Jutta Schauer (CDU) will Reinhardshagens Bürgermeisterin werden

Ihr großes Hobby ist die Malerei: Jutta Schauer vor einem ihrer Bilder.
+
Ihr großes Hobby ist die Malerei: Jutta Schauer vor einem ihrer Bilder.

"Gleiche Ziele, andere Wege": Das möchte die 59-Jährige in der nordhessischen Gemeinde bewegen

Reinhardshagen. Mit dem Zeichnen von Karikaturen für den Wahlkampf-Flyer fing alles an. Dort weckte ein Bekannter Jutta Schauers Interesse an der Politik. In der CDU Reinhardshagen zeichnet die Hobby-Malerin heute als Vorsitzende verantwortlich und sitzt im Gemeindevorstand der Kommune. Angela Merkels Politik gefalle ihr: „Ihre Besonnenheit und Ruhe - das ist, was ich an Politik schätze“. Die Partei im Ort sei zwar überaltert, aber das sei auch eine Chance. Während ihres Wahlkampfes in den vergangenen Wochen habe sie zwei vielversprechende, jüngere Interessenten für die Partei gewinnen können. Ein Anfang, um einen möglichen Altersumbruch einzuläuten. Aber warum überhaupt Politik machen, sich einmischen? Schauers Tochter hatte in jungen Jahren Epilepsie. Sie in einer normalen Regelschule unterzubekommen war schwierig, das Wort Inklusion eher fremd: „Das war mein Hauptbeweggrund mich politisch zu engagieren“, schildert die 59-Jährige. Und die Motivation als Bürgermeisterkandidatin aufzutreten? „Ich wollte den Menschen zeigen, dass es eine Wahl und mit mir eine Gegenkandidatin gibt.“ Derzeit absolviere sie den kommunalen Führerschein, um sich auf eine mögliche Amtszeit vorzubereiten. Egal, ob es am Ende klappen würde, das Wissen müsse sie haben.

Infrastruktur stärken

Schauer habe klare Vorstellung von Reinhardshagens Zukunft, wie der Stärkung der Infrastruktur: „Kleine Dinge für die Gemeinde kann man anstoßen. Sonntags Brötchen holen in der Bäckerei beispielsweise. Bislang ist das nur am Dreschschuppen an einem mobilen Bäckereiwagen möglich, was aufgrund der hohen Nachfrage längere Wartezeiten nach sich zieht.“ Eine Ansiedlung eines Drogeriemarktes halte Schauer ebenfalls für machbar. Eigentlich sei die Gemeinde zu klein für einen solches Vorhaben, doch die Lebensmittelmärkte in Veckerhagen seien gut frequentiert, vor allem am Wochenende würden viele Mündener oder Hemelner in Reinhardshagen einkaufen. Die Nachfrage sei gegeben. Apropos Hemeln: Eine bessere Verkehrsanbindung über die Weser halte sie eher für utopisch. Das Thema sei in den vergangenen Jahren immer wieder erfolglos vorgebracht worden: „So lange sich Niedersachsen finanziell nicht beteiligt, wird es keine Brücke geben. Eine Fußgängerbrücke hätte dagegen interessiert.“ Dabei stelle sich aber die Frage, wo man die feste Verbindung bauen könne. Mitten im Ort sei ein Bauwerk nicht umsetzbar, zumal die Brücke wegen der Schifffahrt eine gewisse Mindesthöhe vorweisen müsse, was den nötigen Raum beanspruche. Mit weniger Hürden rechne Schauer bei der Ankurbelung des Tourismus. Die Radwegeanbindung und die Fähre als Sehenswürdigkeit seien in der Vergangenheit zu wenig genutzt worden. Man müsse mehr Unterkünfte für Durchreisende, denkbar in Ferienwohnungen, anbieten.

