Dr. Albrecht (Münden Aktiv) aus dem Mündener Stadtrat ausgeschieden

Dr. Manfred Albrecht ist leidenschaftlicher Hobbygärtner und -landwirt. Auf seinem Balkon an der Sydekumstraße pflegt er seine Tomaten.
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Dr. Manfred Albrecht ist leidenschaftlicher Hobbygärtner und -landwirt. Auf seinem Balkon an der Sydekumstraße pflegt er seine Tomaten.

Der 68-Jährige will mehr Zeit für seine Familie und seine Hobbys haben

Hann. Münden.Über Elf Jahre war Dr. Manfred Albrecht Bestandteil des Mündener Stadtrats. Zunächst in der SPD, bevor er die politische Seite wechselte und bei „Münden Aktiv“ einstieg, die seit der vergangenen Kommunalwahl im Mündener Stadtrat vertreten sind und sich mit den Grünen zusammengeschlossen haben. Albrecht wollte aktiv Bürgerinteressen vertreten und sich nicht länger einem Fraktionszwang ausgesetzt sehen. Daher der Wechsel: „Ein Parteibuch hatte ich nie!“, betont der 68-Jährige. Am 21. Juni nahm wurde er von seiner Frau Ines Albrecht-Engel abgelöst. Sie rückte in den Stadtrat nach.

Der ehemalige leitende Arzt der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des ehemaligen Vereinskrankenhauses blickt mit etwas erleichtert zurück: „Da wir (Gruppe Grüne/Münden Aktiv, die Redaktion) zu dritt sind, mussten wir alle Ausschüsse besetzen, was sehr belastend ist. Leider erfahren Sie als Ratsmitglied auch nicht unbedingt die Wertschätzung, die Sie in meinen Augen verdienen sollten. Zur Erinnerung: Die Ratsleute machen ihre Arbeit ehrenamtlich, opfern viel ihrer Freizeit, um sich in komplexe Themen reinzuknien. Das sollte vielen Bürgern bewusst sein.“ Deprimierend sei seit einigen Jahren der durch den Mündener Schuldenberg arg beschnittene Handlungsspielraum gewesen: „Jede Bürgerinitiative, die sich in letzter Zeit gründete, hat mehr erreicht als der Rat.“

Das liege nicht etwa daran, dass das Gremium auf der faulen Haut liege, sondern Fraktionsinteressen vertreten würden oder die Verwaltung zu unflexibel sei, um etwas verändern zu wollen: „Wenn der Rat eine Idee vorschlägt, hört er aus der Ecker erst einmal ein „Das geht nicht!“, obwohl sie noch gar nicht geprüft wurde. Bürgerliche Arbeit ist schneller und unkomplizierter umzusetzen. Das hat man bei der Schutz- und Fördergemeinschaft gesehen, der ich als Vorsitzender vorstehe. In sechs Jahre haben wir so viele Menschen für die Sanierung der Tillyschanze gewinnen können. Das war schon enorm, liegt aber auch an den unbürokratischen Strukturen. Wenn Sie heute aufs Amt gehen und sehen, wie langsam alles läuft, wissen Sie was sich meine. Manche Angestellten, so scheint es, haben dort einen Platz an der Sonne gefunden und ihren Liegestuhl aufgestellt. Rat und Verwaltung haben sich entfremdet. Letztere führt eine Art Eigenleben und das politische Gremium kommt sich als Bittsteller vor. Dabei muss man sich fragen, wer eigentlich für wen da ist. Angst vor Veränderungen scheint im Rathaus allgegenwärtig.“

Privat viel zu tun

Der Hauptgrund für seinen politischen Rückzug liegt aber im privaten Bereich: „Ich habe mittlerweile drei Enkel, die mir sehr viel Freude bereiten und mit denen ich Zeit verbringen will. Dass meine Frau für mich in den Rat rückt – darin liegt für mich dabei kein Widerspruch. Wir wechseln uns so gesehen ab. Außerdem bin ich leidenschaftlicher Hobbylandwirt und Koch. Und ich möchte mich mehr meinen anderen Hobby, Zeichnen und Malerei, widmen“, so Albrecht. Und da sind ja noch weitere ehrenamtliche Engagements, wie in der Fördergemeinschaft Tillyschanze oder dem Spendenparlament. Politikverdrossen sei Albrecht mit der Zeit nicht geworden, im Gegenteil: Der 68-Jährige sieht in der Ratsarbeit weiterhin eine große Chance: „Der Rat ist dazu da, um Belange der Bürger auf kommunaler Ebene zu organisieren. Es ist nach wie vor toll, dass dies nicht von zentral entschieden wird, sondern die Mündener es – noch – selbst in der Hand haben. Als politischen Erfolg nennt der Arzt im Ruhestand die Sanierung des Dielengrabens: „Das war aus touristischer Sicht ein wesentlicher Schritt. Nun muss die Entwicklung der Wanfrieder Schlagd und die Nutzung des Doktorwerders folgen. Das sind Schokoladenstücke der Stadt. Es ist schändlich, dass das nicht früher erkannt und dort investiert wurde.“

Dass man die Entschuldung der Stadt nicht vorantreiben und ihre Handlungsfähigkeit nicht herstellen konnte, bedauert Albrecht. Ebenso fehle der politische Wille, die Verwaltung zu sanieren. Ob der 68-Jährige in den Stadtrat zurückkehren wird, lässt er offen: „Warum nicht? Es war eine schöne Zeit gewesen, allein nur um zu verstehen, wie Dinge auf dieser Ebene funktionieren. Aber hier müssen sich auch Dinge ändern und das geschieht leider nur sehr langsam.“ Seine Prioritäten setze er nun eben anders: „Weiterhin ist Münden Aktiv bestrebt jungen Leuten den Sprung in den Stadtrat zu ermöglichen. Leider hat es mit unseren hoffnungsvollen Nachwuchskräften nicht geklappt. Wer an politischer Arbeit interessiert ist, kann sich gerne bei uns melden!“, blickt Albrecht auf die kommende Wahl.

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