Aus für Mündener Eisenbart-Stück

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Vergangenheit: Der bereits Ende 2016 ausgeschiedene Dr. Eisenbart-Darsteller René Wallburg bei einer Aufführung im Packhof. Die komplexe Rolle des Wanderarztes konnte seitdem nicht mehr nachbesetzt werden.

„What a Man“ fehlen wichtige Darsteller – Verein sucht neue und kürzere Variante, Autor kritisiert Führung

Hann. Münden.  Für das Theaterstück „What a Man“ über den Wanderarzt Dr. Eisenbart fällt der Vorhang. Es hat nach seiner Uraufführung im Frühjahr 2014 nur zwei Spielzeiten überdauert. In den vergangenen beiden Jahren ruhte das Projekt, da sich der Trägerverein Doktor-Eisenbart-Spiele Hann. Münden Ende 2016 zunächst von Hauptdarsteller René Wallburg getrennt hatte und später drei weitere wichtige Mimen von Bord gingen – aus privaten Gründen, wie die Vereinsvorsitzende Renate Bitz, mitteilt. Nun zog die Theatergruppe die Reißleine. „Fest steht, dass die verbliebenen Ensemble-Mitglieder weitermachen wollen, gerne auch mit einem ganz anderen, kürzeren Stück“, teilt Bitz mit. Man sei in Kontakt mit Schülern der Kasseler Schauspielschule. „Bis zu zwei professionelle Darsteller könnten wir bezahlen. Die restlichen müssten wieder ehrenamtlich mitspielen. Während der nächsten Vereinssitzung Mitte/Ende Februar werden wir uns beraten, wie es weitergehen soll.“ Dabei stehe vor allem der zeitliche Faktor im Vordergrund: „Das alte, zweistündige Stück war einfach zu lang für die Tagestouristen und zu aufwändig im Aufbau. So konnten wir es ausschließlich nur im Packhof aufführen und nicht außerhalb Mündens. Die Kulissen waren einfach zu groß, um sie zu transportieren.“ Autor Walter Kalk habe man vergebens gebeten, eine kürzere Version zu verfassen, so die Vereinsvorsitzende, „dann hätten wir auch eine geringere Anzahl an Darstellern gebraucht.“ Zu den Zuschauerzahlen in 2016 machte Bitz keine Angaben.

Stadt unterstützte den Verein mit 34.000 Euro

Renate Bitz, Vorsitzende des Doktor-Eisenbart-Spiele Hann. Münden e.V. (li.) und Walter Kalk, Autor und Regisseur des Stücks „What a Man“.

34.000 Euro stellte die Stadt zwischen 2012 und 2014 dem Verein zur Verfügung, der damit unter anderem Walter Kalk für seine Tätigkeit als Autor und Regisseur von „What a Man“ entlohnte. Außerdem soll er an den Einnahmen jedes Auftritts verdient haben, so Bitz weiter. Die stark kritisierten hohen Kosten für die Eintrittskarten senkte die neue Vereinsführung nach einem Vorstandswechsel von 19 auf 14 Euro. Bitz sei froh, dass man damals übernommene Verbindlichkeiten mittlerweile auf null reduzieren konnte und der Verein heute keine „Schulden“ mehr habe.

Autor: Stück lässt sich nicht ohne weiteres kürzen

Kalk zeigte sich auf Nachfrage überrascht von der Nachricht, dass der Verein das Stück einstellen möchte. Er sei nicht darüber informiert worden und bedaure die Entscheidung, denn er habe viel Energie und Herzblut investiert. Er bestätigte, dass der Verein ihn gebeten habe, dass Stück zu kürzen. Dazu sei er auch bis zu einem gewissen Grad bereit gewesen: „Ich kann aber kein zweistündiges Stück auf 45 Minuten kürzen. So drastisch geht das nicht. Dann müsste ich eine völlig neue Geschichte schreiben.“ Zudem habe es Beschwerden vom Ensemble über Szenen gegeben, die Kalk habe streichen wollen. Generell gestalte sich der Informationsfluss – Kalk lebt in Leipzig – schwierig. Es würden viele Mails geschrieben und dadurch vielleicht auch viel missverstanden. Was den bislang mäßigen Erfolg von „What a Man“ angeht, führt Kalk auch auf verpasste Chancen zurück: „Ich stellte zwischen dem Verein und der Festspielstadt Schwäbisch Hall einen Kontakt her. Hier hätte man sich bei den Marketingstrategien einiges abgucken können. Leider ist da nichts passiert. Im Gegenteil: Mir wurde gesagt, dass ich meine Kompetenzen überschreiten würde. Darüber war ich entsetzt.“

Alles hinwerfen möchte Kalk jedoch nicht. Er sei bereit, sich mit der Vereinsführung an einen Tisch zu setzen und an einer kürzeren Fassung zu arbeiten. „Voraussetzung dafür ist aber, dass auch Geld für einen professionellen Hauptdarsteller vorhanden ist und das man eine bessere Vermarktung in Betracht zieht.“ Marc Pfütz, Geschäftsführer der Hann. Münden Marketing GmbH bedauert die Entscheidung über das Theaterstück-Aus: „Bedauerlich, denn die Nachricht, dass der Verein auf ein verkürztes Stück setzen möchte, weckte zwischenzeitlich etwas Hoffnung. Das wäre in jedem Fall besser zu vermarkten gewesen. Dr. Eisenbart spielt Vermarktungstechnisch eine wichtige Rolle für uns. Deshalb wäre es schön, wenn man seitens des Vereins für 2019 doch noch etwas hinbekommen könnte, um bei Veranstaltungen in anderen Städten für uns zu werben.“ Wer eine Idee hat, wie das neue „Stück“ von Dr. Eisenbart aussehen könnte, kann sich direkt an die Vereinsvorsitzende unter der E-Mail-Adresse franz.bitz@gmx.net wenden. Für sie steht fest, dass es eine Rückkehr zu den Klamauk-Aufführungen aus früheren Jahren nicht geben wird.

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