Ehrung für unbekannten Mündener Held gefordert

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Hermann Fricke ist in dem Buch „Retter in Uniform“ auf Karl Laabs gestoßen. Der Bonaforther möchte das Engagement des ehemaligen Soldaten im 2. Weltkrieg gewürdigt wissen.

Bonaforther Hermann Fricke möchte die Rettungstaten Karl Laabs (1896 - 1979) gewürdigt wissen

Hann. Münden.  Wissen Sie wer Karl Laabs (1896 - 1979) war? Nein? Hermann Fricke erfuhr von dem in Hann. Münden geborenen und zeitweise tätigen Mann, der im zweiten Weltkrieg unter Einsatz seines Lebens dutzende Juden vor dem sicheren Tod bewahrt haben soll: „Ich stieß auf die Geschichte dieses Mannes, weil ich mich seit dem Eintritt in die Rentenzeit mit Traditionspflege und Erinnerungskultur befasse. In dem Buch „Retter in Uniform“ las ich von dem Engagement des ehemaligen Mündener Bauamtsleiters (1933 - 1935) Karl Laabs. Seinen Werdegang hat der Kasseler Historiker Reinhold Lütgemeier-Davin aufgearbeitet. Ich bin sehr beeindruckt von Laabs Geschichte“, erklärt Fricke, „demnach soll Laabs 1942/1943 als Kreisbaurat in Krenau (Oberschlesien) auf einem Grundstück polnische Juden versteckt nd 100 Menschen vor dem drohenden Abtransport ins Vernichtungslager Auschwitz gerettet haben.“

Der Bonaforther habe bereits Bürgermeister und Stadtrat verständigt, um über eine Ehrung Karls Laabs nachzudenken und zu entscheiden. „Denkbar wäre ein Hinweisschild am Geburtshaus Laabs in der Langen Straße oder ein Stolperstein. Es wäre nicht die erste Ehrung, die man einem ehemaligen Soldaten der Wehrmacht zuteilwerden würde. Am 22. Juni 2016 dem 75. Jahrestag des Angriffs der Wehrmacht auf die Sowjetunion ist die Harzkaserne in Blankenburg in Feldwebel-Anton-Schmid-Kaserne umbenannt worden. Der neue Kasernenpatron soll bis zu 300 Juden das Leben gerettet haben und wurde dafür von einem Kriegsgericht der Wehrmacht zum Tode verurteilt und erschossen“, informiert Fricke. Damals habe der Historiker Jakob Knab die Umbenennung der Kaserne ins Rollen gebracht. Als Gast der Umwidmungsfeier habe sich Fricke seither für diese „unbekannten Helden in Uniform“ interessiert und würde nun dafür kämpfen, dass ein gebürtiger Mündener posthum angemessen gewürdigt werde.

Historiker soll Vortrag in Hann. Münden halten

Um die Mündener Bürger über den Sohn der Stadt zu informieren möchte Hermann Fricke einen Vortragsabend mit dem Sydekumverein oder den Arbeitergeschichtsverein organisieren, an dem der Historiker Lütgemeier-Davin das Leben Laabs ausführlich darstellen kann.

Ein Termin, so Fricke, stehe jedoch noch nicht fest. Dennoch habe der Bürgermeister sein Wohlwollen gegenüber dem Ansinnen, den Kasseler Historiker nach Hann. Münden einzuladen, geäußert. Notfalls könnte der Vortrag auch vor dem Stadtrat gehalten werden könne, wenn alle Stricke reißen würden. Seitens der Stadt würde er in seinem Vorhaben unterstützt.

Zur Person

Karl Laabs wurde am 30. Januar 1896 als Sohn eines Lokomotiv führers in Hann. Münden geboren und wuchs der Langen Straße 78 auf. Im Ersten Weltkrieg soll er als Soldat an der Westfront gekämpft haben und 1918 verwundet worden sein. Nach dem Krieg war er Mitbegründer der „Vereinigung zur Erhaltung der Burg Ludwigstein“ und dort im Vorstand engagiert. Zwischen 1923 und 1931 war er als Architekt in Kassel tätig ehe er von 1933 bis 1935 das Bauamt in Hann. Münden leitete. Danach arbeitete er in der Dreiflüssestadt als selbständiger Architekt. Ende 1941 wurde er als Kreisbaurat im Landratsamt Krenau/ Oberschlesien dienstverpflichtet. In dem Ort, der sich in der Nähe von Auschwitz befand, erwarb er ein Jahr später ein weitläufiges Grundstück, auf dem er verfolgte polnische Juden versteckt haben soll. Im Februar 1943 soll er 100 polnischen Juden zur Flucht vor dem drohenden Abtransport ins Vernichtungslager Auschwitz verholfen haben. Ein geplanter Arrest durch die Gestapo sei durch die Einziehung zur Luftwaffe verhindert worden. 1945 verließ Laabs fvoer den russischen Truppen luchtartig Oberschlesien. Zwischen 1946 bis 1949 musste er sich einem Entnazifizierungsverfahren stellen und wurde erst nach eindeutigen Zeugenaussagen polnischer Juden rehabilitiert. Von 1951 bis 1960 war Laabs bis zu seiner Pensionierung Stadtbaurat in Frankfurt am Main. Er erhielt 1972 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und starb am 4. März 1979 in Reinhardshagen. 1980 erfolgte posthum die Ehrung durch die Gedenkstätte, Yad Vashem, als Gerechter unter den Völkern.

Aus zwei Ehen mit Emma Rode und Tutti Wallbach waren zehn Kinder hervorgegangen. Außerdem hatte er ein uneheliches Kind mit einer langjährigen Freundin.

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