Mündener Ausflugsschiff startet mit Hindernissen

Wo Werra sich und Fulda küssen: Nach der Schiffstaufe brach die MS Weserstein mit geladenen Gästen zur ersten Fahrt auf.
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Wo Werra sich und Fulda küssen: Nach der Schiffstaufe brach die MS Weserstein mit geladenen Gästen zur ersten Fahrt auf.

Gute Resonanz auf das neue Angebot am Weserstein trotz Corona-Pandemie und beschädigtem Antrieb - wir sprachen mit Tina Herwig, Geschäftsführerin der Weserstein Touristik GmbH.

Hann. Münden. Am vergangenen Wochenende wurde das neue Ausflugsschiff „MS Weserstein“ getauft und damit in seinem neuen Heimathafen begrüßt. Ab sofort wird es Fulda und Weser bereisen. Wir sprachen mit Tina Herwig, die das neue Freizeit-Angebot für Einheimische und Touristen am Mündener Tanzwerder betreibt und Geschäftsführerin der verantwortlichen Weserstein Touristik GmbH ist.

EXTRA TIP (ET): Frau Herwig, Sie und Ihr Mann haben die Schifffahrt in Hann. Münden gerettet. Wie sah Ihre Motivation aus, nach dem Aus der Rehbeinlinie ein neues Ausflugsschiff nach Hann. Münden zu holen? 

Tina Herwig: Die Motivation ist im Grunde einer gewissen Gruppendynamik zu verdanken. Es haben sich im Laufe der letzten Monate einige engagierte Mündener darum bemüht, die Schifffahrt zu retten, weil es eigentlich unvorstellbar schien, das eine Stadt mit drei Flüssen keine Schifffahrt mehr anbieten kann. Letztendlich hat sich dann eine Gruppe von Enthusiasten zusammen gefunden, die dann das Schiff gekauft und eine Eigentümer- und eine Betreibergesellschaft gegründet haben mit dem Ziel die Schifffahrt zu retten und Freizeitangebote am und um den Weserstein zu schaffen.

ET: Wie gestaltete sich die Suche nach einem passenden Wasserfahrzeug? Was musste dabei beachtet werden? 

Herwig: Das Schiff war relativ schnell gefunden. Die Flotte Weser in Hameln hatte das Schiff zum Kauf angeboten. Die Voraussetzungen waren vor Allem ein geringer Tiefgang und eine ausreichende Kapazität für das geplante Konzept. Wir hätten am liebsten die Europa von unseren Vorgängern, der Familie Rehbein, gekauft, aber leider haben sich für dieses Schiff nicht genug Investoren gefunden. Ganz wichtig war dabei allerdings auch die finanzielle Unterstützung durch die Sparkasse, die Versorgungsbetriebe und die Einbecker Brauerei ohne die die Umsetzung dieses Projektes kaum möglich gewesen wäre. Vor allem die Corona-Krise hat das ganze Projekt noch mal gefährdet, aber die Unterstützung von Seiten der Stadt und den Sponsoren hat uns letztendlich dann doch dazu motiviert, es durchzuziehen.

ET: Eigentlich sollten Sie schon zu Ostern in See stechen, doch die Corona-Pandemie machte Ihnen einen Strich durch die Rechnung. Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um derzeit die Sicherheit der Passagiere auf der MS Weserstein zu gewährleisten? 

Herwig: Für uns gelten die gleichen Richtlinien wie in der Gastronomie und diese werden natürlich strikt eingehalten. Die Gäste müssen beim Betreten des Schiffes einen Mundschutz tragen. Die Abstände zwischen den Tischen sind entsprechend der Vorgaben und es wird regelmäßig desinfiziert. Wir befördern zur Zeit nur 50 Fahrgäste, damit jeder Gast einen Platz auf den beiden Außendecks bekommen kann.

ET: Welche Ziele laufen Sie an und welche Vorzüge der Region konnten Sie auf den ersten Fahrten entdecken? 

Herwig: Wir werden die Fulda bis nach Spiekershausen und die Weser bis nach Reinhardshagen befahren. Die Vorzüge unserer Region sind ganz klar die einmalig schöne Flusslandschaft des Weserberglandes. Diese lädt ganz einfach zum entspannten Fahren auf den Flüssen ein.

ET: Das Interesse bei der Schiffstaufe war groß. Leider gab es kurz danach ein Problem mit dem Schiffsantrieb. Was war da los? 

Herwig: Die Schraube unseres Antriebes hat offensichtlich einen Gegenstand, der sich im Fahrwasser befand, eingesogen und diesen leicht beschädigt. Wir mussten das Schiff zunächst am Flussufer sichern, haben das Schiff dann über Nacht auf der Weser wieder flott gemacht und sind dann aus eigener Kraft am nächsten Tag wieder nach Münden zum Weserstein gefahren.

ET: Können Sie das Schiff bis zur Reparatur für gastronomische Zwecke dennoch öffnen? 

Herwig: Wir öffnen das Schiff seit Pfingstmontag bei gutem Wetter als Biergarten. Das wird auch sehr gut angenommen. Das Schiff wird heute repariert und wir können voraussichtlich am Wochenende wieder starten, sofern das die Wasserstände zulassen. Leider können wir zur Zeit nicht in die Fulda ausweichen, da die Schleuse in Hann. Münden noch außer Betrieb ist.

ET: Welche Resonanz haben Sie in den vergangenen Tagen von Mündenern und Touristen bekommen? 

Kommt die MS Weserstein gut an? Herwig: Die Resonanz ist großartig. Alle bisher angebotenen, aber dann leider ausgefallenen Fahrten waren ausgebucht. Die Nachfrage ist sehr groß und wir bekommen von allen Seiten ausschließlich positive Rückmeldungen, sowohl von den Touristen als auch von den Mündener Bürgern. Wir haben das Schiff wochenlang sehr aufwendig restauriert, zeitlos dekoriert und aufwendig gestaltet, sowie technisch auf einen neuen Stand gebracht. Das Konzept, das Schiff auch als Eventlocation und Biergarten zu nutzen kommt sehr gut an. Der Weserstein ist hoch frequentiert und das Schiff ein belebender Faktor.

Über das Schiff

Das ursprünglich „Dornröschen“ heißende Schiff war zuletzt im Raum Hameln unterwegs und wurde, passend zum Heimathafen, auf den Namen „MS Weserstein“ umgetauft. Gebaut wurde es 1969 in den Niederlanden. Es ist 4,82 Meter breit, 26,69 Meter lang und hat einen Tiefgang von 79 Zentimetern. Die zulässige Fahrgastzahl liegt bei 150 Personen. Das Schiff voran treibt eine Hauptmaschine der Marke Mercedes-Benz mit 107 KW. Gäste können sich entweder auf dem überdachten Oberdeck (20 Plätze), dem Sonnendeck (30 Plätze) oder dem Salon (50 Plätze) aufhalten. Die Versorgung erfolgt über eine voll ausgestattete Küche. Neben den Rundfahrten sollen in Zukunft auch Charterfahrten, Hochzeiten, Familienfeiern und Events angeboten werden.

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