Lage zu laut: Gericht kippt Umlegungsplan in Hedemünden

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Erwin Gundlach (li.) und Hans-Christoph Werner, Gegner des Umlegungsverfahrens, freuen sich über das Urteil durch das Landgericht Hannover. Sie wissen aber auch, dass das nicht unbedingt das Ende des Verfahrens bedeutet, denn die Stadt Hann. Münden teilte mit, in Revision zu gehen.

Urteil bezieht sich auf hohe Lärmbelastung: Etwa 140 Züge passieren das Gebiet pro Tag. Die Stadt strebt Revision an.

Hann. Münden. Durchatmen am Fuchsberg in Hedemünden, wenn auch nur vorübergehend: Im Rechtsstreit zwischen der Stadt Hann. Münden und etwa einem halben Dutzend Grundbesitzern hat das Landgericht Hannover Ende Mai ein Urteil gesprochen. Das Gericht hat den Umlegungsplan „Fuchsberg-Ost“ aufgehoben. Bei der Begründung stützt sich das LG auf die Lärmbelastung durch die nahegelegene Bahntrasse. „Etwa 140 Züge fahren hier pro Tag vorbei“, stimmt Hans-Christoph Werner, einer der Gegner des Umlegungsverfahrens, zu. Er möchte unbebaute Grundstücksfläche, so wie andere Bürger am Fuchsberg auch, nicht verkaufen. Doch mit dem Urteil ist die Angelegenheit noch nicht vom Tisch, denn die Stadt Hann. Münden hat einen Antrag gestellt das Urteil auf Rechtsfehler zu prüfen, so Pressesprecherin Julia Bytom auf Anfrage.

Der Interessenkonflikt zwischen den Parteien schwelt seit über 20 Jahren, wie Werner erklärt. So lange existiere bereits ein Bebauungsplan und ebenso lang der Widerstand. Eine teure und kräftezehrende Angelegenheit: Bis heute seien für ihn rund 5.000 Euro Anwaltskosten aufgelaufen, informiert der 71-Jährige. Ähnlich wie ihm gehe es anderen Betroffenen. Von zwölf Grundstücksbesitzern sei die Hälfte rechtlich gegen das Umlegungsverfahren vorgegangen (wir berichteten). Ein Rückblick: Das Areal Fuchsberg-Ost umfasst etwa 33.300 Quadratmeter, 3.400 Quadratmeter gehören der Stadt. Die einzelnen Grundstücke haben unterschiedliche Größen und müssten in einem sogenannten Umlegungsverfahren zu einem großen Ganzen zusammengefasst und neu aufgeteilt werden, um attraktiv zu sein. Dafür sollte die Verwaltung nach einem Ratsbeschluss 2016 sorgen, die Flächen von den Grundstückseigentümern erwerben, selbst entwickeln und erschließen. Die SPD stimmte damals im Stadtrat mehrheitlich dafür, während sich CDU, Grüne und BürgerForum enthielten.

Stadt bot 10 Euro pro Quadratmeter

Für den Ankauf der Flächen standen im Haushalt 400.000 Euro bereit. 10 Euro pro Quadratmeter bot die Stadt in ihrem Übernahmeangebot an. Etwa die Hälfte der Besitzer waren bereit einzuschlagen oder aber wollten selbst ihr Land vermarkten. Die Gegner dagegen befürchteten, dass die Kosten für den Bau einer nötigen Infrastruktur auf sie umgelegt werden. Mit fatalen Folgen: „Dann wäre von der Verkaufssumme wohl kaum oder gar nichts mehr übrig geblieben und wir hätten die Grundstücke quasi verschenkt“, teilt Erwin Gundlach mit, dessen Kinder rund 6.000 Quadratmeter am Fuchsberg-Ost besitzen, die zum Großteil nicht bebaut sind. Mit dem Umlegungsverfahren beschäftigt sich der Rat seit 1996. Damals wurde die Stadt vom Ortsrat Hedemünden aufgefordert, mit der Erweiterung des Gewerbegebietes Hedemünden 2 ein Wohnungsbaugebiet zu entwickeln, da er ein zu hohes finanzielles Risiko für die Grundbesitzer sah, es selbst zu tun. Ortsbürgermeister Udo Bethke teilte bereits 2016 mit, dass sich die Gewerbeansiedlung in Hedemünden rasant entwickelt habe, wodurch die Nachfrage für Wohneinheiten angestiegen sei. Das Umlegungsverfahren Fuchsberg-Ost war politisch umstritten. Vor drei Jahren forderte Kirsten Klein von der Partei Die Linke eine Teilaufhebung des Bebauungsplans, da offenbar zu wenig Besitzer Interesse am Verkauf ihrer Grundstücke interessiert seien und die Übernahme durch die Stadt deshalb nicht erfolgen könne. Das lange Warten auf eine endgültige Entscheidung hat mit dem Urteil des Landgerichts Hannover aber immer noch kein Ende, denn die Stadt geht in Revision. „Ich bin trotzdem zuversichtlich, dass die Verwaltung auch mit der Revision keinen Erfolg haben wird, so Gundlach. Bei einer Berufung wäre dann das Oberlandesgericht in Celle zuständig. „Wenn es soweit kommt, werden wir den Rechtsweg weiter beschreiten“, kündigt Werner an.

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