Haus – Hof – Fabrik

Die Mehrfachbelastung der Frauen gab es schon immerVon HELGA WERNHARDT Groalmerode. Was tun nur diese Weiber da? Gehen mit einem F

Die Mehrfachbelastung der Frauen gab es schon immer

Von HELGA WERNHARDT

Groalmerode. Was tun nur diese Weiber da? Gehen mit einem Fsschen von Haus zu Haus und bringen eine stinkende Brhe in die Fabrik am Stadtrand, fragte sich 1785 ein Student der Gttinger Universitt, der von seinem Professor den Auftrag erhalten hatte, ber Frauenarbeit zu forschen. In der Studie nachzulesen ist, dass die Frauen den abgestandenen Urin der Haushalte sammelten, weil die Harnsure wichtig fr die Alausiederei war. Selbstverstndlich bekamen die Arbeiterinnen fr ihre Dienste nur einen Hungerlohn.

Frauengeschichten in Hessen

Derartige Textpassagen trugen krzlich Monika Hemann aus Witzenhausen und Eva Lieding aus Vockerode einem interessierten Publikum im Glas- und Keramikmuseum vor. Die beiden Referentinnen sind Gstefhrerinnen in der Region und bereiteten das Thema Frauengeschichten in Hessen anschaulich auf. Sie gaben Einblicke in die Arbeits- und Lebenswelten der Frauen in Groalmerode von 1775 bis zur Industrialisierung im frhen 20. Jahrhundert. Berhmte Frauen der Geschichte sind in unserer Kultur oft Alibifrauen, die es zu etwas gebracht haben, die ebenso gut - oder besser - wie die Mnner herrschen, dichten und malen konnten oder deren Muse oder Mtresse sein durften. Aber es gab selbstverstndlich nicht nur die puppenhafte Madame Pompadur im Rokoko oder eine Bettina von Arnim, die schriftstellern konnte, weil ihr Mann ein reicher Grundbesitzer war....

Die meisten Frauen im ber 200-jhrigen Rckblick waren gezwungen, Haus und Hof in Schuss zu halten, sich um die Kinder zu kmmern und zustzlich einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Im politischen Wandel der Kleinstaaterei wurden Mnner als Soldaten verheizt oder fernab der Heimat eingesetzt, so dass diese der Familie kaum zur Verfgung standen. Eine wichtige berlebensstrategie fr die lndliche Bevlkerung war daher die Selbstversorgung und die Heimarbeit. berall gab es einen Webstuhl und eine Drehbank fr Tpferarbeiten. Frauen und Kinder stellten Haushaltswaren sowie Nharbeiten her und bernahmen waschen und bgeln. Sozialvericherung? Kranken- und Rentenkassen? Fremdwrter. Witwen und ledige Mtter mussten sehen, wo sie blieben...Groalmerode boomteAls hundert Jahre spter die Manufakturen entstanden, mussten die Frauen ihre Kinder mit Heim und Herd allein lassen. In Groalmerode war bereits eine keramische Vorindustrie entstanden, die neben anderen Produktionssttten viele Arbeitspltze schaftte. Groalmerode wuchs. Doch der Lebensstandard der einfachen Familien besserte sich nicht wesentlich. Die Wohnungen in den Fachwerkhusern waren klein und gedrungen. Oft lebte man mit dem Vieh zusammen, das jeden Tag ausgetrieben wurde. Ein Job fr Frauen war daher auch die Hirtin, die wahrscheinlich mit Milch und Eiern bezahlt wurde. Besser ging es den Broangestellten oder Ladenhilfen. Einigen Frauen, die ehemals mit Heimarbeit ihr Einkommen hatten, gelang sogar die Selbststndigkeit.

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