Kurz-Interview zur Niedersächsischen Landtagswahl 2017

Acht Kandidaten, eine Frage, viele Antworten - wer gewinnt den Wahlkreis 16 am Sonntag?

Hann. Münden/Staufenberg. Am kommenden Sonntag findet die vorgezogene Landtagswahl in Niedersachsen statt. Ab 8 Uhr können die Bürger dann an die Wahlurnen treten, um ihr Kreuz für ihren Favoriten zu setzen. Im Wahlkreis 16 Göttingen/Münden treten in diesem Jahr acht Kandidaten an, um einen Platz in Hannover zu bekommen: Harm Adam (CDU), Gerd Hujahn (SPD), Dr. Petra Jaeckel (Grüne), Joachim Bons (Die Linke), Annette Apel (FPD), Karsten Beuermann (Freie Wähler), Reiner Plümer (AfD Niedersachsen) und Heinz Wilhelm Ernst Doil (LKR Niedersachsen). Die Kandidaten für Ihren Wahlkreis stellen sich in aller Kürze vor. Die alles entscheidende Frage lautet: "Warum sollen sich die Bürger ausgerechnet für Sie entscheiden?" (Die Frage wurde von allen Kandidaten schriftlich beantwortet).

Harm Adam (CDU)

Harm Adam (CDU).

„An erster Stelle steht für mich die Unterstützung von Familien. Sie müssen von Kindergartenbeiträgen befreit werden. Die Beseitigung des steigenden Unterrichtsausfalls und der Erhalt von Schulen haben bei der Bildung Vorrang. Die Unterrichtsgarantie sichern wir mit einer Einstellungszusage für angehende Lehrkräfte, personell besser ausgestattete Schulsekretariate und Sozialpädagogen. Den Fachkräftemangel bekommen wir ohne eine Stärkung der beruflichen Bildung nicht in den Griff. Für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger wollen wir bis 2022 im Polizeivollzugsdienst 3000 neue Stellen schaffen, die alte Landesregierung hat abgebaut. Weitere wichtige Aufgaben sind der soziale Wohnungsbau, die Förderung der unverzichtbaren Landwirtschaft und die attraktive Gestaltung des Tourismus. Besonders möchte ich mich um die Sicherstellung einer umfassenden Gesundheitsversorgung in unserer Region kümmern. Der zukunftsorientierte Ausbau der analogen und digitalen Infrastruktur sowie eine effektive Gestaltung des ÖPNV sind unverzichtbar, um auch in Zukunft ein attraktiver Wirtschaftsstandort zu sein. Als Ihr Abgeordneter werde ich auf die Sanierung maroder Landesstraßen drängen. Südniedersachsen braucht eine starke Stimme in Hannover. Eine CDU-geführte Landesregierung sorgt für eine stabile Bundesregierung mit Angela Merkel an der Spitze. Meine langjährige politische Erfahrung als Kreistagsabgeordneter, Landes- und Europapolitiker, möchte ich für Sie, Ihre Familie und unsere Heimat einsetzen. Unterstützen Sie mich bitte deshalb auch mit Ihrer Erststimme!“

Gerd Hujahn (SPD)

Gerd Hujahn (SPD).

