Hohe Aufklärungsquote in Stadt und Landkreis Göttingen

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Ede hatte es im vergangenen Jahr schwer, in der Region Fuß zu fassen.

Schwere Zeiten für Einbrecher, Kinderpornos und Hate Speech auf dem Vormarsch

Göttingen. Schlechte Zeiten für Einbrecher in und um Göttingen: Nahezu jedes zweite registrierte Delikt in 2019 konnte aufgeklärt werden. Wie Kriminaldirektor Thomas Breyer in der vergangenen Woche mitteilte, lag die Aufklärungsquote bei 45,81 Prozent. Insgesamt 406 Einbrüche wurden im vergangenen Jahr registriert, davon blieb es 150 Mal bei einem Versuch (2018: 307 bzw. 129). Breyer führt den Erfolg auf die Einrichtung von Sonderkommissionen zurück. Die Soko „Movano“, benannt nach dem Opel-Fahrzeug mit dem die Täter im Einsatz waren, machte beispielsweise ein Trio dingfest, dass in Göttingen beheimatet war und auf dessen Konto mindestens 120 Einbrüche und 60 Einbruchsversuche gehen. Die Delikte fanden sowohl in der Region Göttingen als auch in Hessen und Thüringen statt. Inzwischen sind zwei der drei Täter zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Ein weiterer sitzt aktuell in Untersuchungshaft und wartet auf seine Verhandlung.

Über 20.800 Straftaten aufgenommen

Kriminaldirektor Thomas Breyer.

Was die Straftaten innerhalb in Stadt und Landkreis Göttingen insgesamt angeht, habe man einen leichten Anstieg von 20.510 in 2018 auf 20.829 Taten in 2019 zu verzeichnen. Die größten Anteile daran haben Vermögens- und Fälschungsdelikte (20 Prozent), einfacher Diebstahl (17,8 Prozent), schwerer Diebstahl (16,3 Prozent) und Rohheitsdelikte (15,7 Prozent). Die Aufklärungsquote aller Straftaten lag bei 61,49 Prozent (+1 Prozent).

„Die Gesamtfallzahlen sind nahezu identisch mit denen des Vorjahres und stellen somit die niedrigsten Fallzahlen seit 1999 dar. Auch konnte im Bereich der Kinder- und Jugendkriminalität abermals eine Reduzierung der Delikte erreicht werden (von 1.148 auf 1.098 Delikte, die Red.). Sorge bereitet uns dagegen, dass sich die Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamte und Rettungskräfte nach wie vor auf einem hohen Niveau bewegt (ein Anstieg von 137 auf 149 Fälle)“, erklärte Polizeidirektor Thomas Rath.

Hate Speech und Kinderpornos

Hinzu kämen Beleidigungen und Bedrohungen von Politikern in den sozialen Netzwerken das Phänomen zunehmender „Hate Speech“ (Hass-Sprache – sie machen aktuell sechs Prozent aller festgestellten Taten im Internet aus). Das Tatmittel Internet spiele leider auch bei der Verbreitung Kinder- und Jugendpornografischer Schriften eine besondere Rolle. Die Delikte stiegen von 51 auf 68 an. Insgesamt enttarnte man 49 Täter. „Hier gilt unser besonderes Augenmerk einer hochprofessionellen und technisch innovativen Ermittlungsarbeit, um Tätern das Handwerk zu legen und weitere Missbrauchsfälle zu verhindern“, so Rath weiter. Der Polizeidirektor geht davon aus, dass man gerade dabei ist, eine riesige Tatlandschaft aufzudecken, die sich an Perversionen in nie dagewesenem Format ergötze und bislang unentdeckt blieb.

Elf Tötungsdelikte

Polizeidirektor Thomas Rath.

Innerhalb der PI Göttingen wurden elf Tötungsdelikte registriert. „In zwei Fällen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes und neun weitere wegen Totschlags geführt. Alle Taten sind polizeilich geklärt“, so Breyer. Bei den beiden Mordfällen handele es sich zum einen um einen Mordversuch, als ein alkoholisierter und ohne Fahrerlaubnis fahrender 23-jähriger Deutscher, der bei seinem Fluchtversuch einen 53-jährigen Polizeibeamten zu überfahren versuchte. Zum andere handele es sich um einen grausamen Mord von Frank Naaß, der sein weibliches Opfer mit brennbarer Flüssigkeit übergoss und anzündete. Anschließend stach er mehrfach mit einem Messer auf den Oberkörper der Frau ein, die noch am Tatort verstarb. Eine hilfeleistende Zeugin wurde ebenfalls durch mehrere Messerstiche tödlich, zwei weitere Ersthelferleicht verletzt. Aber auch in anderen Fällen wurden Messer als Tatwerkzeuge genutzt: 2019 wurden insgesamt 98 Fälle registriert, bei denen Stichwaffen mitgeführt oder eingesetzt wurden (2018 waren es 162). „Überwiegend handelt es sich dabei um gefährliche Körperverletzungen oder Bedrohung und Nötigung. Fünf Messereinsätze erfolgten im Zusammenhang mit Tötungsdelikten“, informiert Breyer.

Straftaten zum Nachteil älterer Menschen

Mehr als 600 Fälle bearbeitete Beamten innerhalb der PI im vergangenen Jahr, bei denen ältere Menschen Opfer von Straftaten wurden. „In fast allen Fällen blieben sie im Versuchsstadium stecken und es kam zu keiner Geldübergabe. Dies führen wir auch auf unsere Präventionsmaßnahmen zurück. Dennoch entstand bei den wenigen vollendeten Taten ein Vermögensschaden mehrerer tausend Euro“, so Breyer. Bei den Taten handele es sich überwiegend um sogenannte falsche Polizeibeamte, aber auch falsche Wasserwerker, den Enkeltrick oder den Gewinnversprechen, bei denen allesamt auf telefonischem Wege Geld gefordert wird. „Hinter diesen Taten stehen zumeist hochkriminelle und organisierte Banden, die aus dem Ausland agieren. Die Täter sind meist geschult, redegewandt und haben eine hohe Überzeugungskraft“, so Rath.

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