Kita dicht – Reparaturarbeiten am Königshof zwingen zur Schließung

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(V.li.) Anja Hiddersen, 1. Vorsitzende des Elternbeirats, Mutter Jessica Hepe und Jenny Engel, 2. Vorsitzende. Sie deuten auf den Urinfleck des Marders an der Decke.

Leck am Heizwasserrohr sorgt für vorzeitige Ferien - Eltern kritisieren Zustand der Einrichtung

Hann. Münden. Die Evangelische Kindertagesstätte St. Blasius Königshof bleibt in dieser Woche geschlossen. Der Grund: Ein Leck im Heizwasserrohr. Vermutlich hat sich der gesamte Boden des Altbaus mit dem austretenden Wasser vollgesogen. Die Kindertagesstätte besteht aus zwei Gebäuden. Der Altbau stammt aus den 1970er Jahren. Hier befinden sich die Räumlichkeiten des Kindergartens für drei- bis sechsjährige Kinder. Im Neubau aus dem Jahr 2013 ist die Krippe für Ein- bis Dreijährige und die Hortgruppe für die Sechs- bis Zehnjährigen untergebracht. Bei einem Informationsabend am vergangenen Donnerstag erläuterte Leiterin Claudia Zemke die genaue Sachlage. Erstmals wurden im Sommer kleine Erhebungen im PVC-Boden beobachtet. Dies hatte die Leiterin sofort der Stadt gemeldet. Eine viermalige Prüfung der Ursache blieb jedoch ergebnislos, da die Messgeräte unzuverlässig seien. Erst nach einer größeren Bodenwölbung in der Kita-Küche wurde Anfang Dezember der Boden aufgestemmt und die Wasseraustrittsstelle endlich gefunden. Jetzt müsse schnell reagiert werden. Der Boden sei vermutlich komplett mit Wasser gesättigt. Eventuell müsse der gesamte Estrich entfernt werden. Das bedeutet, die Möbel vorher umlagern, damit die Trocknung durch eine Spezialfirma am 27. Dezember beginnen kann. Feuchtigkeits- und ein Chemiesachverständige werden den Schaden beurteilen. Auch ist die Versicherung eingeschaltet. Zemke betonte die gute Zusammenarbeit „von Anfang an mit Jürgen Stieler und Kerstin Nehler von der KDM“, die prompt reagiert und zugesichert hätten, alles Notwendige zu veranlassen. Wiebke Bartels, Leiterin der Kindertagesstätten Abteilung des Kirchenkreisamtes Göttingen-Münden, sagte die Rückerstattung des bereits gezahlten Mittagessen-Beitrages zu. Wie geht es nach den Weihnachtsferien weiter? Die Kitaleiterin bemüht sich um Alternativen. Sie möchte die betroffenen vier Kindergartengruppen von insgesamt 90 Kindern nicht auseinanderpflücken. Eventuell könnte die benachbarte Schule zwei Gruppen aufnehmen. Auch eine Containerlösung ist angedacht. Zudem werden zwei zusätzliche Mitarbeiter benötigt, die keine Fachkräfte, aber körperlich fit sein müssten. Bei allen Überlegungen steht für sie das Kinderwohl vor dem Elternwohl.

Umnut über Zustand des Altbaus

Der Unmut der berufstätigen Eltern, die ihre Kinder kurzfristig eine Woche vor Weihnachten anderweitig unterbringen müssen, richtet sich auch gegen den allgemeinen Zustand des Altbaus. Anja Hiddersen ist erste Vorsitzende des Elternbeirats und Jenny Engel zweite Vorsitzende. Sie erzählen, dass bereits eine Kloschüssel umgefallen sei, als ein Kind darauf saß. Am Eingang komme bei Starkregen das Wasser durch die Tür ins Innere. Das Holz der Garderoben-Sitzbank aus den 70er Jahren splitterte und ein Kind bekam dadurch einen Splitter in den Oberschenkel. Daraufhin habe die Stadt lediglich die Deckplatte ersetzt. In den Spielecken habe man Mäusekot gefunden. Sie zeigen auf einen Flecken an der Decke. Dort sei ein Marder am Werk und der Fleck stamme von dessen Urin. Auch ein Waschbecken ist unbrauchbar und seit einigen Wochen durch Klebeband abgesperrt. Das Marder- und Mäuseproblem ist der Leiterin der Kindertagesstätte bekannt. Sie habe regelmäßig Schädlingsbekämpfer im Haus. Die Tochter von Maria Knüpper ist zurzeit in der Krippe. Nächstes Jahr sollte sie in den Kindergarten wechseln. „Als ich die Räume sah, bekam ich einen Kulturschock“, so die Mutter. Eine zweite Mutter fügt hinzu, „Kinder sind unsere Zukunft, aber dafür ist kein Geld da“.

Rauchmelder wurden abmontiert

Auch die fehlenden Rauchmelder bereiten den Eltern Sorge. Da die Melder sehr staubempfindlich sind und mehrmals täglich auslösten, wurden sie abmontiert. Es gibt aber sogenannte „Combimelder“, die nur bei Hitze plus Rauch Alarm schlagen. Der leitende Brandschutzprüfer des Landreises Göttingen, Lars Schinkel, ist das Anbringen von Rauchmeldern in Kindertagesstätten in Niedersachsen nicht Pflicht, nur in Schlafräumen, die nachts genutzt werden. Untertags, in der Mittagsruhe, müsse immer eine Betreuungsperson zugegen sein. (In Hessen sind Rauchmelder in Kindertagesstätten mit Schlafräumen demnächst Pflicht, Anmerkung d. Redaktion). Auch wenn die Eltern Rauchmelder spenden würden, wie von einer Mutter vorgeschlagen, dürften diese nur von der Stadt angebracht werden. Jürgen Stieler von der KDM erklärt, warum der Grund für den Wasserschaden im Gebäude aus den 70er Jahren erst nach dem Aufreißen des Bodens entdeckt werden konnte. Das Schadensbild war so nicht erkennbar, da die Leitungskanäle, bzw. Rohre, entgegen der Baupläne ohne Ummantelung eingebaut worden waren. Die KDM sei „in permanentem Austausch mit der Kindergartenleitung“ und „turnusmäßig“ seien verschiedenen Arbeiten vorgesehen. Auch Kerstin Nehler, ebenfalls KDM, sichert zu, „im Zuge der Bodensanierung werden auch weitere Reparaturen in den entsprechenden Räumen vorgenommen“. „Wir sind bemüht, 2019 im Rahmen der Möglichkeiten eine gute Lösung zu finden“, so Stieler.

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