„Die Beantwortung dieser Frage fällt mir nicht ganz leicht. Auf der einen Seite möchte ich nicht mehr versprechen, als ich halten kann, auf der anderen Seite will ich sehr viel für unsere Region erreichen. Ich glaube, es ist am Besten über meine Beweggründe zu sprechen und daraus meine Kernziele abzuleiten: Familie: Ich lebe mit meiner Frau und unserer 13-jährigen Tochter in Lippoldshausen. Die großen Kinder haben ihre eigenen Familien gegründet und uns zwei Enkelkinder im jetzigen Alter von drei Jahren und zehn Monaten geschenkt. Ich erlebe Fragen zu Krippenplätzen, Kindergartengebühren und Schulproblemen täglich. Mein Wunsch ist es, hier gerechte Verhältnisse herzustellen und für alle Kinder,die Möglichkeit zu schaffen, ohne Rücksicht auf Herkunft und Einkommen einen Krippenplatz zu erhalten, gebührenfrei in die Kita zu gehen und in der Schule eine bestmögliche Betreuung und Unterrichtsversorgung zu erhalten.Heimat: Ich bin in Verden/Aller geboren und aufgewachsen, habe 23 Jahre in Hannover gelebt und dann hier in unserer Region meine Heimat gefunden. Mich haben die Lippoldshäuser mit offenen Armen aufgenommen, in den Ortsrat gewählt und in zweiter Legislaturperiode zum Ortsbürgermeister gemacht. Seit dem letzten Jahr bin ich Ratsherr in Hann. Münden und glaube, die Probleme unserer Region zu kennen. Mein Wunsch ist es, für gerechte und gleichwertige Lebensbedingungen in Stadt und Land einzutreten. Sicherheit: Ich bin seit 39 Jahren Polizeibeamte und mir liegt die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger besonders am Herzen. Meine Erlebnisse vom Polizeiwachtmeister bis zum Polizeidirektor haben mich geprägt. Mein Wunsch ist es, dass wir hier in Sicherheit leben und uns ohne Angst bewegen können.“

Annette Apel (FDP)

Annette Apel (FDP).

„Ich setze mich dafür ein, dass in den ländlichen Regionen möglichst umgehend jeder Haushalt mit leistungsfähigen Internetanschlüssen versorgt wird. Der Ausbau mit Glasfasertechnologie ist meiner Meinung nach, die wichtigste Option, um das Landleben für alle wieder attraktiv zu gestalten. Dieser Ausbau muss aber möglichst schnell und vor allem unbürokratisch ohne weitere ominöse Förderprogramme erfolgen. Das Geld was dort verschwendet wird, steht dann für den Ausbau zur Verfügung. Die digitale Anbindung bedeutet auch, dass dadurch der günstige Wohnraum in den Dörfern für die junge Bevölkerung eine Option sein kann, dort zu leben. Unser Bildungssystem soll vielfältig und mehrgliedrig bleiben ohne Zwangsinklusion. Für die über 18jährigen Schüler/innen muss die kostenfreie Schülerbeförderung eingeführt werden. Außerdem brauchen wir einen funktionierenden Rechtsstaat, der unsere Sicherheit im privaten, wie im öffentlichen Leben sichert. Dafür brauchen wir mehr Polizisten und für diese eine moderne, zeitgemäße Ausstattung, die ihre Arbeit erleichtert und beschleunigt. Zur Steigerung der Attraktivität des ländlichen Raumes brauchen wir ein gut ausgebautes Straßennetz sowie ein gut organisierter öffentlicher Personennahverkehr.“

Joachim Bons (Die Linke)

Joachim Bons (Links).