Die Ziele des amtierenden Bürgermeisters Fred Dettmar und ihre würden sich nicht groß voneinander unterscheiden, wohl aber die Wege dorthin: „Ich möchte anders sein. Dabei hilft mir mein weiblicher Blick auf die Dinge. Ich möchte andere Türen öffnen, die Leute neugierig machen, wieder das Interesse an Politik und am Ort wecken, die freiwillige Arbeit fördern und den Zusammenhalt der Gemeinde stärken, sie bunter machen, auch vom Kopf her. Es fehlen zum Beispiel Freizeitangebote für Mädchen. Und ich möchte weg von dem Grüppchen-Denken: Wir alle hier sind Reinhardshäger - nicht nur Vaaker oder Veckerhäger. Es ist ja nicht schlecht was wir hier in Reinhardshagen geschaffen haben, aber man könnte es noch besser machen.“

Mit „besser machen“ meint Schauer auch die finanzielle Situation: „Unsere beiden Bäder fressen ganz gut, wir stecken viel Geld in Reparaturen. Für den Neubau würden wir Fördermittel bekommen. Eine abgespeckte Variante, wie das Ganzjahresbad in Hofgeismar, sei denkbar. Dann am Standort in Nähe der Schulen und Sportanlage. Die beiden ursprünglichen Badgelände könnten als Wohngebiete ausgewiesen werden und die Verkaufserlöse in die Mitfinanzierung des neues Bades fließen.“ Auch beim Thema wohnen und Reinhardshagen sehe die Kandidatin Nachholbedarf: „Wir könnten zig Baugebiete ausweisen, aber was ist mit denjenigen, die hier zur Miete wohnen möchten? Da fehlt es an Alternativen. Ein Mehrgenerationenhaus wäre ebenfalls interessant, gerade jetzt, wo das Altersheim geschlossen ist.“

Eine weitere Idee für das „anders machen“: Vor eineinhalb Jahren habe sie den Vorschlag gemacht das Förderstufengebäude des Landkreises zu kaufen und umzubauen, da der Kindergarten in Vaake nicht hätte erweitert werden können: „Ich bin schallend ausgelacht worden, später präsentierte Dettmar die Idee selbst.“ Momentan fehlten zwei Kindergartengruppen in Reinhardshagen. Heute würde man auf den Jugendraum in der Wesertalhalle ausweichen müssen: „Ein Notkindergarten. Wäre man meinen Vorschlag damals gefolgt, hätte man jetzt einen funktionierenden Kindergarten.“

Die finanzielle Situation Reinhardshagens sei unüberschaubar: „Wir wissen nicht was wir an Gewerbesteuereinnahmen bekommen. Es gab eine Einmalzahlung vom Land, aber Corona ist noch nicht vorbei und zukünftige Hilfen ungewiss.“ Einsparpotenziale würde es zwar geben, aber weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen: „Wir unterstützen die Beförderung der Schüler nach Hann. Münden finanziell. Einsparungen würde den Fahrplan direkt betreffen und längere Wartezeiten nach sich ziehen. Bäderschließungen wären ebenso eine Möglichkeit. Aber da möchte ich nicht ran, denn das würde die Lebensqualität enorm einschränken.“

Zur Person

Jutta Schauer (59) wurde in Kassel geboren, ist gelernte Hotelfachfrau und 1994 wegen der Liebe nach Reinhardshagen gezogen. Sie ist verheiratet, Mutter von zwei erwachsenen Kindern und zweifache Großmutter. Beruflich war sie eine Zeit lang in der Hotelbranche tätig und hat später in der Region das Franchise-System einer Bäckerei aufgebaut.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Sommerfest beim Tierschutzverein Hann. Münden wurde gut besucht

Alles rund um die Vierbeiner - Herrchen und Frauchen trafen sich in Hermannshagen
Sommerfest beim Tierschutzverein Hann. Münden wurde gut besucht

Schwerer Unfall auf Kohlenstraße in Hann. Münden

BMW kam von der Fahrbahn ab - wer saß am Steuer des Unfallwagens?
Schwerer Unfall auf Kohlenstraße in Hann. Münden

Thema bei den Mündener Jägern war auch der Wolf

Die Jägerschaft Münden trat bei ihre Jahreshauptversammlung zusammen.
Thema bei den Mündener Jägern war auch der Wolf

Thiedemann Haustechnik bat zur Hausmesse

Das Mündener Unternehmen Thiedemann empfing am vergangenen Samstag 300 Besucher.
Thiedemann Haustechnik bat zur Hausmesse

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.