Mündener Gilde will heimischen Einzelhandel weiter stärken

Thomas Probek (li.) und Andreas Sadowsky vom Vorstandsteam der Mündener Gilde vor dem einem der acht Plakate, die  Ende Juni zehn Tage lang im Stadtgebiet zu sehen waren.
+
Thomas Probek (li.) und Andreas Sadowsky vom Vorstandsteam der Mündener Gilde vor dem einem der acht Plakate, die  Ende Juni zehn Tage lang im Stadtgebiet zu sehen waren.

Eisenbarth als Antreiber: Interessengemeinschaft nutzt Wanderarzt als Werbefigur, die polarisiert – morgen verkaufsoffener Sonntag

Hann. Münden. Zehn Tage lange blickte ein Doktor Eisenbarth von insgesamt acht Plakatwänden im Mündener Stadtgebiet. Der im Comic-Stil zu sehende Wanderarzt deutete mit dem Zeigefinger auf den Betrachter und forderte unter der Überschrift „Du kaufst hier ein“ und den Schlagworten „Lokal kaufen, Region stärken“ mehr Solidarität für die Einzelhändler der Dreiflüssestadt.

Die Mündener Gilde hatte Ende Mai die Idee eines Vorstandsmitglieds aufgegriffen und einer lokalen Werbeagentur auf den Weg gebracht: „Wir haben das Plakat noch dem Vorbild eines Werbeschilds entworfen, dass in einer Einkaufspassage von Nordhausen für den dort ansässigen Einzelhandel wirbt. Der Vorstand stimmte über die Idee ab und wir stellten den Kontakt zu einer Kölner Firma her, die die Plakatwände in Hann. Münden vermarktet. Hier buchten wir zehn Tage lang die Flächen auf mehreren Wänden“, erklärt Andreas Sadowsky vom Vorstandsteam der Gilde. Gerade in den schwierigen Corona-Zeiten habe dies die Mündener auf die prekäre Lage der Innenstadt-Händler aufmerksam machen sollen.

Doch die im Imperativ verfasste Aufforderung kam nicht überall gut an: „Auf Facebook haben viele User das Plakat kritisiert und geschrieben, dass Eisenbarth hässlich aussehe. Manche fanden es bedrohlich und fordernd. Es wurde sogar mit einem bekannten Rekrutierungsplakat der USA verglichen, dass den amerikanischen Staat als Karikatur zeigt, der um Soldaten wirbt. Dort deutet „Uncle Sam“ ebenfalls mit dem Zeigefinger auf den Betrachter, um ihn direkt anzusprechen – allerdings mit sehr ernster Miene.“

Sadowsky bedaure, dass bei manchen die Botschaft offenbar missverstanden worden sei. Er und der Gilde-Vorstand könne die Aufregung allerdings nicht verstehen: Ihr Doktor Eisenbarth sei freundlich gezeichnet und man habe keine Verbindung zu einem amerikanischen Werbeplakat mit kriegstreiberischen Hintergrund schaffen wollen. Es sei schade, dass es zu solchen Vergleichen gekommen sei, zumal das Motiv auch in den Geschäften der Gilde-Mitgliedsbetriebe zu sehen war, auf DIN A3 und A4 großen Hinweisschildern: „Wir finden die Umsetzung nach wie vor gelungen und sehen es als Bezug zur Dreiflüssestadt. Wir wollten die Mündener Figur mit einbeziehen und keins unserer Mitglieder auf dem Plakat sehen. Wie dem auch sei, so oder so haben wir eine Menge Aufmerksamkeit erzeugt. Es ging uns darum, die Menschen zu erreichen, sie anzusprechen und wachzurütteln. Wir denken, das wir das zu einem Großteil auch erreicht haben“, so Sadowsky weiter.

Geschäftsöffnungen an jedem ersten Sonntag im Monat

Die Kampagne sei auch nur ein weiterer Schritt hin zur nächsten Aktion der Gilde gewesen: „Durch die Pandemie mussten unseres Events Frühlingsmarkt und Hann. Münden Live leider ausfallen. Da sie mit dem einem verkaufsoffenen Sonntag verknüpft sind und wir sie nachholen dürfen, planen wir von Juli bis Oktober jeden ersten Sonntag im Monat von jeweils 14 bis 17 Uhr Mündener Geschäfte zu öffnen. Den Anfang machen wir am 5. Juli. Bis jetzt haben 30 Gewerbetreibende ihre Teilnahme zugesagt, worüber wir uns sehr freuen“, teilt Sadowsky mit. Die Möglichkeit an Sonntagen die Geschäfte zu öffnen sei ein Alleinstellungsmerkmal, so Sadowsky, dass man noch mehr zum Vorteil aller nutzen wolle. Den Vorschlag von Bundeswirtschaftsminister Altmeier, nämlich an Werktagen für längere Öffnungszeiten zu sorgen, halte Sadowsky für ungeeignet. Man wolle den Kunden lieber einen weiteren Einkaufstag anbieten. „Matthias Biroth von der Hann. Münden Marketing GmbH begrüßt das Angebot: „Für unsere Stadt und unsere Gäste ist das eine tolle Möglichkeit, besonders, da es in der Umgebung nur wenige Städte gibt, die gerade an Sonntagen geöffnet haben.“

Während der Sonntagsöffnungen werde laut Gilde-Vorstand weiterhin auf die bekannten Corona-Hygienemaßnahmen rund um Mindestabstand und Mundschutz geachtet. Wer also seine Maske dabei habe, könne in aller Ruhe das Shopping-Erlebnis in Hann. Münden genießen.

Sieben Gründe für den Vor-Ort-Einkauf

Die Mündener Gilde begründet mit folgenden sieben guten Gründen warum ein Einkauf in der Fachwerkstadt Sinn macht: - Es bedeutet einkaufen bei Nachbarn und Freunden - Es unterstützt Veranstaltungen, Vereine und Initiativen - Es sichert Arbeit und Ausbildung - Es erhält das historische Erbe - Es erhält die Lebensqualität der Stadt - Es reduziert die Umweltbelastung - Es stärkt die Investitionskraft der Kommune

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Feuer an der Freilichtbühne

Steilhang brannte auf einer Fläche von 50 Quadratmetern
Feuer an der Freilichtbühne

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.