,Kommen uns oft verdaddelt vor’

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Fred Dettmar vor dem Neubaugebiet unterhalb des Freibades in Veckerhagen. Hier sollen bis zu 30 Bauplätze entstehen. Die Planungsphase läuft.

Hann.Münden. Fred Dettmar peilt die zweite Amtsszeit an und spricht über den schweren Stand in Nordhessen, Erreichtes und Ziele.

Reinhardshagen. Fred Dettmar redet oft Klartext und nimmt dann kein Blatt vor den Mund. So wie bei den Neujahrsempfängen, auf denen er auch mal offen den Landkreis sowie Bund und Land wegen ihrer zurückhaltenden Unterstützung respektive immer weitreichenderen Forderungen kritisiert. Auf beides wird er gleich noch zu sprechen kommen. Manch einen frustriert es mit der Zeit, wenn er immer wieder gegen Windmühlen ankämpfen muss, sich aber wenig tut. Aber wie ist es im Fall Dettmar?

Der peilt als amtierender Bürgermeister Reinhardshagens die zweite Amtszeit an. Die Wahl wird, wie in Hann. Münden auch, am 25. Mai stattfinden. Bislang ist kein Gegenkandidat in Sicht, was der 52-Jährige bedauert. Konkurrenz belebe bekanntlich das Geschäft. Das gelte auch im Wahlkampf.

Mammutaufgabe Kanalsanierung

Auf die Fahnen schreibt sich der gelernte Bankkaufmann neben der Nachbarschaftshilfe, die für Mobiliät in der Gemeinde sorgt und auch ein Betreuungsangebot, die Leihgroßeltern, ins Leben rief (wir berichteten) auch das Einwerben von 2,5 Mio. Euro beim Land für den Straßen- und Kanalbau, der aktuell das Ortsbild prägt.  350.000 Euro investierte die Gemeinde, um zehn neue Krippenplätze zu schaffen. Damit wären wir auch schon bei den eingangs erwähnten Belastungen, auferlegt von Land und Bund: "Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet worden. Im Oktober wurde mit dem Anbau am Kindergarten Weserwichtel in Veckerhagen begonnen. Er wird am 1.9.14 in Betrieb genommen. Die Betreuungszeiten wurden in meiner Amtszeit ebenfalls erweitert", informiert Dettmar. Auch wenn die finanzielle Belastung groß sei, weiß der 52-Jährige natürlich um die Wichtigkeit. Infrastrukturell darf Reinhardshagen die Zeichen der Zeit nicht verkennen, sonst drohen  Familien und junge Menschen scharenweise in Konkurrenzgemeinden abzuwandern, die vielleicht besser aufgestellt sind. "In den zurückliegenden 15 Jahren haben wir schon rund 800 Einwohner verloren", erklärt Dettmar.Ihm ist allerdings nicht bange: "Wir leisten uns eine Jugendarbeit, haben einen guten Personnennahverkehr, der uns zwar 25.000 Euro im Jahr kostet, aber junge Menschen bis nach Kassel bringt. Weiterer Pluspunkt ist die intakte Infrastruktur mit zahlreichen Ärzten, Hallenbad, Freibad, Wesertalhalle und Nahversorgungszentrum." Der Bürgermeister bedaure dagegen die Grundsteuer A und B sowie Gewerbesteuer erhöhen zu müssen: "Wir sehen keine andere Möglichkeit, um die Diskrepanz im laufenden Haushalt ins Lot zu bringen." Aber auch die Gemeinde als solche habe Einschränkungen hinnehmen müssen: "Wir traten unter anderem aus Tourismusvereinen und -verbänden aus, um Mitgliedsbeiträge möglichst gering zu halten.""Verdaddelt" kommt sich Dettmar des Öfteren vom Landkreis vor. Zum Beispiel in Sachen Bürgerbus – da habe sich der Landkreis ein dickes Ding geleistet: "Ich habe erst kürzlich erfahren, dass andere Gemeinden dafür fünfstellige Zuschüsse bekommen. Wir machen das hier seit einiger zeit auf Ehrenamtsbasis und kleinem Budget." Bei solchen Dingen fühle man sich vom Landkreis abgekoppelt.Deshalb schaue man sich beim Lösen von Problemen achselzuckend vor Ort um. Die Kläranlage in Veckerhagen ist beispielweise 27 Jahre alt und müsste saniert werden. Dettmar rechnet mit sechsstelligen Kosten. Er peilt eine Kooperation mit Hann. Münden an, um Reinhardshagens Abwässer über Hemeln zur Gimter Kläranlage leiten zu können.

Neubaugebiet und Betreutes Wohnen

Und was bringt die Zukunft? "Ich habe viele Projekte begonnen, die ich natürlich gern fortführen würde. Auch die politische Zusammenarbeit in der Gemeinde möchte ich verbessern. Der Bebauungsplan eines neuen Wohngebietes unterhalb des Freibades wird gerade aufgestellt. Bis zu 30 Bauplätze sollen hier auf 20.000 Quadratmetern entstehen. Ein behindertengerechtes, betreutes Wohnen für Senioren würden wir in Zukunft gerne vor der Wesertalhalle sehen. Wir werden auf die Bevölkerung zugehen und das Modell gemeinsam mit den Investoren und dem Projektentwickler vorstellen." (Die Info-Veranstaltung findet am Mittwoch, 7. Mai, um 19 Uhr, in der Wesertalhalle statt, die Redaktion).

Das "B-Wort" muss der Gemeindechef auf Nachfrage dann doch noch in den Mund nehmen. Die Brücke zwischen Reinhardshagen sei immer noch wünschenswert und wichtig für das Zusammenwachsen der Region. "Ich habe rein gar nichts gegen die Fähre. Aber die ist auch nicht rund um die Uhr im Einsatz und muss bei Hochwasser und Eis passen. Hemeln hat viele Vereine, aber überschaubare Veranstaltungsräume. Wir würden gerne aushelfen. Und auch bei Bränden und ähnlichem können wir nur über den Fluss zusehen und nicht eingreifen. Das würde sich mit einem Schlag alles ändern. Leider hat niemand so ein Bauwerk in der Tasche, aber wir bleiben dran", so Dettmar, der die Idee noch nicht abgehakt hat. Frustration klingt dann doch ganz anders aus.

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