Archiv, Bücherei und Museum der Stadt zogen Bilanz

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Archiv, Bücherei und Museum legten in der vergangenen Woche ihre Bilanzen vor.

Städtische Einrichtungen präsentierten dem Gesellschaftsausschuss Besucherzahlen und Aufgaben

Hann. Münden. In der vergangenen Woche stellten die kulturellen Einrichtungen Museum, Archiv und Bücherei ihre Jahresbilanzen im Mündener Gesellschaftsausschuss vor. Mit negativen Nachrichten begann Stadtarchivar Stefan Schäfer seinen Vortrag. Der Schimmel in Teilen des Erdgeschosses und Kellers des Verwaltungsgebäudes Böttcherstraße, habe Papiere bereits angegriffen und sei zu einem Gesundheits- und Kostenrisiko geworden. 300 bis 400 Regalmeter seien bereits von Schimmel befallen oder bald davon betroffen. Etwa 10 Prozent seiner Arbeitszeit würde Schäfer damit verbringen, Unterlagen von Ruß oder Schimmel zu befreien. Die Aufnahmekapazität sei zudem erschöpft. Positiv bewertete der Archivar die Besucherzahlen, die von 259 in 2015 auf 284 in 2016 angestiegen seien. Dank finanzieller Unterstützung Mündener Geschichtsvereine und einem Lohnkostenzuschuss der Stadt, konnte eine Zweidrittel-Stelle geschaffen werden, die sich der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit widmet. Außerdem konnten wissenschaftliche und universitäre Arbeiten unterstützt werden, darunter der Bild- und Textband von Dr. Falko Bornschein „Der Holzbildhauer Johann Gröber – Ein mitteldeutscher Meister der Barockzeit“ und das Buch „Königshof Münden“ von Martin Czichelski. Weiterhin konnten herausragende mittelalterliche Pergamentschriften neu bewertet werden. „Das Stadtarchiv ist die Seele und der Spiegel der Geschichte. Umso bedauerlicher erscheint der sorglose Umgang mit den Zeugnissen der jüngeren Vergangenheit“, so Schäfer, der weiterhin um Unterstützung von Seiten der Stadtpolitik warb. Der Stadtarchivar bedankte sich bei den ehrenamtlichen Helfern, die die Archivarbeit unterstützen.

35.000 Medieneinheiten in Bücherei zur Auswahl

Für die Stadtbücherei ergriff Sylvia Goll das Wort. 9.597 Besucher habe man im vergangenen Jahr an 172 Öffnungstagen gezählt – 56 mehr als in 2015. Die Zahl der aktiven Leser (mindestens eine Ausleihe pro Jahr) habe 1.312 betragen, wovon 143 in der Hemelner Ortsbücherei gezählt worden seien. 35.500 Medieneinheiten (Bücher, eBook-Formate etc.) standen in der Stadtbücherei zur Verfügung, 2.037 wurden neue aufgenommen, davon wurden etwa 396 gespendet. Insgesamt ausgeliehen wurden 33.023 Medieneinheiten und damit knapp 800 mehr als in 2015. Die Stadtbücherei habe das kulturelle Leben in der Stadt mit 51 Veranstaltungen mitgestaltet, so etwa durch den Julius-Club, Klassenführungen, Bilderbuchkinos und Veranstaltungen für Kindergärten. Gerade der Julius-Club – hier wird dem Nachwuchs die Freude am Lesen vermittelt – habe wachsenden Zuspruch erfahren: 84 Anmeldungen und 78 Diplome seien gezählt worden. Die „Onleihe“, das Ausleihen über das Internet, sei im ersten Jahr ihres Bestehens mit 2.608 ausgeliehenen Medien gut angenommen worden. Um noch skeptische Nutzer zu überzeugen, seien zwei E-Reader zu Testzwecken angeschafft worden. Die Zahl der Besuche sei mit 35 im Schnitt während der dreistündigen Öffnungszeiten an Samstagen leicht erhöht, so Goll. Die Mitarbeiter würden durch ehrenamtliche Zusatzarbeit unterstützt.

Vier Ausstellungen im Museum geplant

Einbußen bei den Besucherzahlen hatte das Museum zu verzeichnen. Die Zahl sank von 3.179 auf 2.454. Leiterin Martina Krug wies den Ausschuss darauf hin, dass die Einrichtung im Dezember krankheitsbedingt schließen musste. 829 Besucher schauten sich die Kunstausstellung „Hi Heel Schuhwerk(e)“ in April und Mai an. Zum Internationalen Museumstag am 22. Mai kamen unter dem Motto „Schubidubidu“ 289 Besucher. Weitere Angebote waren Sonderführungen im Rahmen der Händelfestspiele, die Teilnahme am Mündener Kindertag, eine Schrift-Aktion für Julius-Mitglieder, die Beteiligung am Zukunftstag und die alljährliche Sommerferienaktion des Museumsverbundes Südniedersachsen. Zu weiteren Aufgaben des Museums gehörte die Umlagerung von Gustav Eberlein-Skulpturen in ein neues Magazin, die Umgestaltung des Gustav-Eberlein-Raumes, die Inventarisierung von 53 Objekten aus dem Altbestand sowie die Öffentlichkeitsarbeit zu Ausstellungsangeboten. Auch das Museum müsse auf ehrenamtliche Unterstützung zurückgreifen, so Krug. Derzeit laufen die Planungen für 2017: Ende März wird eine Dauerausstellung über Gustav Eberlein eröffnet. Es folgen die Sonderausstellung „Kopfsache – Hüte und andere Kopfbedeckungen“ von April bis Juli, der Internationale Museumstag am 21. Mai (Motto: „Hut ab“) und die Sonderausstellung „Neu gesehen“ von Juli bis Oktober, die sich mit Gustav Eberlein als Bildhauer, Maler & Poet befasst. Den Abschluss des Jahres bildet die Sonderausstellung „Langes Fädchen, faules Mädchen“ von Oktober bis Dezember. Sie dreht sich um Textilarbeit im Wandel der Zeit.

