Ein Leben für die Pferde

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Michael und Gerda Zimmermann mit Hengst „Kara‘s Black Supreme Captain“ (li.) und Stute „For Magic vom Schedetal“ (re.)

Gerda und Michael Zimmermann züchten in Scheden ausgezeichnete Classic-Ponys

Scheden. Die Grillen zirpen um die Wette als Stute „For Magic vom Schedetal“ die abschüssige Weide in der Gemarkung Scheden herunter trabt. Im Schlepptau Hengst „Kara`s Black Supreme Captain“, kurz „Blacky“ genannt, weitere Stuten und zwei Fohlen. Sofort gibt es für die Vierbeiner Streicheleinheiten von ihren Besitzern Gerda und Michael Zimmermann. Das Ehepaar züchtet seit 1983 die sogenannten „Classic-Ponys“, eine elegante, sportliche Pony-Rasse.

Alles begann 1981

 „Eigentlich wollten wir Pferde für uns, fingen aber erstmal mit Ponys für unsere damals noch jungen Kinder an und stießen bei unserer Suche 1981 auf diese Tiere, die bis zu 35 Jahre alt werden können. Eine der Stuten bekam eine Mordsbewertung beim Zuchtverband, sodass wir beschlossen sie decken zu lassen. Das war unser Einstieg in die Zucht“, erinnert sich Gerda Zimmermann. Ihr Mann Michael belegte kurze Zeit später einen Fahrkurs im Gespannfahren. Noch heute nimmt er an Turnieren teil, bei denen sich in den Disziplinen Dressur, Hindernisfahren und im Gelände gemessen wird. Die großen Zeiten seien aber leider vorbei, sodass man mehr Augenmerk auf die Zucht lege. Zurzeit beherbergen die Zimmermanns auf ihrem 6.000 Quadratmeter großen Grundstück und mehreren Pachtweiden 16 Tiere. Jedes Jahr kommen zwischen zwei und fünf Fohlen zur Welt – das hundertste wurde im vergangenen Jahr geboren. Um den Bestand überschaubar zu halten, müssten Tiere von Zeit zu Zeit veräußert werden: „Wir haben auch schon nach Russland verkauft, wo jemand eine große Zucht aufgebaut hat. Dort waren Classic-Ponys noch vor wenigen Jahren relativ unbekannt. Noch heute halten wir Kontakt dorthin und freuen uns, wenn die Nachfahren unserer Tiere bei Tierschauen erfolgreich abschneiden“, erklärt Michael Zimmermann.

An Tierschauen nehmen auch die Zimmermanns regelmäßig mit ihren Ponys teil. Pokale räumen sie bei regionalen Wettbewerben, wie beim Pferdemarkt in Fritzlar, aber auch bei Bundes- und internationalen Vergleichen ab. Die Vitrine im Wohnzimmer des Paares platzt vor Auszeichnungen aus allen Nähten. „Und das sind noch längst nicht alle“, schmunzelt Gerda Zimmermann. Wie viele es insgesamt seien, könne sie nicht sagen, aber an den wohl prestigeträchtigsten Sieg erinnert sie sich: „Das war 2014 für Janko Boy, der bei der Europa-Hengst-Schau Junior-Champion wurde.“ Die Frage, ob die Tiere so erfolgreich wären, weil die Konkurrenz so überschaubar sei, verneinen die Züchter. Die Classic-Ponys seien zwar wenig verbreitet, aber es gebe noch genügend andere Liebhaber dieser Rasse. Sie schätzt die Zahl der größeren Zuchten in Deutschland auf etwa 20. „Das hört sich vielleicht nicht viel an, aber bei den Wettbewerben sind schon einige Tiere dabei, die es zu schlagen gilt. Da kommt es auf viele Kleinigkeiten und auch auf die Tagesform an“, so Gerda Zimmermann. Von einer unabhängigen Jury bewertet würden unter anderem Rasse- und Geschlechtstyp, Qualität des Körperbaus, der Gang und der Trab sowie der Gesamteindruck. Gestriegelt und gebügelt werden müssten die Tiere im wahrsten Sinne des Wortes vor jeder Schau. Sogar der Schweif werde eingeflochten, damit er nicht verschmutzt. Alles müsse perfekt sein, erklären die Zimmermanns, die sich täglich mehrere Stunden um ihre Lieblinge kümmern.

Gestriegelt und gebügelt: Michael Zimmermann, hier mit Enkeltochter Lisa, räumt bei den Pferdeschauen regelmäßig Trophäen für seine Vierbeiner ab. Im Vordergrund steht Ballerina vom Schedetal, die 2012 und 2016 jeweils die hessische Elitestutenschau gewonnen hatte und kürzlich auch beim Pferdemarkt in Fritzlar erfolgreich war.

Man merkt sofort, wie sehr sie ihnen ans Herz gewachsen sind und dass sie sich an etliche Erfolge mit Stolz und Freude zurückerinnern. Reich werden können die Schedener mit ihrem tierischen Hobby allerdings nicht. Der Verkauf der Ponys diene nur der Kostenreduzierung. Futter, die langen Fahrten zu den Wettbewerben – ob Schauen oder Turniere – und die Gebühren bei den Zuchtverbänden Hannover und Hessen würden viel Geld kosten, erklären beide. Es sei ihnen aber auch nie darum gegangen, mit der Zucht finanziell erfolgreich zu sein. Sie seien immer aktiv, würden viel Zeit in der Natur verbringen und bekämen von ihren Ponys viel zurück. Das entschädige sie für die Arbeit. Interessierte finden weitere Informationen auf www.classic-ponys.de

Über das Classic-Pony

Das „Deutsche Classic-Pony“ ist ein modernes und zugleich klassisches Kleinpony. Seit 1965 wurde es unter Einbeziehung amerikanischer Classic-Shetlands als „Sportliches Shetlandpony“ gezüchtet. Diese entstanden durch Umzüchtung des ursprünglich kalibrigen Shetland-Arbeitsponys in Bergbau und Landwirtschaft zu einem Kleinpony, das den heutigen Anforderungen an ein elegantes Fahr- und Reitpony in besonderer Weise entspricht. Für diesen Zweck wird eine Größe im oberen Stockmaßbereich angestrebt (bei Eintragung bis zirka 112 Zentimeter). Die vorherrschende Fuchsfarbe mit den Varianten Dunkelfuchs, Windfarben, Isabell, Palomino – jeweils in Verbindung mit weißem oder hellem Behang – hat die Zuchtrichtung bekannt gemacht. Grundsätzlich sind jedoch alle Farben zulässig.

Das Classic-Pony ist nicht nur als Kinderpony begehrt. Ob Ein- oder Zweispänner, Tandem, Einhorn, Random, Troika, Quadriga, Vier- oder größere Mehrspänner – ein Fahrpony für jeden Zweck.Quelle: classic-pony.com

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