Immer mehr Aufgaben, aber immer weniger Leute

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Hann. Münden. Feuerwehr der Dreiflüssestadt schlägt Alarm: Die Zahl der freiwilligen Brandschützer schrumpft.

Hann. Münden. Die Mündener Feuerwehr stößt mit ihrer personellen Besetzung an ihre Grenzen. Das machten die Verantwortlichen auf der zurückliegenden Jahreshauptversammlung deutlich. Nur 49 Mitmenschen aus der Kernstadt gestalten das Stück Ehrenamt aktiv in der Einsatzabteilung mit.

"Das sind eindeutig zu wenig für unsere Feuerwehr, mit ihren vielen Aufgaben. In der Kernstadt leben über 16.200 Bewohner. Nur wenige sind davon in der Einsatzabteilung tätig. Auf eine Feuerwehrfrau bzw. einen Feuerwehrmann kommen somit etwa 317 Mitbewohner der Stadt", erklärte Mündens Ortsbrandmeister Eike Schucht jetzt auf der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Hann. Münden.

Dabei sei die Feuerwehrarbeit nicht zu ersetzen: Zwei großen Brände in der Stadt hätten 2008 gezeigt, welch ein wertvolles Gut die Feuerwehrarbeit für die Gesellschaft sei.  Ohne die Mündener Wehr, sowie den weiteren Feuerwehren und Hilfsorganisationen, hätte es am Ende vermutlich eine Katastrophe gegeben. Weitere wichtige Einsätze in der jüngeren Vergangenheit seien bei den Bränden im Dezember (Gasstätte "Rinderstall" und ein Wohnhaus in Hemeln) gefahren worden. Hier habe man durch richtiges Handel und Eingreifen einen größeren Schaden verhindert. In Anbetracht der großen Bedeutung sei die Lage sehr ernst: "Der demografische Wandel hat uns in den letzten sechs Jahren eingeholt, vielleicht auch schon überholt. Wir müssen hier überlegen, ob wir uns den immer wieder gestellten Aufgaben auch weiterhin so entgegenstellen können. Die Aufgabenfelder der Feuerwehren werden immer mehr. Die Mitgliederzahlen gehen dagegen in der Gesamtheit aber zurück", so Schucht weiter. Nun stelle sich die Frage, wie  lange die Freiwillige Feuerwehr den immer mehr gestellten Aufgaben noch gerecht werden könne.

Immer mehr Brandschützer arbeiten auswärts

Für die Aktiven werde es immer schwerer an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden am Tag, Ehrenamt in der Feuerwehr zu leisten: "Wenn ich sehe, wo meine Kameradinnen und Kameraden ihre Arbeitsplätze mittlerweile vorfinden und wie sich die Arbeitszeiten verschoben haben, muss ich mir  Gedanken machen, wie die Einsatzbereitschaft unserer Feuerwehr in der Zukunft und gerade tagsüber aussehen soll. Die Arbeitsstätten sind teilweise über Fulda, Kassel, Göttingen, Duderstadt verteilt und reichen bis nach Celle", sorgt sich Schucht.Aber nicht nur die Entwicklung der Arbeitsplätze stelle die Feuerwehren vor eine Herausforderung. Für die Zukunft  müsse versucht werden, die Feuerwehren in der Gesamtheit noch attraktiver zu gestalten. Man sollte zusammen mit den Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung und den Feuerwehren überlegen, wie man den aktiven Mitgliedern in den Feuerwehren etwas entgegen bringen könne. Schucht: "Als ich 1997 hier in der Feuerwehr angefangen habe, gab es zum Beispiel noch regelmäßig für die Aktiven in der Feuerwehr Eintrittskarten für unser Hochbad. Das war ein erkennbares Entgegenkommen für die freiwillige Arbeit in der Feuerwehr."Im abgelaufen Jahren sei die Feuerwehr Hann. Münden 210 Mal alarmiert worden und hätte somit ehrenamtlich "Hilfe am Nächsten" geleistet. Dazu käme noch der notwendige Ausbildungsdienst. Das alles müsse noch in Einklang mit Beruf und Familie gebracht werden. Kein leichtes Unterfangen, bei dem die Freiwilligen oft Abstriche machen müssten. "Die Feuerwehr soll Spaß machen und eine Ergänzung zum täglichen Leben sein. Nur wenn jeder Einzelne von uns, mit dem erforderlichen Spaß zur Feuerwehr kommt, kann man den anstehenden Aufgaben gerecht werden", so Schucht.

Mündens Ortsbrandmeister blickt skeptisch in die Zukunft: "Ich möchte mir nicht ausmalen, wenn aus diesem so bewährten Stück einzelne Teile herausbrechen. Was hätte das für eine Auswirkung auf die Stadt? Das wichtige Stück Hann. Münden – unsere Feuerwehr – muss in der jetzigen Form erhalten bleiben. Eine Aufgabe, die uns alle etwas angeht."

140.00 Mitglieder in 3.300 Wehren

In Niedersachsen gibt es derzeit rund 3.300 Freiwillige Feuerwehren, mit mehr als 140.000 Mitgliedern. Dazu kommen elf Berufsfeuerwehren. Für die Stadt Hann. Münden stehen für den abwehrenden Brandschutz in der Gesamtheit elf Ortsfeuerwehren zur Verfügungen, die mehr als 300 Einsätze im Jahr abarbeiten. Dazu kommt die Werksfeuerwehr Constantia für ihren Betrieb. Im vergangenen Jahr bewältigte die Mündener Feuerwehr 76 Hilfeleistungseinsätze und 28 Brandeinsätze. Hinzu kamen Amtshilfe für Rettungsdienst, Polizei und Andere (27 Einsätze), Brandmeldeanlage (23), Tiertransport von Fundtieren in das Tierheim Göttingen (15), Tierrettung (14) und nachbarliche Hilfeleistungen (4).

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