Kalk: ,Bin zum Spielball der Politik geworden’

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Glaubt, dass politische Querelen auf seinem Rücken ausgetragen werden: Walter Kalk, Drehbuchautor und Regisseur des neuen Eisenbart-Stücks.

Hann. Münden. Regisseur des Eisenbart-Stückes bekommt für seine Arbeit kein Geld und kritisiert Politik.

Hann. Münden. Walter Kalk, Autor und Regisseur des Eisenbart-Stücks "What a Man" ist tief enttäuscht und auch verunsichert. Seit Monaten arbeite er umsonst. Bislang habe die Stadt lediglich das Schreiben des Drehbuches bezahlt sowie seine Regiearbeit bis zum 1. Juni 2013, den ursprünglichen Termin der Weltaufführung. Der platzte jedoch unter anderem aus Mangel an Darstellern (wir berichteten). Seitdem habe Kalk keinen Cent mehr bekommen. "Ich stehe finanziell mit dem Rücken zur Wand", so Kalk. Jedes zweite Wochenende würde er in die Dreiflüssestadt fahren und dort die Proben leiten. Daneben treibe er die Entwicklung des Bühnenbildes voran. Das alles seit nunmehr neun Monaten unentgeltlich, denn  im Stadtrat werde die Entscheidung über eine weitere Bezahlung ständig hinauszögert. Immer und immer wieder. Mitte November habe er deshalb einen Brief an Bürgermeister Klaus Burhenne geschrieben und auf diesen Umstand aufmerksam gemacht. Genützt habe es nichts.

Kalk: ,Kann ohne Geld nicht leben’

Der Regisseur glaubt, dass "politische Querelen" auf seinem Rücken ausgetragen werden und er zu deren Spielball mutiert. Mit fatalen Folgen, findet Kalk: "Das ganze Projekt droht jetzt zu scheitern. Fest steht, dass ich ohne Geld nicht leben kann. Keiner kann das. Wegen den intensiven Arbeiten in Hann. Münden konnte ich bisher auch keine anderen Jobangebote annehmen. Ich werde am kommenden Wochenende noch einmal die Proben leiten. Sollte bis dahin keine Beschlussfassung stattfinden, kann ich nicht mehr weiter arbeiten. Dann ist erstmal Ende." Nach Kalks Rechnung stünden ihm bis heute Zahlungen von 9.000 Euro zu.Dabei wolle er unbedingt weiter machen, die Spielgruppe auf die Weltpremiere vorbereiten: "Ich habe bisher sehr viel Herzblut investiert. Ein Misserfolg würde dem Verein und auch der Stadt schaden. Letztlich hängt aber auch mein Ruf davon ab."

Ines Albrecht-Engel, Vorsitzende der SPD als stärkste Fraktion im Stadtrat, sagt dazu: "Im Haushalt wurden einmalig 16.000 Euro für die Spielgruppe angesetzt. Der Verein sollte einen Vertrag mit Herrn Kalk vereinbaren und ihn auch bezahlen. Die Stadt stellte also nur Fördermittel bereit, die der Verein übrigens auch weiterhin anderweitig einwerben kann. Alle Parteien hatten Bedenken hinsichtlich der Weiterfinanzierung des Stücks. Wir wollen nicht, dass sich ein Fass ohne Boden auftut. Wenn erneut Geld bereit gestellt werden soll, muss man den Betrag in den Haushalt einbringen. Obwohl die Weichen dafür in der heutigen Gesellschaftsausschusssitzung gestellt werden könnten, wird der Haushalt erst im März verabschiedet. Wir als SPD-Fraktion fordern, dass man dafür kurzfristig einen regulären Antrag mit plausiblen Finanzplan stellt. Wir wollen keine Open-End-Geschichte. Seitens der Stadt kann höchstens eine Verlustabdeckung übernommen werden."Frank Ksyk, Vorsitzender des Vereins Doktor-Eisenbarth-Spiele Hann. Münden, habe nach eigener Aussage Spendenanträge bei sämtlichen Institutionen gestellt. "Ich bin seit zwei Jahren dabei, doch die Angelegenheit ist äußerst schwierig. Auch die Spendenbereitschaft der ortsansässigen Unternehmen ist gering. Es ist utopisch zu glauben über Spenden genügend Geld für solch eine Finanzierung einholen zu können", so Ksyk. Kalk das Geld vorerst auszulegen sei nicht möglich. Dafür wären keine finnanziellen Mittel vorhanden. Man müsse seitens des Vereins bereits Kalks Übernachtungs- und Fahrtkosten begleichen. Mehr sei von solch einem kleinen Verein nicht zu verlangen.

Bürgermeister Burhenne wollte sich zu dem Thema am Montag nicht äußern und zunächst die von Albrecht-Engel angedeutete Sitzung des Gesellschaftsausschusses abwarten, die  am heutigen Mittwoch, 16 Uhr, in der Böttcherstraße 3, stattfindet.

Sollte das Ergebnis für Kalk negativ ausfallen und der Autor und Regisseur Wort halten, werde das Stück "What a Man" auch ohne ihn aufgeführt. "Dann", verspricht Ksyk", wird es nicht eingestampft. Das ist allein schon aufgrund des angelaufenen Kartenvorverkaufes nicht möglich."

+++Ein echtes Trauerspiel+++Zwischenruf von Mathias Simon+++

Wer die Kapelle bestellt, muss sie auch zahlen. Punkt. In Sachen Eisenbart-Stück fühlt sich aber momentan keiner so recht zuständig.  Das Theaterstück über das Leben des Wanderarztes mit moderner Musik, Tanz-Choreografien und bunten Kostümen entwickelt sich immer mehr zum Trauerspiel. Offenbar hat es Abstimmungsprobleme und Missverständnisse in Hinblick auf die Bezahlung gegeben.Der Ärger begann mit der Verschiebung der Welturaufführung um ein Jahr (!). Bis Mitte 2013 wurde Kalks Arbeit von der Stadt bezahlt. Seitdem, so scheint es, fühlt sich niemand mehr so recht verantwortlich das Honorar des Autors zu übernehmen, der zu Beginn seines Engagements so hochgejubelt wurde. Jetzt scheint er  aber einigen nur noch ein (finanzieller) Klotz am Bein zu sein. Nach dem Motto "Die gröbste Arbeit ist ja getan, dann können wir den Ideengeber auch ruhig vergraulen" wird höchst peinlich mit dem geistigen Vater des Theaterstücks umgesprungen. Möglich, dass dies auch beim potentiellen Publikum nicht gut ankommt – wer will schon solch eine Darbietung mit schlechtem Gewissen verfolgen. Da passt ein um den Lohn geprellter Regisseur nicht ins Bild.Die Posse um das fehlende Geld wirft ein schlechtes Licht auf alle Beteiligten: Verein, Stück, Rat und vor allem die Stadt als Touristenmagnet.  Das sollte man schon allein in ihrem Interesse auf der Stelle ändern, bevor die Situation noch mehr Schaden anrichtet.

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