Kirmesbesuch in Hedemünden endete mit kaputter Nase und abgebrochenen Zähnen

26-Jähriger aus dem Altkreis soll nach Auseinandersetzung im vergangenen Sommer 3.600 Euro zahlen

Hann. Münden. Zu einer Geldstraße in Höhe von 3.600 Euro wurde am heutigen Donnerstag ein 26-Jähriger aus dem Altkreis Münden wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt. Der junge Mann soll nach einem feuchtfröhlichen Kirmesbesuch in Hedemünden im August vergangenen Jahres einen 28-jährigen Mündener ins Gesicht geschlagen und geschubst haben, der daraufhin stürzte. Bei dem Vorfall wurde dem Opfer ein Zahn ausgeschlagen und zwei Zähne abgebrochen. Zudem erlitt der junge Mann einen Nasenbeinbruch sowie eine Gehirnerschütterung und verbrachte eine Nacht im Klinikum Hann. Münden. „Noch heute werden die Zähne behandelt“, so der 28-Jährige, der auch als Nebenkläger aufgetreten war. Nach einer Disco-Nacht im Festzelt wollten Angeklagter und Opfer – beide waren getrennt mit Bekannten und Arbeitskollegen unterwegs gewesen – gegen 5 Uhr morgens mit einem Taxi nach Hause fahren. Beide Männer waren, laut mehrerer Zeugenaussagen stark alkoholisiert, zunächst verbal und schließlich körperlich aneinandergeraten.

Wenn Alkohol die Sinne vernebelt

Wer das Handgemenge begann, konnte nicht aufgeklärt werden – beide bestritten es. Das Erinnerungsvermögen der geladenen Zeugen war sehr lückenhaft, drei konnten sich aufgrund des Alkoholeinflusses an den Ablauf „kaum erinnern“ oder hatten „wenig gesehen“. Ob die Verletzungen durch einen möglichen Schlag des Angeklagten, von dem Sturz auf den Boden oder von weiteren Schlägen oder gar Tritten herrührten, blieb ebenfalls ungeklärt. Dem Opfer selbst war nach dem Angriff „schwarz vor Augen“ geworden. Erst im Taxi, mit dem es in das Krankenhaus gebracht wurde, sei es wieder zu sich gekommen. Der Angeklagte bestritt ein Zuschlagen und Zutreten vehement. Lediglich ein Zeuge belastete den 26-Jährigen mit der Aussage, dass dieser den am Boden liegenden Kontrahenten mindestens einmal mit dem Fuß erwischt habe. Der „flüchtige Bekannte des Opfers“ verstrickte sich bei Nachfragen zu Details durch Richterin Dr. Christine Kunst jedoch in Widersprüche.

Plädoyers so unterschiedlich wie selten

Die Staatsanwaltschaft sah den Anklagevorwurf weitestgehend bestätigt, den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung wegen des Tretens gegen Kopf und Rumpf des Opfers jedoch nicht. Sie wertete den Schubser des Angeklagten und den anschließenden Sturz als Auslöser für die Verletzungen im Gesicht. Zugute hielt sie das Teilgeständnis des 26-Jährigen, der das Schubsen eingeräumt hatte. Belastend wertete die Staatsanwaltschaft, dass er sich bei dem 28-Jährigen im Vorfeld der Verhandlung weder entschuldigte noch eine Entschädigungszahlung angeboten hatte. Zudem sei er vorbestraft und 2012 bereits wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Sie forderte in diesem Fall eine Geldstrafe in Höhe von 1.200 Euro. Der Anwalt das Opfers, die Seite der Nebenklage, hielt den Belastungszeugen dagegen als einzigen der insgesamt vier Zeugen für glaubhaft. Dessen Beschreibung des Tretens würden mit dem Verletzungsbild seines Mandanten übereinstimmen. Er sah die gefährliche Körperverletzung als gegeben an und forderte eine Freiheitsstrafe auf Bewährung plus Geldauflage. Der Verteidiger des 26-Jährigen gab an, durch die Verhandlung keine Klarheit über die Geschehnisse in Hedemünden erhalten zu haben, da der Angeklagte, das Opfer sowie die Zeugen erheblich alkoholisiert gewesen seien. Bei dem Belastungszeugen habe es eine hohe Diskrepanz zwischen seiner Aussage vor Gericht und seiner damaligen Aussage bei der Polizei gegeben, womit er sich selbst widersprochen und seine Glaubhaftigkeit untergraben hätte. Er fordert deshalb einen Freispruch seines Mandanten. Eine zwischenzeitlich vorgeschlagene Einstellung des Verfahrens von Seiten der Verteidigung lehnte die Staatsanwaltschaft aufgrund der Schwere der Verletzungen, die das Opfer davontrug, ab. „Dass es überhaupt soweit gekommen ist, tut mir sehr leid, auch die Verletzungen, die daraus resultierten. Aber ich kann dafür nichts“, sagte der Angeklagte vor der Urteilsverkündung.

Richterin: Keine gefährliche Körperverletzung

Die Verhandlung habe nicht ans Licht gebracht, wodurch die folgenschweren Verletzungen des Opfers nun stammten, fasste Richterin Kunst zusammen. Eine gefährliche Körperverletzung habe sie nach Anhörung der Zeugen nicht erkennen können, dafür eine vorsätzliche. Der Angeklagte hat neben der Geldstrafe die Kosten des Verfahrens zu tragen. Ein ziviler Rechtstreit läuft zwischen den beiden Parteien weiterhin. Dort geht es unter anderem um die Übernahme von Zahnarztkosten in Höhe von 4.500 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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