Ein Haus voll Geschichte

(V.li.) Hausbesitzer Bernd Demandt, Patricia Kenar, Vorsitzende des Fördervereins Mündener Altstadt, Stadtarchivar Stefan Schäfer, Architektin Sabine Momm und Innenarchitektin Barbara Brübach.
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(V.li.) Hausbesitzer Bernd Demandt, Patricia Kenar, Vorsitzende des Fördervereins Mündener Altstadt, Stadtarchivar Stefan Schäfer, Architektin Sabine Momm und Innenarchitektin Barbara Brübach.

Tag der offenen Tür in der Destille.

Von HELGA PIEKATZ

Hann. Münden. Die "Destille", ein "schmuckloser Ziegelsteinbau" Hinter der Stadtmauer 9 und 11, hat eine wechselhafte Nutzungsgeschichte. Sie war Lagerhaus für Tabak, Rohrzucker, Tee, Tran, Gewürze und Getreide. Danach ein Lager der Weinhandlung Luis Winkelmann, ein Lager für Gummimatratzen der Mündener Gummifabrik und 1964 Unterkunft für italienische Gastarbeiter. In den letzten Jahren fanden größere Veranstaltungen und Ausstellungen des Denkmalkunstfestivals statt. Nun entstehen hier barrierefreie Eigentumswohnungen. Um Interessierten einen Einblick in die wechselvolle Geschichte des Hauses zu geben, veranstaltete der Förderverein Mündener Altstadt e. V. am Sonntag einen Tag der offenen Tür. Es gab Führungen, zu sehen waren Fundstücke und im beheizten Raum konnte man sich gemütlich bei Kaffee und Kuchen austauschen.

Ernte durch Brand verloren

"Im ersten Weltkrieg wurde streng über die Ernte und Verteilung von Getreide gewacht …monopolisiert und kontrolliert", erzählt Stadtarchivar Stefan Schäfer den Besuchern. Die Mündersche Mühle hatte sich dem Monopol angeschlossen und 1918 eine Getreidetrocknungsanlage gebaut. Kurz nach Inbetriebnahme brach ein Feuer aus (vermutlich auf Grund eines technischen Defekts). Im letzten Kriegsjahr war die komplette Ernte verloren. "Wir haben verkohlte Getreidekörner gefunden", so Stefan Schäfer, für einen Geschichtsinteressierten ein spannender Moment.Das "Mündener Intelligenzblättchen" berichtete über den Großbrand, bei dem auch die Nachbarbebauung beschädigt wurde. Mitglieder des Fördervereins füllten ausgegrabene, verkohlte Getreidekörner in kleine Fläschchen mit der Aufschrift "Korn gebrannt 1918", dekorierten sie mit Kopien des Zeitungsartikels in Form von Papierröllchen und boten sie zum Kauf zu Gunsten des Fördervereins an. Kleine, aus Papier gefaltete Mäuschen waren von Conny Staub, lasierte Dielen als Dekogegenstände für Wohnung und Garten von Reinhard Magdeburg aus Münden. "Fällt Ihnen an dieser Uhr etwas auf?", fragte Sabine Magdeburg die Besucher. Nach kurzem Überlegen: "Ja, der Zeiger geht links herum".Patricia Kenar, Vorsitzende des Fördervereins Mündener Altstadt zeigte den Schlussstein mit der Jahreszahl 1796 und Initialen. Recherchen im Stadtarchiv ergaben, dass diese vermutlich einem Bürger Namens Holtzmüller gehören, der das Grundstück erworben hatte und ein großes Lager benötigte. Christina Hinzmann deutet auf die "Schüttrinne" zum Kellergewölbe. "Sicher für Kohlen, denn Getreide lagert man doch nicht im feuchten Keller".

An einer Wand hingen Grundriss- und Querschnittzeichnungen des Hauses, Briefe mit aufwendig gestaltetem Briefkopf, Daten zur Geschichte und technische Informationen. Dipl.-Ing. Leo Glatzel fand hier eine Kopie des Deckblattes "Lexikon der gesamten Technik" von Otto Lueger. "Das komplette hundertjährige Werk steht in meinem Bücherschrank".

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