Stimmen aus der Gesellschaftsausschuss-Sitzung

Auf Anfrage der Ausschuss-Vorsitzenden, Gudrun Surup (SPD), nach einer möglichen Digitalisierung von Archiv-Unterlagen und der Möglichkeit nach Platzeinsparungen, äußerte sich Stefan Schäfer, dass dieser Schritt erheblichen Speicherplatz und Zeitaufwand erfordere und zudem sehr kostspielig sei. Die Daten müssten in einem Rechenzentrum gesichert werden, damit sie bei einem Systemausfall nicht unwiderruflich verloren gehen würden. Allein ein Terabyte Speicherplatz würden jährliche Kosten von 2.000 Euro verursachen. Markus Jerrentrup (CDU) erkundigte sich nach der räumlichen Ausstattung der Stadtbücherei. Bibliothek-Assistentin Sylvia Goll klagte über einen kaputten Teppich, er stamme aus dem Jahr 1983. Immerhin habe man Sofas kaufen können, die gemütliche Rückzugsmöglichkeiten bieten würden. Jürgen Wiemer, Leiter Bereich Gesellschaft und Soziales, wies den Ausschuss darauf hin, dass man sich aufgrund der Haushaltslage in Sachen Investitionen zurückgehalten hätte. Kirsten Klein (Die Linke) hielt es für „fatal immer weiter einzusparen und nicht mehr zu investieren“. Man könne auf der einen Seite nicht immer mehr fordern und auf der anderen Seite nur noch kürzen. Es sei traurig, wenn es schon bei einem Teppich hapern würde. Christina Stolzenhain (SPD) regte an, mehr Veranstaltungen in der Bücherei zu organisieren. Laut Goll sei das mit dem momentanen Etat und der Personaldecke nicht möglich. Bei 9.597 Besuchern und 390.000 Euro Kosten pro Jahr, hielt Jerrentrup fest, habe die Stadt pro Besucher Kosten in Höhe von 40 Euro. Deshalb sei es legitim darüber nachzudenken, ob sich die Stadt eine solche Einrichtung überhaupt leisten könne. Goll merkte an, dass man dieses Verhältnis umkehren könne, wenn man bereit wäre mehr zu investieren. Eine von Stolzenhain vorgeschlagene Verlagerung der Bücherei in das Geschwister-Scholl-Haus, um Kosten zu sparen, würde laut Rechtsdirektor Volker Ludwig am Platz scheitern. Um eine detailreiche Aufschlüsselung der Zuschussbedarfe, der einzelnen Einrichtungen, bat der Ausschuss. Die Stadtverwaltung solle sie zur nächsten Sitzung des Gesellschaftsausschusses vorlegen.

+++Zwischenruf+++Von Mathias Simon+++

Museum (Zuschussbedarf: 464.700 Euro), Bücherei (390.000 Euro) und Archiv (135.000 Euro) werden nicht umsonst gebeten ihre Arbeit im Gesellschaftsausschuss vorzustellen. Sie stehen – wie weitere Posten im Haushalt auch – auf dem Prüfstand. Der Stadtrat muss weitere Einsparungen vornehmen und muss dafür seine Ausgaben, zu denen auch die freiwilligen Leistungen gehören, zurückfahren. Deshalb müssen sich die Ratsfrauen und -herren einen Überblick über mögliche Einsparpotenziale verschaffen. Einige haben ihr verantwortungsvolles Amt erst vor einigen Monaten übernommen und sind Laien. Die Verwaltung muss ihnen erklären wieviel Geld für welche Zwecke im Haushalt bereitgestellt wurde. Umso transparenter das Ganze geschieht, umso schneller und auch für alle Bürger verständlicher kann der Stadtrat an der Sparschraube drehen. Er kann darlegen, warum er zu solchen Schritten gezwungen ist und was er sich davon verspricht. Mit gefährlichem Halbwissen wird ihm das nicht gelingen und er macht sich angreifbar. Kein Wunder, dass die neuen Mitglieder des Rates möglichst genau wissen möchten, wohin jeder einzelne Euro fließt. Sie müssen am Ende vielleicht darüber entscheiden, ob Öffnungszeiten einer oder mehrerer städtischen Einrichtungen zurückgefahren oder sie mittelfristig gar geschlossen werden müssen. Spielraum bei den Etats gibt es jedenfalls nicht mehr – laut den Mitarbeitern arbeite man bereits am absoluten Limit und werde dabei sogar von ehrenamtlichen Helfern unterstützt.

Fest steht: Die Stadt darf nicht kaputt gespart werden und dadurch an Attraktivität einbüßen. Heute eine Einrichtung bei schlechter Finanzlage dicht zu machen und übermorgen bei einer mutmaßlich besseren wieder zu öffnen wäre die schlechteste Variante – sie müsste danach wieder bei Null anfangen.

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