Hundehalter gehen in Reinhardshagen auf die Barrikaden

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Reinhardshagens Bürgermeister Fred Dettmar erhält herbe Kritik nach der Verteilung eines „Flurknigge“.

Reinhardshagen. Als Reinhardshagens Bürgermeister Fred Dettmar Ende vergangener Woche aus dem Urlaub zurückkehrte, brach herbe Kritik über ihn herein. Sogar ein Radiosender berichtete darüber. Auslöser war ein Feld-, Wald- und Flurknigge, den die Gemeinde wenige Tage zuvor verteilen ließ. Der Ratgeber richtet sich inhaltlich neben den Einwohnern ohne Vierbeiner vor allem an Hundebesitzer. Das Problem: Nur sie haben ihn bekommen.

"Wir haben alle Hundemarken, die abgelaufen sind, gemeinsam mit dem Flurknigge an Hundebesitzer verschicken lassen. Auftragnehmer ist der externe Dienstleister ekom21, der zum Beispiel Steuerbescheide verschickt. Leider wurden so ausschließlich nur Hundehalter informiert, dabei wollten wir alle Haushalte erreichen. Wir hätten den Flyer zeitgleich mit anderen Amtsschreiben an alle Einwohner auf den Weg bringen und in den Medien kommunizieren sollen. Das war ein Fehler", bedauert Fred Dettmar die Panne.Die Hundehalter würden sich durch dieses "exklusive Schreiben" nun stigmatisiert schikaniert fühlen. Dabei habe die Gemeinde alle Einwohner aufklären wollen, denn das Schreiben weist auch auf die Feldwegnutzung während des Spaziergangs hin oder unterstreicht deutlich, dass Äpfel nicht einfach von fremden Bäumen gepflückt werden dürfen.

,Es kommt immer wieder zu Problemen’

Der Knigge richtet sich aber eben auch an Hundehalter und aus Dettmars Sicht aus gutem Grund: "Es gibt immer wieder Probleme, wenn sich Hunde- und Nichthundehalter im Feld oder Wald begegnen. In Hessen gibt es ja keine Anleinpflicht. Wir wollen darauf hinweisen, dass es auch Menschen gibt, die vor frei herumlaufenden Hunden Angst haben. Auch die von uns aufgestellten Hundetoiletten werden manchmal nicht richtig genutzt. Die Angelegenheit liegt mir schon lange am Herzen, der Knigge schon seit über einem Jahr in der Schublade. Dass wir lediglich die Hundehalter erreicht haben, ist nun nicht mehr zu ändern. Mit der Kritik müssen wir leben", so Dettmar.

In Baunatal bereits verteilt

Der Flyer stammt übrigens aus Baunatal. Die Kommune dort ließ das Schreiben bereits verteilen. In einem Gespräch mit seinem dort tätigen Amtskollegen habe er von dem Knigge erfahren und ihn angefordert: "Wir wollen seiner Verteilung einfach der Entwicklung begegnen. Die Zahl der Hunde, in Reinhardshagen sind es aktuell etwa 430, ist in den vergangenen 30 Jahren rasant angestiegen. Früher wurde der Vierbeiner als Nutztier zur Bewachung der Höfe eingesetzt. Heute ist er manchmal sogar Kinderersatz oder dient der Trauerbewältigung. Das führt natürlich zwangsläufig zu Problemen, auf die wir aufmerksam machen wollten", so Dettmar.Und weiter: Die Qualität des Schreibens – es war ursprünglich ein Hochglanzdruck geplant, aber dann doch ein gefaltetes DIN A4-Blatt verteilt – habe übrigens ausschließlich finanzielle Gründe. Damit habe man die Kosten im Rahmen halten können.

Dass der Knigge ausschließlich an Hundehalter geschickt wurde, dafür übernehme Dettmar die volle Verantwortung. Er könne der Situation aber auch etwas Positives abgewinnen: "Wir haben eine Diskussion ausgelöst und einen Blick auf das vorhandene Problem gelenkt, was ich persönlich sehr gut finde. Im Übrigen gab es nicht nur Kritik, wir haben auch Lob für das Schreiben erhalten."

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