Mein Gott, Walter!

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Hann. Münden. Seit 17 Jahren tüftelt der Modellbauer Manfred Walter an seinem Modell der Weserumschlagstelle.

Hann. Münden. Die Weserumschlagstelle, erbaut im Jahre 1906, erlebt dank der Verschiffung riesiger Bauteile der Firmen Alstom (Kassel) und Richter (Hessisch Lichtenau) in diesen Wochen eine kleine Renaissance. Auch wenn man die Verladung tonnenschwerer Bauteile, darunter Pipelinepressen und dergleichen, die unter anderem für Mittelamerika bestimmt sind, an einer Hand abzählen kann, so ist die Weser als Transportweg immer noch eine wichtige Option. Denn über Bundesstraßen und Autobahnen lassen sich die Kolosse aus dem Binnenland zum nächstgelegenen Seehafen schwerlich transportieren.

Manfred Walter ist bei den Verladungen in Hann.Münden öfter anzutreffen. Mit Videokamera bewaffnet schaut er sich immer genau an, was hier passiert. Es saugt Informationen auf wie ein Schwamm, um sein Projekt zuhause voran zu treiben, denn der 57-Jährige baut die Weserumschlagstelle anno 1930 nach, im Maßstab 1:87.

"1997 habe ich mir während einer Ausstellung im Welfenschloss ein historisches Bild von der Umschlagstelle gekauft. Damit fing alles an. Seitdem sammel ich Fotos und Aufzeichnungen, die mir dabei helfen alles so aufzubauen, wie es früher einmal war", erzählt der passionierte Modelleisenbahner. Walter baute in sechs Jahren ein 3,40 Meter langes und 0,75 Meter langes Modell. Eine Erweiterung auf 5,50 Metern Länge folgte 2003, nachdem er alte Pläne seitens der Stadt erhielt.

Heute ist das Modell immer noch nicht fertig. Das liegt auch daran, was Walter sein Projekt ständig erweitert. Bald soll unter anderem der Raddampfer "Kaiser Wilhelm" (schippert heute in Lauenburg über die Elbe) in See stechen. Die winzigen Schaufeln aus Metall wurden einzeln gelötet – eine unglaubliche filigrane Arbeit. Überhaupt besticht die Weserumschlagstelle im Kleinformat durch viele Details. Vieles ist funktionsfähig und wird digital über Motoren angesteuert. Zwischen vor Anker liegenden Schiffen und Waggonschlangen riecht es nach "Maloche": Rolltore öffnen und Arbeiter bewegen sich, mähen den Rasen oder schwingen die Schaufel. Materialien werden verladen, Güterzüge rollen über das Gleisnetz an, ein Kran wuchtet Waren herum. Neben einer Pflasterstraße sind die Eingänge zu den Eiskellern zu sehen. In der Eberlein-Villa, die später der Weserbrücke weichen musste, ahlen sich Figuren auf Sonnenstühlen.

Wie schnell das Stillleben lebendig wird, wenn es Menschen sehen, erklärt Walter so: "Auf Ausstellungen mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und vor allem mit Zeitzeugen zu sprechen ist immer sehr spannend und aufschlussreich. Viele aus der älteren Generation erinnern sich zurück und lassen die Jüngeren an ihrem Wissen teilhaben. Ein unschätzbarer Wert", so Walter.

Wieviel seiner Freizeit er in sein Baby gesteckt hat, weiß der Bastler nicht. Er habe schon lange aufgehört zu zählen. "Für ein wenige Quadratzentimeter großes Dach, dass ich Stück für Stück mit hunderten kleiner Ziegeln eindeckte, benötigte ich etwa 45 Stunden", so der Betriebselektriker der Firma Pufas. Daran erkennt man, wie viel Liebe und Arbeit in seinem demontierbaren Modell steckt.

Und was sagt die Ehefrau dazu, dass der 57-Jährige so viel Zeit mit Schneiden, Kleben und Recherchieren verbringt? "Sie hat mit Stricken und Häkeln ja auch ihre Hobbys", zuckt Walter mit den Achseln und lächelt.

Zu sehen ist es wieder Anfang November wärend der Modellbauaustellung in der Weserberglandhalle.

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