Generalangriff auf die Hann. Münden Marketing GmbH

Unflexibel, unkreativ, konzeptlos: Pro Tourist kritisiert HMM massiv und verweist auf besorgte Gewerbetreibende

Hann. Münden. Von einem Tourismuseinbruch in der Dreiflüssestadt und einer (Tourismus)-Konzeptlosigkeit spricht der Verein Pro Tourist und kritisiert massiv die Hann. Münden Marketing GmbH (HMM) und ihre Mitarbeiter. Die Situation sei nicht mehr schön zu reden: „Wer in Hann. Münden in diesem Sommer in der Stadt unterwegs ist, erlebt es tagtäglich hautnah, die Touristen bleiben aus“, sagt Michael Lindenau, Pressesprecher von Pro Tourist. Immer weniger Menschen würden die schöne Fachwerkstadt besuchen.

Lindenau habe sich in der Stadt umgehört. „Sogar attraktive Orte wie das Café Aegidius spüren einen deutlichen Rückgang von Touristen in diesem Jahr. Geschäftsführerin Christiane Langlotz spricht von 30 Prozent Rückgang, die nicht mehr aufzufangen sind. Rund 1.000 Übernachtungen weniger als im Vorjahr bilanziert Anne Freimuth vom Campingplatz auf dem Tanzwerder. Und Andreas Sadowsky, Filialleiter vom „Sport-Treff“ in der Burgstraße und Vorstandsmitglied der Mündener Gilde, klagt, dass die HMM in acht Monaten ihres Bestehens bislang nichts Neues oder Kreatives auf die Beine gestellt habe. Er sowie andere Unternehmer erwarten Ideen von der HMM. Doch bislang wurde nichts abgeliefert“, fasst Lindenau den Unmut zusammen.

Lindenau: ,Kein Mut etwas zu verändern’

Und weiter: „Schönreden war gestern. Wo bleiben die neuen Ideen von Frau Jahn und Herrn Kossert (Bereichsleiterin bzw. Geschäftsführer der HMM, die Red.)? Wo ist die Aufbruchsstimmung und der Mut, etwas zu verändern?“ Pro Tourist wendet sich ebenfalls an Bürgermeister Harald Wegener, der die Wirtschaftsförderung seit Beginn des Jahres übernommen hat und fragt, wie es mit den Geschicken der Stadt weitergehen soll.

Auch der Online-Auftritt des Tourismusbereichs ist dem Verein ein Dorn im Auge: „Seit Monaten kündigt Frau Antje Jahn eine Neufassung der Internetseite an. Doch diese ist immer noch genauso unübersichtlich und Nutzerunfreundlich wie vor einem Jahr“, sagt Michael Lindenau. Er wundere sich über die mangelnde Flexibilität HMM. Man brauche keine Werbeagentur, die einem ein Internetkonzept für einen hohen Preis offeriere. „Das kann ich selber, in dem ich Mitarbeiter zu Schulungen schicke und motiviere“, sagt Lindenau.

Thomas Kossert, Geschäftsführer der HMM, wollte sich auf Nachfrage zu den Vorwürfen nicht äußern, sondern zunächst das persönliche Gespräch mit den Verantwortlichen von Pro Tourist suchen.

Jahn: ,Kein Einbruch des Tourismus’

Antje Jahn, Bereichsleiterin Tourismus innerhalb der HMM, äußerte sich zu einzelnen Punkten: Von Einbruch des Tourismus könne nicht die Rede sein. Die touristische Saison beginne in der Regel erst im Mai und die Kurzreisen um die Feiertage würden erhebliche Nachfrage für die Stadt bringen. In diesem Jahr habe die Saison etwas später begonnen. Man habe einen starken Juni hinter sich gebracht und gehe davon aus, dass sich das Jahr positiv entwickeln werde. Der Zuwachs der Ankünfte in allen Unterkunftsformen in Hann.Münden zwischen Januar und April 2017 liege bei +4 Prozent. Die Übernachtungen seien um 6 Prozent gestiegen.

Zu dem Besucherrückgang im Café Aegidius sagte Jahn: „Die Betreiberin des Café Aegidius forderte die HMM mit einem Schreiben vom 29. März auf, die nicht von ihr autorisierte Bewerbung zu unterlassen, was möglicherweise zu Einbrüchen der Besucherzahlen führte.“

Der Rückgang bei den Übernachtungen auf dem Mündener Campingplätze wäre ebenfalls nicht nachzuvollziehen: „Für Hann Münden liegen diese Zahlen vom statistischen Landesamt zwar nicht vor. Die Betreiber der Campingplätze am Hohen Hagen in Dransfeld und in Laubach verweisen jedoch auf steigende Zahlen. Generell gibt es Zuwächse im Niedersachsencamping. Sie lagen von Januar bis April bei den Gästeankünften bei +31 Prozent und bei den Übernachtungen bei +35 Prozent“, so Jahn. Was die angebliche Konzeptlosigkeit angehe, entgegnet Jahn: „Ein beschlossenes Marketingkonzept für den Tourismusbereich liegt vor und wird umgesetzt. Das Tourismuskonzept für die Stadt Hann. Münden ist ausgeschrieben. Die Lenkungsgruppe, in der auch Pro Tourist vertreten ist, wird Anfang September eine Agentur auswählen, die das Tourismuskonzept mit Tourismusakteueren, handel, Wirtschaft und Bevölkerung aufstellen wird. Das Vorgehen ist breit abgestimmt.“

Verein sucht Slogan und lobt Preise aus

Offenbar ist auch der Slogan der Mündener Erlebnisregion „Stadt.Land.Flüsse“ nicht nach dem Geschmack des Pro Tourist e.V., denn er hat einen Wettbewerb ins Leben gerufen, um einen Slogan für die Stadt zu finden (wir berichteten). Der 1. Preis ist ein Apple iPad im Wert von 729 Euro. Der Wettbewerb endet am 30. September. „Gesucht wird ein Slogan, der das Lebensgefühl der Mündener widerspiegelt. Ihre Heimatverbundenheit, aber auch ihre Weltoffenheit. Wer Vorschläge für einen Slogan hat, kann sie an info@cafe-aegidius.de schicken“, so Lindenau.

Die Meinung des Bürgermeisters

Bürgermeister Harald Wegener bezog zu dem Thema schriftlich Stellung: „Als Bürgermeister stehe ich Anregungen und Ideen offen gegenüber. Ergebnisse sollten in der fachkundigen Gemeinschaft beraten und beschlossen werden. Als besonders gut aufgestellt gilt hier der Traditionsverein „Erlebnisregion Hann. Münden“, der mit politischem Mandat die Entwicklung der touristischen Prägung voranbringt. Bezüglich des Stadtmarketings ist man noch dabei Verbesserungsmöglichkeiten zu lokalisieren und mit den Akteuren umzusetzen. Es gibt zur Zeit viele Kontakte und Gespräche des Bürgermeisters zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt. Die Stelle der Wirtschaftsförderung wird in Kürze ausgeschrieben.“

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