Das Mündener Hospiz steht trotz Corona-Krise weiterhin offen

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Hinter den Türen des Mündener Hospiz bleibt die Zeit nicht stehen - schon gar nicht wegen der Corona-Krise.

Mitarbeiterin Jutta Nickel: „Der Abschied für immer soll möglich bleiben“

Hann. Münden. Wegen der Corona-Krise lassen viele Unternehmen vom Homeoffice aus arbeiten oder melden Kurzarbeit an. Doch wie steht es um Einrichtungen, die aufgrund ihrer Aufgaben gar nicht schließen können, so wie das Mündener Hospiz? Wir sprachen mit Jutta Nickel, die für die Einrichtung nahe dem Mündener Klinikum die Spendenakquise betreibt.

EXTRA TIP (ET): Während andere Unternehmen und Einrichtungen aus Sicherheitsgründen ihre Türen schließen, macht das Hospiz es nicht. Warum? 

Nickel: Wir wollen die Möglichkeit zur Verabschiedung eines nahen Familienmitglieds weiterhin sicherstellen. Oft ist es ja ein längerer Prozess, eine Begleitung. Niemand kennt den Tag des Abschieds. Wir halten aber auch aus einem anderen Grund unser Haus offen: Wir wollen, dass Menschen, die jetzt noch zuhause versorgt werden und deren Angehörigen bereits körperlich schon am Limit sind, nicht denken, dass sie ihre Lieben nicht wiedersehen, wenn sie sich bei uns anmelden. Das geht einfach nicht.

ET: Ist gegenwärtig die Atmosphäre im Hospiz die gleiche wie vor der Corona-Krise? 

Nickel: Tatsächlich ist die Atmosphäre etwas ruhiger als vorher, da wir versuchen pro Gast und Tag zwei Besuche umzusetzen. Wir bitten unsere Gäste und deren Angehörige nach Möglichkeit in ihrem Zimmer zu bleiben. Das Ehrenamt von außen fehlt natürlich komplett. Es gibt keine Musikvorträge im Moment und auch eine Klangschalentherapie ist zur Zeit nicht möglich.

ET: Welche Sicherheitsmaßnahmen für Bewohner und Mitarbeiter wurden ergriffen? 

Nickel: Es gab eine deutliche Erhöhung der Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen. In jeder der drei Schichten werden verstärkt Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt. Die Pflege ist mit Notfall- und Hygienepläne immer auf dem neusten Stand, da sowohl multiresistente Keime als auch andere Infektionen, zum Beispiel Norovirus, täglich ein Thema sein können. Bei uns gilt Abstand halten und Händedesinfektion – wie überall im Alltag. Wir wandeln auf einem schmalen Grad, dass ist unserer besonderen Situation hier im Hospiz geschuldet. Wir wissen wie schwierig sie ist. Die Mitarbeiter gehen aber professionell und ruhig mit der momentanen Lage um.

Jutta Nickel vom Mündener Hospiz.

ET: Das Mündener Hospiz ist im Jahr auf eine sechsstellige Spendensumme angewiesen. Betreiben Sie aktuell Spendenakquise? 

Nickel: Natürlich mache ich mir große Sorgen, dass die Spenden vollends wegbrechen. Darum bitten werde ich im Moment aber niemanden. Das passt für mich nicht in die derzeitige Situation. Die Akzeptanz und die Unterstützung der Mündener in den letzten Jahren möchte ich mir einfach bewahren. Wer uns trotz allem unterstützen möchte, der kann das natürlich sehr gerne tun. Wir freuen uns immer darüber.

ET: Dennoch telefonieren sie regelmäßig mit Unternehmen, um in Kontakt zu bleiben. Wie ist Ihr Eindruck? Wie gehen die Menschen mit der Situation um, was hilft gerade jetzt auf zwischenmenschlicher Ebene? 

Nickel: Meine Eindruck ist, dass sich viele große Sorgen um ihre Existenz machen. Gehälter müssen bezahlt werden oder Mieten sind fällig. Da hilft oft ein einfaches Zuhören. So, wie auch unsere Unterstützer mir zugehört haben. Solidarität und regionale Unterstützung sind heute wichtiger denn je. Mein Opa, er war Besitzer eines kleinen Edeka-Ladens, hat immer gesagt: „Ein guter alter Brauch, da wo man wohnt, da kauft man auch!“. Den Spruch fand ich immer klasse. Und es steckt viel Sinn dahinter.

ET: Am 24. und 25. Juli sollte auf dem "Doktorwerder" ja wieder das BEATS FOR HOSPIZ stattfinden. Rechnen Sie derzeit noch mit einer Durchführung? 

Nickel: Die Hoffnung haben wir noch nicht aufgegeben, ja, weil die vergangene Veranstaltung von einem großen Erfolg geprägt war. Viele Menschen freuen sich sicher darauf, wieder in Gesundheit und Freude beisammen zu sein. Und ich sehe da eine kleine Chance: Der Virus mag ja keine Wärme - wir dagegen vom Orga-Team um Britta Barth vom TschaTscha sehr wohl. Auch wenn das Herzenswärme ist.

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