,Kaum Unterstützung gibt es beim Sparen‘

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Wir sprachen mit Harald Wegener über das Sparen, den Packhof, den Doktorwerder und den Stadtwald.

Harald Wegener über seinen Stand als Mündener Bürgermeister

Hann. Münden. Die politische Sommerpause ist vorbei, am 19. September tagt der Mündener Rat wieder. In der Zwischenzeit setzte es für Bürgermeister Harald Wegener viel Kritik, vor allem aus den Reihen der SPD. Hinter den Vorwürfen, die sich hauptsächlich auf fehlende Transparenz und schleppende Kommunikation bei wichtigen Fragen rund ums Stadtgeschehen beziehen, vermutet Wegener einen verfrühten Wahlkampf. Zunächst hätten CDU und SPD gemeinsam über die Zeitung Kritik geäußert, nun täten das nur noch die Genossen allein. Einige CDU-Ratsmitglieder hätten sich bei ihm sogar nachträglich entschuldigt. Was Wegener störe sei der Umgang miteinander, er spricht von einer „Verrohung der Sprache“. Auch wenn der Bürgermeister alles versuche an sich abprallen zu lassen, saß der öffentlich geäußerte Vorwurf, dass er „kein Demokratieverständis“ besäße, tief: „Das hat mich schon maßlos geärgert. Ich sehe mich auch als Mensch und in dem Vorwurf sah ich meine Menschenwürde verletzt. Rechtliche Schritte hatte ich prüfen lassen, aber nicht weiter verfolgt.“

Chance verpasst Schulden loszuwerden

Hann. Münden Bürgermeister Harald Wegener.

Dem Bürgermeister, der bei seinem Amtsantritt einen horrenden Schuldenberg übernahm, bläst von vielen Seiten ein eisiger Wind ins Gesicht. Die von ihn vorgeschlagenen Sparmöglichkeiten, die oftmals als „Giftliste“ bezeichnet wurde, fanden in der Stadtpolitik aufgrund ihrer Unpopularität wenig Anklang. Er wolle sparen, doch der Rat würde ihm bei wichtigen Entscheidungen, so zum Beispiel beim Stadtwaldverkauf im Stich lassen. Schlimmer noch, einige Ratsmitglieder, die den Waldverkauf mit ins Haushaltssicherungskonzept hoben, hätten eine Bürgerinitiative für den Erhalt des Stadtwalds gegründet. „Die Gegenwehr war sehr groß und wir haben gemerkt, dass die Bevölkerung hinter ihrem Stadtwald steht“, schildert der Bürgermeister. Für einige sei der öffentliche Druck dann doch zu groß gewesen, um die Vorhaben weiterhin mitzutragen. Dabei hätte man auf einen Schlag alle kurzfristigen Schulden loswerden können: „Mir hat ein Interessent für den Wald 50 Millionen Euro angeboten, obwohl der Wert bei etwa 30 Millionen Euro lag.

Heute wäre der Preis nach Windwurf und Borkenkäferbefall natürlich nicht mehr zu erzielen.“ Immerhin hatte Sturm Friederike auch ein Gutes und sorgte dafür, dass sich durch den Verkauf des umgefegten Holzes ein erwartetes Haushaltsdefizit 2018 von 470.000 Euro unverhofft in einen Überschuss von 270.000 Euro verwandelte. „Das erste Mal seit 25 Jahren hatten wir damit ein Plus zu verzeichnen“, so Wegener, der im gleichen Atemzug erwähnt, dass man mit einem erneuten Geldsegen aus dem Bereich Stadtwald in Zukunft nicht zu rechnen habe. Hier habe man über Jahre viel Arbeit und Finanzaufwand mit der Wiederaufforstung vor sich. Wo also Einsparungen machen? Mit der Schließung der Hemelner Grundschule, hätte man nicht nur etwa 40.000 Euro pro Jahr mehr im Stadtsäckel, sondern könne auch die 1,2 Millionen Euro für Schulsanierungen auf weniger Einrichtungen verteilen. Hier stellte sich der Gesellschaftsausschuss allerdings quer und empfahl dem Rat den Erhalt der Hemelner Schule (wir berichteten). Die durchaus nachvollziehbare Begründung: Man wolle nicht auf Kosten der Kinder sparen.

Entwicklungen in der Innenstadt

Man tut sich in Münden also schwer, den Rotstift anzusetzen. Eine Entspannung der dramatischen Haushaltslage ist damit in weiter Ferne. Bleibt noch die Entwicklung in der Stadt. Der Versuch, den Doktorwerder zu beleben und einen Gastronom zu finden, der die Insel in den warmen Monaten bespielt, lief ins Leere. Die Ausschreibung verlief erfolglos: „Das Interesse ist zwar da, aber die kurze Laufzeit von eineinhalb Jahren ist offenbar unattraktiv. Hinzu kommt, dass der Pächter die Toilettenbewirtschaftung anbieten müsste und aufgrund der Hochwassergefahr immer damit zu rechnen hat, seine Ausstattung von heute auf morgen zu entfernen“, erläutert Wegener. Und wie steht es um den Packhofverkauf? „Wir erstellen im Zuge eines Interessenbekundungsverfahrens gerade eine Bewertungsmatrix, die sich auf eine Bürgerbeteiligung stützt. Die Matrix legt fest, welche Dinge der zukünftige Besitzer der Immobilie erfüllen sollte. Über Bewerber, die in die engere Auswahl kommen, wird schlussendlich der Stadtentwicklungsausschuss beraten. Ein ähnliches Verfahren hatten wir bei der Rathaussanierung angestrengt und sind damit gut gefahren“, erklärt Wegener. Das hört sich nach vielen Baustellen und viel Tadel an.

Wie der Bürgermeister schildert, wolle er 2021 erneut kandidieren: „Ich mache den Job sehr gerne, auch wenn ich mal in den Zeitungen am Pranger stehe. Einen Zuwachs an Freunden habe ich ohnehin nicht zu verzeichnen.“ Von Seiten der CDU, die ihn einst angesprochen und unterstützt hat, erhoffe er sich keine Hilfe mehr: „Die CDU hat signalisiert, einen eigenen Kandidaten stellen zu wollen. Das ist andererseits eine große Chance für mich, da ich voll und ganz im Interesse der Stadt arbeiten kann, unabhängig von Parteiinteressen.“ Verfrüht werde er aber keinesfalls in den Wahlkampf eintreten. Das behindere nur seine Arbeit. Weiterhin würde er aber seine Hand in alle politischen Richtungen ausstrecken. Rückblickend auf den Beginn seiner Amtszeit fallen Wegener die schlaflosen Nächte ein: „Ich habe viel Zeit investiert und private Dinge hintenan gestellt. Die erste Zeit bin nach Hause gekommen, um zu schlafen, für mehr blieb kein Platz. Man muss aber erkennen, dass der eigene Körper nicht unzerstörbar ist.“

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