50 Jahre Mutterpass: Krankenkassen-Chefin fordert Neubestimmung der Schwangerschaftsrisiken

Südniedersachsen. Bei der ersten Vorsorge-Untersuchung der werdenden Mutter wird er vom Arzt oder der Hebamme ausgehändigt: der Mutterpass. Danach

Südniedersachsen. Bei der ersten Vorsorge-Untersuchung der werdenden Mutter wird er vom Arzt oder der Hebamme ausgehändigt: der Mutterpass. Danach ist er das zentrale Dokument, in das sämtliche wichtige Daten zur bestehenden sowie zu kommenden Schwangerschaften eingetragen werden.

Und das nun schon seit 50 Jahren. Denn 1961 wurde der Mutterpass in Deutschland eingeführt. "Der Mutterpass ist ein Paradebeispiel für eine äußerst erfolgreiche Vorsorge. Er hat mit dazu beigetragen, dass sich auch in Niedersachsen die medizinische Versorgung sowohl für die Kinder als auch für die Mütter in den letzten 50 Jahren drastisch verbessert hat", betont Dr. Sabine Voermans, Leiterin der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Niedersachsen.

Kinder- und Müttersterblichkeit rapide gesunken

Das wird durch die Statistik bestätigt: Im Jahr 1960 sind in Niedersachsen rund 5.500 Kinder tot zur Welt gekommen oder innerhalb des ersten Lebensjahres gestorben. Bei insgesamt rund 116.500 Kindern, die damals geboren wurden, ist das eine Quote von 4,7 Prozent.

50 Jahre später hat sich das Bild grundlegend gewandelt: Im Jahr 2009 haben, nach Angaben des Statitischen Landesamtes, nur noch 463 Kinder in Niedersachsen das erste Lebensjahr nicht überlebt, das sind 0,75 Prozent aller rund 62.200 Neugeborenen. Die Müttersterblichkeit ist ebenfalls rapide gesunken: zwei Todesfälle wurden 2009 gemeldet, seit Jahren liegt diese Zahl im einstelligen Bereich.

Risiken neu bestimmen

Der Mutterpass ist kein starres Instrument, sondern wurde in den vergangenen 50 Jahren immer wieder geändert und an neue medizinische Entwicklungen angepasst. Zuletzt war dies 2009 der Fall, als Änderungen bei den Themen Ernährung, HIV-Antikörpertest und Zahngesundheit vorgenommen wurden.

Voermans plädiert nun dafür, die Schwangerschaftsrisiken neu zu bestimmen. So werden derzeit noch alle Schwangerschaften, bei denen die Mutter älter als 35 Jahre ist, im Mutterpass als Risikoschwangerschaften eingestuft. "Das ist nicht mehr zeitgemäß. Fast jede vierte Frau in Niedersachsen ist bei Geburt ihres Kindes bereits 35 Jahre oder älter", so die Krankenkassen-Chefin, die betont:"Wenn die Risiken zu sehr betont werden, darf man sich weder über zurückgehende Geburtenzahlen noch über ansteigende Kaiserschnitt-Quoten wundern."(atb)

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