Jährigen ein, dem gefährliche Körperverletzung vorgeworfen wurde

Hann. Münden. Das Verfahren gegen einen 45-Jährigen aus Staufenberg wegen gefährlicher Körperverletzung wurde vor dem Mündener Amtsgericht eingestellt. Dem Mann wurde vorgeworfen am 22. Juni vergangenen Jahres vor einer Schule im Auefeld eine damals 16-Jährige mit einen Autoschlüssel am Hals verletzt zu haben. Zu dem Übergriff soll es gekommen sein, weil die 16-Jährige ihm und seiner Tochter gegenüber ausfallend geworden sein soll. Das Mädchen war die Schulkameradin der Tochter des Angeklagten und hatte Anzeige bei der Polizei erstattet.

Angeklagter: „Vorwürfe sind völliger Quatsch“

Der Angeklagte bestritt die Tat. Die Vorwürfe seien „völliger Quatsch“. Er habe die junge Frau lediglich mit vorgehaltenem Schlüssel belehrend zurechtweisen wollen, aber nie berührt. Sie soll die Tochter sowie die gesamte Familie des Beschuldigten haltlos beleidigt haben.

Das vermeintliche Opfer war mit der Tochter des Angeklagten zunächst befreundet. Die Freundschaft zerbrach jedoch und es sei zu unschönen Szenen in der Schule gekommen. Prekär: Der Mann stand zum Zeitpunkt, zu dem sich der Vorfall ereignet haben soll, wegen eines Gewaltdeliktes unter Bewährung.

Mehrere Mitschüler sollen die Szene beobachtet haben und waren als Zeugen vor Gericht geladen. Das vermeintliche Opfer erschien nicht. Dafür sagten die anderen Jugendlichen, teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aus. Eine junge Zeugin berichtete, dass der 45-Jährige zwar aggressiv aufgetreten sei, die damals 16-Jährige jedoch nicht berührt habe. Kontakt zu der Unruhestifterin bestehe heute nicht mehr. An ihre Zeugenaussage bei der Polizei, wonach der Mann das Opfer einen Autoschlüssel gegen den Hals gedrückt haben soll, konnte sie sich nicht mehr erinnern. Auch eine zweite, volljährige Zeugin, entlastete den Angeklagten.

Richterin Dr. Christine Kunst sprach von „heftigen“ Nachrichten, die das angebliche Opfer per Smartphone verschickt haben soll. Ein ärztliches Zeugnis von etwaigen Verletzungen sei nicht vorgelegt worden. Und auch das Nichterscheinen der vermeintlich Geschädigten vor Gericht kam den Beteiligten merkwürdig vor: Vielleicht sei die junge Frau nicht gekommen, weil sie das Ganze übertrieben habe, mutmaßte Kunst.

Anti-Aggressionstraining stößt auf wenig Gegenliebe

Trotz des eingestellten Verfahrens fand es die Richterin bedenklich, dass der 45-Jährige seiner Tochter gesagt hätte, sie solle der Denunziantin „eine reinhauen“, um sich zu wehren. Als Vater müsse man Vorbild sein und könne Streitigkeiten nicht mit Gewalt lösen, so die Richterin. Auf die Frage, ob der Mann dazu bereit sei an einem Anti-Aggressionstraining teilzunehmen, entgegnete dieser: „Das brauche ich nicht. Ich habe nichts gemacht und habe nur versucht meine Tochter zu verteidigen.“

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