In Hann. Münden blickt man gebannt aufs Thermometer

Hann. Mündens Bürgermeister Harald Wegener.
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Hann. Mündens Bürgermeister Harald Wegener.

Der Winter hat Nordhessen und Südniedersachsen fest im Griff: Über so viel weiße Pracht in solch kurzer Zeit würde sich jeder Wintersportort freuen. In Hann. Münden schaut man dagegen gebannt aufs Thermometer, denn die Temperaturen sollen wieder merklich steigen.

Hann. Münden. Kommt jetzt Land unter? Sollten die Schneemassen in den nächsten Tagen abrupt schmilzen, steht der Dreiflüssestadt das nächste Hochwasser ins Haus. Wir sprachen mit Bürgermeister Harald Wegener über die drohende Gefahr.

EXTRA TIP: Sehr geehrter Herr Wegener, wie gut kamen die städtischen Mitarbeiter mit den Schneemassen zurecht? Das vergangene Wochenende war für die ganze Region eine echte Belastung.

Harald Wegener: Rund um die Uhr sind die Mitarbeiter auf den Räumfahrzeugen im Einsatz. Nach einer Prioritätenliste werden Bereiche oberster Priorität am Vogelsang (ASB/ Krankenhaus) befahren. Dann die Hauptstraßen, seit Montag werden auch Nebenstraßen außerhalb der Straßenreinigungsverpflichtung geräumt. Eine große Herausforderung sind dabei die abgestellten oder festgefahrenen Kraftfahrzeuge, die das Befahren der Nebenstraßen mit den Räumfahrzeugen extrem erschwert oder unmöglich macht. Der Winterdienst bittet die Bevölkerung um Unterstützung bei der Schneeräumung auf den Gehwegen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass Schnee und Eis so abgelagert werden, dass die Fahrbahnen, Rad- und Fußwegen passierbar bleiben. Auf meine Bitte haben Landwirte in Hemeln, Mielenhausen, Laubach und Wiershausen ihre Unterstützung mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen auf den Nebenstrecken übernommen. Verbindungsstraßen werden nach Prüfung und Möglichkeit in Kooperation mit den Nachbar-Gemeinden freigeschoben. Es ist eine außergewöhnliche Lage, die Salzvorräte sind überall in den Städten und Gemeinden im Landkreis knapp (täglich werden etwa 25 Tonnen eingesetzt und aufgefüllt). Zur Verfügung stehen drei Silos für 150t. Die Bevölkerung wird gebeten, nur mit wintertauglichen Fahrzeugen unterwegs zu sein.

ET: Noch bleiben die Temperaturen niedrig, aber Mitte/Ende Februar soll es Tauwetter geben. Hann. Münden ist mit seinen drei Flüssen und der Lage auf der Landkarte jedes Jahr hochwassergefährdet. Wie sehen die Vorbereitungen für ein mögliches Szenario aus?

Wegener: Wir haben einen Hochwasser-Einsatzplan, der zuletzt am 27. Januar aktualisiert wurde. In dem Einsatzplan sind die Zuständigkeiten geregelt und welche Maßnahmen bei welchen Pegelständen zu ergreifen sind. Wir sind Austausch mit dem WSA, die dafür zuständig sind die Abgabemengen der Diemeltal- und Edertalsperre zu steuern, um Hochwasser-Szenarien bestmöglich zu begegnen. Im Moment sinken die Pegelstände frostbedingt. Begünstigend wäre ein langsamer Temperaturanstieg, der nicht gleichzeitig viel Niederschlag mitbringt. Wir hoffen, dass es bis dahin gelingt möglichst viele Einlässe freizulegen, damit das Tauwasser besser abfließen kann.

ET: In den vergangenen Jahren hatte die Region kaum noch einen richtigen Winter, nun ist Schnee in Massen da. Erinnern Sie sich an ein Jahr, dass, in Bezug auf das Wetter, ähnlich kräftezehrend begann?

Wegener: Ich bin seit über sechs Jahren im Amt des Bürgermeisters verantwortlich. Schnee und Glätte hatten wir in dieser Zeit, in einem solchen Ausmaß nicht zu berücksichtigen. Die große Sorge lag bei den möglichen Auswirkungen im Zusammenhang unglücklicher Umstände wie Eisregen verbunden mit Temperatureinsturz und heftigem Wind. Im schlechtesten Fall hätte dies zu Problemen in der Stromversorgung führen können. Daher habe ich Vorkehrungen getroffen, um im Fall des Eintretens reagieren zu können. Ein Krisenstab wurde gebildet, die Infrastruktur eingerichtet – bis zu der Freischaltung eines Bürgertelefons. Mein Dank gilt allen Beteiligten für die guten Abstimmungen und getroffenen Entscheidungen, auch wenn es nicht zu einem entsprechenden Ernstfall gekommen ist.

ET: Die Wanfrieder Schlagd ist mit ihrer unmittelbaren Lage zur Werra bei Hochwasser besonders betroffen. Der Bereich wurde gerade erst saniert. Wie groß ist die Angst vor größeren Schäden?

Wegener: Mit größeren Schäden rechnen wir hier nicht. Sicherlich gäbe es einiges abzuarbeiten, wenn es ein starkes Hochwasser gäbe. Zusätzliche Vorkehrungen über das bisherige Maß hinaus bedarf es hier nicht.

ET: In Hann. Münden, so scheint es, halten die Menschen trotz aller Rückschläge zusammen. Bei den beiden Großbränden beispielsweise in der Altstadt, unterstützte man sich gegenseitig. Auch die Stadtverwaltung half unbürokratisch, die Mitarbeiter eines betroffenen Unternehmens an anderer Stelle wieder in Lohn und Brot zu bringen. Ist das gerade das Gebot der Stunde, auch hinsichtlich der Corona-Pandemie?

Wegener: Schneemassen, Eisregen, Stürme, Stromausfälle, Brände, Überschwemmungen und auch Pandemien sind Herausforderungen, die oft nur mit dem besonderem Unterstützungswillen aus der Bevölkerung zu meistern sind. Nach meiner Einschätzung sind wir diesbezüglich in Münden besonders gut aufgestellt. Da kann man nicht häufig genug Loben und DANKE zu sagen.

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