Masken, die dabei helfen andere zu schützen

Selbst genähte Mund-Nasen-Masken des Mündener Geschäfts "Stoff & Stöffchen" sind derzeit sehr gefragt

Hann. Münden. Wer einen Mundschutz sein Eigen nennen kann, darf sich derzeit glücklich schätzen, denn das Produkt ist nahezu ausverkauft. Auch in Arztpraxen und Krankenhäusern ist der Schutz vor Viren rar (wir berichteten). Mehrere Unternehmen und Freiwillige arbeiten fieberhaft an Nachschub, teilweise unendgeltlich - sofern es die wirtschaftliche Situation zulässt.

Im Mündener Geschäft „Stoff & Stöffchen“ von Melanie Geerlings und Melanie Tönnis hält man sich mit der Produktion von sogenannten "Mund-Nasen-Masken" - rechtlich darf die Bezeichnung Mundschutz nicht verwendet werden - gerade über Wasser. Ende März begann man spontan mit einer eigenen Produktion: „Wir waren von verschiedenen Seiten angesprochen worden. Eigentlich wollten wir auf den Zug nicht aufspringen, weil wir es zuerst als Geldschneiderei empfanden. Auf weitere Bitten hin haben wir uns jedoch informiert und nach Schnitten und Anleitungen gesucht. Weil die alle aber so furchtbar waren, haben wir selbst einen Prototypen erstellt und eine Anleitung kostenlos auf unserem Facebook-Account veröffentlicht. Kurze Zeit später haben wir schon erste Zuschnitte gemacht. Seitdem ist an Schlaf kaum noch zu denken, denn unser Angebot hat sich schnell herumgesprochen“, informiert Tönnis.

Man halte ein Design in zwei Ausführungen vor: Zur Auswahl stehen Exemplare mit Bindeband oder Gummi zum Fixieren am Kopf. „Wir weisen darauf hin, dass der Träger unserer Mund-Nasen-Maske nur andere vor möglichen Ansteckungen schützen kann, aber nicht sich selbst. Man verteilt Viren also nicht, wenn man spricht, nießt oder hustet. Er dient präventiven Zwecken. Das muss einem Bewusst sein“, erklärt Tönnis.

Melanie Tönnis an ihrem Arbeitsgerät: Der Nähmaschine.

50 Mund-Nasen-Masken in verschiedensten Stoffen produziere man momentan am Tag. Kundenwünsche seien möglich, verzögerten aber die Produktion. „Das alles ist wirklich kein Zuckerschlecken. Ich sitze täglich bis ein Uhr nachts an der Fertigung. Das ist kein schnell und leichtverdientes Geld, wie vielleicht manche meinen. Es ist eine Mörderarbeit: Draht biegen, Stoffe und Gummi Zuschneiden, nähen, Versandmarken drucken. Für uns ist die Produktion ein Notanker, denn unser Geschäft halten wir für Kunden geschlossen“, so Tönnis weiter. Zu den Abnehmern der Mund-Nasen-Masken würden neben Privatpersonen auch Krankentransportservice, Arztpraxen oder Sozialstationen zählen: „Die kriegen zurzeit nichts anders und freuen sich, dass es uns gibt“, sagt Tönnis.

Mund-Nasen-Masken trocken lagern oder waschen

Und wie sieht es mit der Pflege der Mund-Nasen-Maske aus? „Wäsche zum Abtöten der Viren scharf und heiß zu waschen tut laut des Virologen Christian Drosten generell nicht not. Man kann unsere Mund-Nasen-Maske einfach zur normalen Wäsche geben. Aber auch das ist eigentlich nicht notwendig: Ist er nicht im Einsatz, dann sollte man an ihn an einem trockenen und warmen Ort ablegen, was der Virus nicht mag. Nach acht bis neun Stunden, zum Beispiel über Nacht, ist alles futsch und am nächsten Tag wieder clean“, so Tönnis.

Das Geschäft mit den Masken habe aber auch eine dunkle Kehrseite: „Wir haben über Facebook einen heftigen Shitstorm bekommen. Da hieß es: Schämt euch, was für eine Schande, wie kann man nur Geld dafür nehmen, sowas muss man in heuten Zeiten gratis machen. Dabei versuchen wir gerade unsere Existenz zu retten und haben den Preis scharf kalkuliert und mit 8.50 Euro unter dem des Online-Portals Etsy angesiedelt. Es kann sein, dass uns der Maskenverkauf die Gehälter und Miete finanziert. Vielleicht kommen wir so um staatliche Hilfen, sprich Steuergelder, herum. Die Vorwürfe taten schon weh, dabei mache ich so viel an anderen Stellen ehrenamtlich, zum Beispiel mit dem Geschirr-Service „Tischlein deck dich“, so Tönnis aufgeregt.

Bestellungen sind über E-Mail (info@stoffundstoeffchen.de) und Telefon (05541-73550) während der Öffnungszeiten möglich - das Geschäft selbst bleibt für Kunden geschlossen. Kontaktloses Bezahlen (nur Bargeld) ist über eine Kunststoffbox am Hintereingang des Geschäftes (Anfahrt über die Straße „Am Plan“, auf Hinweisschilder achten) möglich. Auch Materialien, um zum Beispiel die Mund-Nasen-Maske zuhause nachzunähen, können auf diese Weise gekauft werden.

Rubriklistenbild: © Simon

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