Immer den Glitzerpfeilen nach: Gottesdienst in Zeiten von Corona

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Küsterin Margit Apsel (links) und Pastorin Annette Lapp laden wieder zu Gottesdiensten in die St. Markus-Kirche nach Scheden ein.

Am kommenden Sonntag werden erstmals seit Beginn der Coronapandemie im Kirchenkreis Münden wieder Gottesdienste stattfinden.

Scheden – Mit dem Zollstock in der Hand hat Pastorin Annette Lapp noch nie einen Gottesdienst vorbereitet. „Das ist eine Premiere“, sagt sie lachend, als sie am Mittwoch mit Küsterin Margit Apsel Kirchenbänke in Scheden ausmisst. Nach der sechswöchigen Zwangspause durch die Corona-Pandemie öffnet die St. Markus-Kirche am Sonntag, 17. Mai 2020, um 17 Uhr erstmals wieder für Gottesdienstbesucher.

Damit dabei alles glatt läuft und das Ansteckungsrisiko für die Gemeindemitglieder so gering wie möglich gehalten wird, hat der Kirchenvorstand ein Krisenkonzept erarbeitet: mit Händedesinfektion beim Reinkommen, Mund-Nasen-Schutz für alle als Pflicht, einer geregelten Laufrichtung und Sicherheitsabstand. Wer sich nicht völlig gesund fühlt wird gebeten, zuhause zu bleiben. Von Absperrungen indes hält Pastorin Lapp nichts. Das sei viel zu negativ. Stattdessen wird positiv gekennzeichnet: „Hier ist Platz für dich“ steht auf den Zetteln, die alle 1,50 Meter auf den Kirchenbänken liegen. Platz für je einen Kirchenbesucher. „Wenn Familien kommen, dürfen diese natürlich zusammensitzen“, sagt Lapp. Das verändert dann die Position des nächsten Gastes.

Pastorin Annette Lapp bei der Gottesdienstvrobereitung mit Zollstock in der St. Markus-Kirche Scheden - damit nachher der Corona-Sicherheitsabstand zwischen den Besuchern auch stimmt.

Damit es dadurch keine Irritationen gibt, werden am Sonntag zwei Platzanweiser die Besucherinnen und Besucher zu den Bänken begleiten und für Fragen zur Verfügung stehen. Glitzernde Pfeile, auf den Boden aufgeklebt, zeigen, wo es langgeht: Vorn in die Kirche hinein, nach dem Gottesdienst durch den Hinterausgang hinaus. Dort werden draußen die Opferstöcke aufgestellt, damit die Kollekte kontaktlos eingesammelt werden kann, erläutern Margit Apsel und Annette Lapp. 50 Personen passen mit dem vorgeschriebenen Abstand in die Kirche, wenn alle einzeln sitzen.

Wie behält man da am Eingang den Überblick, wie viele schon drin sind? Mit abgezählten Teelichtern: Jeder Besucher nimmt sich eines am Eingang mit. Am Ende des Gottesdienstes werden die kleinen Kerzen angezündet und können auf dem Weg nach draußen auf den Altar gestellt werden. Wenn man einkaufen gehe, so die Pastorin, spüre man zurzeit durchaus, dass die Atmosphäre sich verändert habe. Es gebe ein gewisses Misstrauen dem Anderen gegenüber, da sei der Gedanke, „er könnte eine Gefahr für mich sein.“

So soll sich der Gottesdienst aber definitiv nicht anfühlen. Vorschriften und Einschränkungen sollen die Zusammenkunft nicht trüben. Das ist das Ziel des ausgetüftelten Konzeptes. Die Musik werde ihren Teil dazu beitragen. Sie erklingt von der Empore: Es spielen Gabriele Renneberg, Orgel, und Carola Schmidt, Querflöte. Wie viele Besucherinnen und Besucher am Sonntag in die St. Markuskirche kommen werden, sei unmöglich abzuschätzen. „Es wird viele geben, die den Gottesdienst vermisst haben“, so Küsterin Apsel, andererseits werden vielleicht auch gerade ältere Gemeindemitglieder aus Vorsicht zu Hause bleiben. Doch ganz gleich, wie es kommt, ergänzt Pastorin Annette Lapp, sie ist zu allem bereit: Sie werde mit Freude einen Gottesdienst auch vor wenigen Besuchern halten und, falls der Andrang riesig ist, einfach noch einen zweiten im Anschluss anbieten. Küsterin und Pastorin sind sich vollkommen einig: „Ich freue mich drauf!“

Hintergrund 

Um die Ausbreitung des Virus Covid 19, Corona, einzudämmen, waren bis zum 7. Mai Gottesdienste nicht erlaubt. Inzwischen sind sie gemäß Stufenplan der niedersächsischen Landesregierung wieder möglich, wenn dabei bestimmte Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden. Ob Gottesdienste angeboten werden, entscheidet der jeweilige Kirchenvorstand. Während die Gemeinde Scheden-Dankelshausen-Mielenhausen dafür entschieden hat, findet in der Trinitatisgemeinde Jühnde-Barlissen-Meensen noch kein Gottesdienst statt. In der St. Markus-Kirche in Scheden wird dann wieder am Pfingstsonntag, 31. Mai, gemeinsam Gottesdienst gefeiert. Dieser beginnt um 10.30 Uhr.

Im Kirchenkreis Münden wird es am Wochenende folgende Gottesdienste geben:

Escherode, 17. Mai, 9.30 Uhr,

Nieste ,17. Mai, 10.45 Uhr

Landwehrhagen, 16. Mai, 19 Uhr

Spiekershausen, 16. Mai, 17.30 Uhr

Hann. Münden Blasius, 17. Mai, 10 Uhr

Hedemünden, 17. Mai, 9.30 Uhr

Wiershausen, 17. Mai, 11 Uhr

Hemeln, 17. Mai, 11 Uhr

Varlosen, 17. Mai, 10 Uhr

Scheden, 17. Mai, 17 Uhr

Dransfeld, 17. Mai, 10 Uhr

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