„Wer nicht hinnehmen will, dass in einem Land, das (fast) jedes Jahr reicher geworden ist, heute 40 Prozent der abhängig Beschäftigten real weniger in der Tasche haben als Mitte der 90er Jahre, immer mehr Menschen befristet oder anders prekär beschäftigt sind und Arbeitslose in die Armuts- und Gängelungsfalle Hartz IV abgeschoben werden, die reichsten 10 Prozent der Haushalte seit 2003 aber ihren Anteil am Gesamtvermögen von ca. der Hälfte auf fast Zweidrittel steigern konnten. Wer mit mir eintreten will für Daseinsvorsorge (u.a. Krankenhäuser, Energie) in öffentlicher Hand und gegen Privatisierungen, Kriegsbeteiligung und Waffenexporte für sichere Arbeitsplätze und höhere Löhne, bei gleichem Lohn für gleiche Arbeit, einen landesweiten Mindestlohn von 12 Euro, öffentliche Aufträge nur für tarifgebundene Unternehmen, für eine Mindestsicherung von 1050 Euro für Arbeitslose (statt Hartz IV) und im Alter, eine Mietpreisbremse und den zügigen Ausbau von Wohnungen mit Sozialbindung, für ein Rentenniveau von 53Prozent und gegen die Rente mit 67, den Ausbau Integrierter Gesamtschulen (so in Hann. Münden und Dransfeld), von Bahn und ÖPNV für eine humane Flüchtlingspolitik. Wer meint, dass in einem der reichsten Länder humanere Verhältnisse möglich sind, wenn die wirklich Reichen zur Kasse gebeten werden (Vermögenssteuer, Anhebung Spitzensteuersatz, Ende Abgeltungssteuer), wer zudem weiß, dass ein Einzelner, auch eine Partei allein wenig erreichen kann, sondern dass sich die Verhältnisse nur verbessern lassen, wenn die Vielen aufstehen und sich in sozialen Bewegungen, Gewerkschaften, Parteien wehren. Wer sich also für diesen politischen Richtungswechsel engagiert und klare Kante gegen Rechts zeigen will, für all die macht es Sinn, mir und der Partei Die Linke am 15.10.17 die Stimme zu geben.“

Dr. Petra Jaeckel (Grüne)

Petra Jaeckel (Grüne).

„Klare Luft und reines Wasser, das sind zwei meiner wichtigsten politischen Vorhaben, dafür setze ich mich ein. Doch wie können diese umgesetzt werden? Für die Umsetzung wichtig ist eine Stärkung der neuen Mobilität, die uns weg von Diesel- und Benzinmotoren, hin zu einem gut ausgebauten ÖPNV, vielen guten Radwegen und Carsharing bringt. Die Elektromobilität spielt dabei eine große Rolle. Elektrofahrräder ermöglichen Pendlern größere Strecken zurückzulegen und mit Elektroautos kann es auch in der Stadt klare Luft geben. Dafür müssen wir den Landkreis mit noch mehr Radwegen vernetzen und ausreichend Ladesäulen für Elektroautos bereitstellen. Ebenfalls wichtig ist mir, den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft voranzubringen. So wird der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung und die Ausbringung von Düngemitteln im Pflanzenanbau reduziert und Luft und Wasser nicht belastet. Und damit es zukünftig in der klaren Luft wieder mehr summt und brummt, soll die Honigbiene durch Förderung von Blühstreifen und durch ein Verbot von Bienengiften wie z.B. Glyphosat geschützt werden, denn sie hat eine wichtige Funktion beim Obst- und Gemüseanbau. Gute Bildungschancen von der Kita bis zum Studium, unabhängig vom Geldbeutel. Das ist mir ebenfalls ein großes Anliegen. Erhöhung der finanziellen Ausstattung der Ganztagsschulen für mehr gut ausgebildetes Personal sowie eine zusätzliche pädagogische dritte Kraft in den Kitagruppen können zu einer besseren Chancengleichheit beitragen. Gute Betreuung und Förderung gibt es nur mit qualifizierten und fair bezahlten Fachkräften.“

Karsten Beuermann (Freie Wähler)

Karsten Beuermann (Freie Wähler).

