Hund attackiert Schafe in Reinhardshagen

+
Der Schaf-Hirte aus Reinhardshagen hat drei tote Tiere zu beklagen und hofft nun, das die Versicherung der Hundehalterin für den Schaden von etwa 1.000 Euro aufkommt.

Drei tote Tiere in der nordhessischen Gemeinde – Ordnungsamt reagiert und verhängt Auflagen

Reinhardshagen. Als Alexander Merk am Abend des 9. Oktober einen Anruf erhält, kann er die überbrachte Nachricht zunächst kaum glauben. Der Hobby-Hirte erfährt, dass eins seiner Schafe blutend auf einer Wiese gesichtet wurde. Er bricht sofort auf.

An der Weide angekommen ist das Tier nicht mehr zu retten, zu schwer sind die Verletzungen: „Das Tier atmete zwar noch, aber ich konnte es nur noch von seinen Schmerzen mit einem Bolzenschussgerät erlösen. Erholt hätte es sich von den tiefen Wunden nicht mehr“, erinnert sich der Reinhardshäger. Doch auf den Schreck folgt ein weiterer, denn die Herde des schwer verletzten Tieres ist verschwunden, hat die Umzäunung niedergtrampelt und das Weite gesucht. Einen Großteil der 26 verbleibenden Tiere, zwei davon tot, findet Merk zwei Tage später zwischen Veckerhagen und Vaake in einem Waldstück. Hierhin hat sie vermutlich die Angst vor dem mutmaßlichen Angreifer getrieben, einem Hund.

Hirte schätzt finanziellen Schaden auf 1.000 Euro

„Zeugen haben mir berichtet, dass ein frei laufender Schäferhund die Schafe angegriffen hat“, erklärt Merk. Mit der Halterin stehe er in Kontakt. Sie wolle für den entstandenen Schaden aufkommen. Den Wert der Tiere und den Zaun schätzt Merk insgesamt auf rund 1.000 Euro. Die toten Schafe seien zum Teil trächtig gewesen und obendrein Zuchttiere, sogenannte Heidschnucken. Gerade das mache ihren Verlust so bitter.

Die zuständige Polizeidienststelle in Hofgeismar bestätigte auf Anfrage den Vorfall, will ihn aber auch nicht überbewerten. Laut Gesetzgebung handele es sich hier lediglich um Sachbeschädigung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Verantwortlich sei nun das Ordnungsamt der Gemeinde. Das lege die Konsequenzen für die Verursacherin und deren Vierbeiner fest.

Ordnungsamt verhängt mehrere Auflagen

Bernd Günther, Leiter des Ordnungsamtes Reinhardshagen, gab zu dem Fall Auskunft: „Nach Hundeverordnung in Hessen ist der Fall eindeutig, da gibt es keinen Ermessensspielraum unsererseits. Wenn ein Hund ein anderes Tier hetzt oder sogar reißt, ist er als gefährlich einzustufen. Wir haben die Halterin darüber informiert, dass sie ab sofort ihren Hund, der ordnungsgemäß angemeldet ist, in der Öffentlichkeit an der Leine zu führen hat und er einen Maulkorb tragen muss. Außerdem soll sie den Vierbeiner bis spätestens Mitte Dezember einem Wesenstest unterziehen lassen und einen Sachkundenachweis erbringen. Sollte der Hund den Test bestehen, werden Leinen- und Maulkorbzwang wieder aufgehoben. Andernfalls bleibt die Auflage bestehen.“

Sollte die Hundehalterin gegen die Auflagen verstoßen, so Günther weiter, stelle das eine Ordnungswidrigkeit dar, die eine Geldbuße von bis zu 5.000 Euro nach sich ziehe. Für den Hobby-Hirten Merk ist das die richtige Maßnahme. Wie er mitteilte ist es der zweite ihm bekannte Vorfall innerhalb von neun Jahren in der Gemarkung, bei dem Schafe auf einer Wiese getötet wurden: „Bereits 2008 hatte ein Wolf mehrere Muttertiere und Lämmer gerissen.“ Daraufhin sei die Diskussion über Sinn und Unsinn der Wiederansiedlung des Beutegreifers in der Region wieder entbrannt. Er erwarte nun eine faire Entschädigung, die die Versicherung der Hundehalterin zahlen soll. Auch wenn das die Tiere nicht wieder lebendig mache. „Es ist nunmal passiert“, sagt Merk. Er klingt etwas hilflos. Im Kopf bleiben die Bilder mit den blutenden Schafen zurück. Die unliebsame Kehrseite eines sonst friedfertigen Hobbys.

+++Nie zu sicher sein+++Zwischenruf von Mathias Simon+++

Kaum zu glauben, dass ausgerechnet der beste Freund des Menschen die Schafe angegriffen und drei tödlich verletzt haben soll. Es ist der Alptraum eines jeden Hundehalters, denn man fragt sich danach zurecht, ob man alles richtig gemacht hat. Gerade Deutsche Schäferhunde sind für ihre Disziplin bekannt – wenn denn die Erziehung stimmt. Der Fall verdeutlich mal wieder nur zu gut, dass man sich im Umgang mit Hunden nie zu sicher sein darf und immer etwas passieren kann. Sie sind unberechenbar. Doch wie geht es nun weiter? Das Odnungsamt ist gefragt und muss sich an geltendes Recht halten. Demnach hat der Vorfall für die Hundehalterin, oder besser gesagt ihrem vierbeinigen Liebling, Konsequenzen. Das bedeutet Maulkorb und Leinenzwang für den Hund, denn er wurde als gefährlich eingestuft. Die Hundehalterin tut gut daran, die Auflagen zu erfüllen, denn die Bewohner Reinhardshagens werden jeden ihrer gemeinsamen Schritte in der Öffentlichkeit in Zukunft aufmerksam beobachten und Missachtungen melden, was weitere Sanktionen nach sich ziehen würde. Man wird sensibel auf das Thema reagieren, denn keiner weiß, wie der Hund in Zukunft auf andere Weidetiere oder sogar Menschen reagiert.

Vielleicht bleibt es aber auch bei diesem einen Angriff. Zu wünschen wäre das zumindest allen Beteiligten.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Zuckerrübendieb im Landkreis Göttingen gefasst

Anwohner und Geschädigter kamen dem Täter im Gleichener Ortsteil Rittmarshausen auf die Spur
Zuckerrübendieb im Landkreis Göttingen gefasst

,Nicht nebeneinander, sondern miteinander für Hann. Münden'

Verein Pro Tourist will Kräfte bündeln und lädt Vereine am kommenden Montag ins Café Aegidius ein
,Nicht nebeneinander, sondern miteinander für Hann. Münden'

Vortrag zum Einbruchschutz

Die Mündener Sparkasse widmet sich dem Dauerthema präventiv
Vortrag zum Einbruchschutz

Besinnliche Zeiten im Fachwerk-Fünfeck

Weihnachtsbroschüre listet vorweihnachtliche Termine der Region in einer Broschüre auf
Besinnliche Zeiten im Fachwerk-Fünfeck

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.