Nach siebenjähriger Abstinenz: Endlich wieder Störche in Reinhardshagen

Hermann-Josef Rapp (li.) und Adolf Stuparek (re.) auf der Terrasse „Storchenblick“. Im Hintergrund befindet sich der Schornstein, auf dem der Horst platziert ist.

Sieben lange Jahre hat es gedauert, bis sich wieder Störche in Reinhardshagen niedergelassen haben. Im Horst auf einem etwa 30 Meter hohen Schornstein an der B80 in Vaake wurden sie Anfang April nach langer Pause gesichtet.

Reinhardshagen. Hermann-Josef Rapp und Adolf Stuparek sitzen auf der Terrasse „Storchenblick“ und erinnern sich zurück an das Jahr 1998 und die nachfolgenden Jahre, in denen das Thema Storch allgegenwärtig im Ort war. Rapp und Stuparek beobachten das Geschehen von Beginn an und berichten voller Freude von diesem Ereignis.

„Als im Mai 1998 ein Storchenpaar einen Horst dort errichtete, machte diese wunderbare Meldung schnell die Runde im Ort. Viele Menschen machten Fotos, Kindergartengruppen kamen vorbei, es bildeten sich zeitweise sogar Staus auf der B80“, erinnert sich Rapp. Die Neuankömmlinge mussten jedoch, mit Unterstützung eifriger Helfer, einige Hindernisse überwinden. „Da nur wenig Platz zur Verfügung stand, fielen die Äste während des Nestbaus unweigerlich in die Tiefe, sodass wir nachhelfen mussten“, so Stuparek.

Er selbst fertigte eine maßgeschneiderte Unterlage aus Baustahlgewebe an, die in luftiger Höhe montiert und glücklicherweise sofort von den Störchen angenommen wurde, die den Nestbau fortsetzten und heimisch wurden. „Die Begeisterung im Ort und die überregionale Resonanz war überwältigend“, sagt Rapp. Aus einer Chronik geht hervor, dass an der Oberweser in 100 Jahren zuvor kein Storch mehr gebrütet hat, was die Besonderheit des Ereignisses unterstreicht. Nachfolgend wurde der Nestunterbau nochmals optimiert und im nächsten Frühjahr war die Spannung groß, ob denn die Störche erneut kommen würden. Die Bewohner wurden nicht enttäuscht. In den nächsten Jahren avancierte Reinhardshagen schließlich zum richtigen „Storchendorf“. Die Ankunft wurde stets freudig erwartet und per Telefonkette weitergetragen, sobald der erste Storch gesichtet wurde. Zwar fand nicht in jedem Jahr eine Brut statt oder es war, wie 2005, nur ein einzelner Storch ansässig, trotzdem blieben Interesse und Freude bestehen.

Gefährliche Nähe zur Bundesstraße

Durch intensives Beobachten konnte anhand der Verhaltensmuster festgestellt werden, dass es sich in den meisten Fällen um Störche aus dem Vorjahr handelte, die wieder in Vaake eine Heimat suchten. Ein tödlicher Verkehrsunfall eines Storches im Jahr 2009 führte jedoch zu einem Bruch. In den folgenden Jahren kam es zu keinen Paarungen mehr.

Nachdem der Storch mehrere Jahre gänzlich verschwunden oder nur kurzzeitig anwesend war, kehrte er in diesem Jahr zur Freude aller nun endlich zurück. „Die Lage ist optimal und entscheidend. Läge der Horst fernab im Feld, wäre das Interesse gewiss geringer. Das Thema beflügelt die Emotionen der Bewohner. Der beobachtungsfreundliche Standort zieht viele Menschen an“, sagt Rapp. Die Lage birgt aber auch Gefahren. Gerade die Nähe zur Bundesstraße ist extrem gefährlich, wie beispielsweise der Unfall 2009 zeigt. Aber auch freilaufende Hunde auf der Wiese in unmittelbarer Nähe stellen eine Gefahr dar und beeinträchtigen die Nahrungssuche der Störche. Nicht zuletzt ist eine „feindliche Übernahme“ des Nestes durch andere Vögel möglich. Es bleibt zu hoffen, dass die Störche auch in den kommenden Jahren in Vaake heimisch werden und eine Tradition, die im Jahr 1998 noch niemand erahnen konnte, erfolgreich fortsetzen.

Noch kann keine Auskunft gegeben werden, wie viele Jungvögel das Licht der Welt erblicken und ihre ersten Flugversuche im Weserbergland unternehmen werden. Ein langer „Storchensommer“ steht bevor, in dem alles genau beobachtet werden kann, bis sich die Vögel im August oder September wieder auf den Weg in den Süden machen.

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