„Seit 2001 bin ich kommunalpolitisch in der Gemeinde Scheden und der Samtgemeinde Dransfeld tätig. Von 2011 bis 2016 war ich im Kreistag des Landkreises Göttingen. Ich setze mich für starke Städte und handlungsfähige Gemeinden ein, wo jung und alt gut leben können. Mit einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung, leistungsstarkem Rettungsdienst sowie Krankenhäuser in erreichbarer Entfernung. Für Familien ist die Verfügbarkeit von Schulen und Kindergärten eine wichtige Voraussetzung, um ihre Zukunft im ländlichen Räumen zu planen. Weiterhin trete ich für die Förderung der lokalen Wirtschaft und eine flächendeckende bäuerliche Landwirtschaft ein. Unsere Infrastruktur vom schnellen Internet über Straßen, Schiene und Gewässer braucht Investitionen. Dies soll mit Städtebauförderung, der Dorferneuerung und gezielter Strukturpolitik des Landes erfolgen. Das Breitbandförderprogramm des Bundes soll aufgestockt und der Fördersatz erhöht werden. Für die Nahversorgung braucht es eine Vereinfachung der behördlichen Auflagen für Einzelhandel, Dorf- und Hofläden. Wertschöpfung und Kaufkraft muss in der Region gebunden werden. Wir wollen einen starken öffentlichen Personennahverkehr in Stadt und vor allem auf dem Land. Nicht zuletzt durch die Angst vor Terror und zunehmender Einbruchs- und Cyberkriminalität leidet das persönliche Sicherheitsgefühl. Es braucht bedarfsgerecht ausgerüstete Polizeikräfte und eine funktionierende Justiz vor Ort. Menschen, die sich zur Aufrechterhaltung der Sicherheit in ihrem Beruf besonderen Gefährdungen aussetzen, wie Polizisten, Feuerwehrleute oder Rettungskräfte, verdienen unseren besonderen Schutz. Mein persönlicher Schwerpunkt ist die Stärkung des Ehrenamtes.“

Reiner Plümer (AfD)

Reiner Plümer (AfD).

„Die bisher im Landtag vertretenen Parteien haben viel Zeit gehabt, die über Jahre aufgestauten Probleme vor Ort, in den Wahlkreisen, z.B. marode Straßen und öffentliche Gebäude, langsames Internet, mangelnde Sicherheit, anzugehen und zu beseitigen. Das ist, wie jeder sieht, nur unzureichend geschehen. Das Geld der Steuerzahler, dass hier so dringend benötigt wird, das wurde und wird von den gerade-noch-Volksparteien auf Bundesebene für höhere Ziele wie „Eurorettung und „Flüchtlingskrise“ benötigt. Die Vertreter sämtlicher etablierter Parteien haben diese Entwicklung sehenden Auges als „alternativlos“ hingenommen. Sie haben Prioritäten gesetzt, die nun sichtbar werden. Sie haben auf Parteitagen der herrschenden Politik kritiklos zugestimmt! Trotz Wirtschaftswachstum und Nullzinspolitik fehlt das Geld für dringend notwendige Investitionen, es fehlt für Kinder, Familien und die ältere Generation. Dazu gehört auch die vernachlässigte Innere Sicherheit. Eine Kernaufgabe eines jeden Staates! Ein Staat, der seine Grenzen nicht ausreichend schützt und bei der Strafverfolgung eher zurückhaltend agiert, kann auf Dauer nicht für genügend Sicherheit sorgen. Hier sind Korrekturen erforderlich. Mehr Polizei mit besserer Ausstattung ist ein wichtiger Ansatz. Daneben sind eine Justiz, die gesetzliche Strafrahmen ausschöpft sowie gesicherte Grenzen unverzichtbar. Wenn Sie die Politik der vergangenen Jahre zukünftig ändern wollen, dann wählen Sie bitte bei der Landtagswahl mit beiden Stimmen die „Alternative für Deutschland“ (AfD). Jede Stimme ist eine Stimme für Recht und Gerechtigkeit und gegen ein „weiter so“ der ohnehin austauschbaren etablierten Parteien.“

Heinz Doil (LKR Niedersachsen)

Heinz Doil (LKR Niedersachsen).

„Wenn der Wähler mit den „älteren“ Parteien nicht zufrieden ist, wenn er sie mittlerweile ablehnt, mit der AfD und der Antifa nichts am Hut hat, dann soll, kann und muss er eigentlich mich wählen, sonst soll er wählen : “Weiter so“ , dann braucht er mich nicht zu wählen.“

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