„Man vertraut der Arbeit der Genossenschaft": Im Gespräch mit Denkmalaktivist Bernd Demandt

Berndt Demandt, Vorstandsmitglied der Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt, berichtet über den Erfolg der Arbeit und was ihn ausmacht.

Hann. Münden - Die Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt  hat bereits ihr viertes Gebäude gekauft.  Wir sprachen mit dem Vorstandsmitglied Bernd Demandt.

MÜNDENER RUNDSCHAU (MR): Herr Demandt, die Bürgergenossenschaft (BG) existiert nun schon seit sieben Jahren. Wenn Sie auf die Entwicklungen zurückblicken, was genau fühlen und denken Sie heute? 

Bernd Demandt: Das mag vielleicht arrogant klingen, aber ich habe nicht das Gefühl, dass wir in den letzten sieben Jahren etwas falsch gemacht haben. Darüber hinaus denke ich auch nicht so viel über die Sache nach. Bei längerem Nachdenken würde man sich soviel Arbeit vielleicht nicht freiwillig aufhalsen. Aber mit so vielen Menschen und so vielen Jahren das gleiche Ziel zu verfolgen und den Spaß nicht zu verlieren ist unglaublich .

MR: Bei der Gründung wurde die Genossenschaft auch von so manchem belächelt. Heute sind schon vier Gebäude ihrem Besitz. Wie geht es weiter? Gehören ihr in ferner Zukunft ganze Stadtteile?

Demandt: Zur Gründung am 14.02.2013 fanden sich über 200 Menschen im Rittersaal zur Vorstellung der Genossenschaft ein und von diesen gründeten 176 die Bürgergenossenschaft. Mitglied zu werden bedeutet erst mal, mindestens 100 Euro als Anteil zu zeichnen. 70 Prozent der Gründer zeichneten mit einem Anteil, um die Sache zu unterstützen und gaben an, wenn es zum Erfolg werden sollte sich gern weiter finanziell zu engagieren. Heute vertraut man der Arbeit der Genossenschaft und wir können entspannter an den Kauf von Gebäuden rangehen. Wir werden in diesem Tempo sicherlich in 20 bis 30 Jahren stark wachsen und, wenn unsere Nachfolger weiter mit Elan dabei sind, auch in 100 Jahren in Besitz der Altstadt sein.

MR: Manche Bewegungen haben einen rasanten Aufstieg hingelegt, sind aber nach ein paar Jahren wieder von der Bildfläche verschwunden. Warum ist das bei der BG nicht der Fall, wie motivieren Sie sich selbst und ihre Mitglieder und Helfer? 

Demandt: Seit Anfang an wurde für die Helfer gekocht und es war immer reichlich Kaffee und Kuchen auf der Baustelle vorhanden. Das gemeinsame Essen und auch Feiern auf der Baustelle ist, denke ich, ein wichtiger Bestandteil unseres Erfolges und des Zusammenhalts. Mittlerweile sind viele Freundschaften über die eigentliche Arbeit hinaus entstanden. Auch Neubürger, die sich bei uns gemeldet haben, um mitzuhelfen, fanden schnell Anschluss.

MR: Sie halten Vorträge in anderen Städten, die das Modell der BG eventuell nachahmen möchten. Was geben Sie anderen mit auf den Weg und wie sind die Reaktionen darauf?

Demandt: Wir sind als Bürgergenossenschaft angefragt von Städten mit ähnlichen Problemen des Leerstandes und Verfalls von Gebäuden. Hin und wieder werden wir auch eingeladen, um auf Vorträgen unsere Arbeit zu präsentieren und am Beispiel von Naumburg und Holzminden kommt es auch zur Gründung von eigenen Bürgergenossenschaften. Dass unser Modell nicht eins zu eins übertragbar ist, ändert aber nichts an dem Willen auch anderenorts sich als Bürger mit den Problemen der eigenen Stadt auseinanderzusetzen. Letztendlich muss jeder für sich entscheiden wie es im eigenen Ort umzusetzen ist.

Rubriklistenbild: © Simon

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