Neue Auszeichnung geht an die „Stimme des Reinhardswaldes“

Hermann-Josef Rapp (3.v.li.) erhielt als erster Reinhardshäger die Graf-Reinhard-Medaille. (V.li.) Bürgermeister Fred Dettmar, Graf Reinhard alias Heinz Jatho, der Bischof von Paderborn alias Gerhard Lotze, Erhard Becker, Vorsitzender der Gemeindevertretung, und der 1. Beigeordnete Albert Kauffeld gratulierten.

Reinhardshagen verlieh "Graf-Reinhard-Medaille" während des Neujahrsempfangs an Hermann-Josef Rapp.

Reinhardshagen. Es war ein absolutes Novum: Am vergangenen Samstag verliehen Reinhardshagens Bürgermeister Fred Dettmar und der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Erhard Becker, zum ersten Mal die Graf-Reinhard-Medaille und das an keinen geringeren als Hermann-Josef Rapp, auch bekannt als die "Stimme des Reinhardswaldes".  Die nordhessische Gemeinde hatte die Auszeichnung für Menschen aus der Taufe gehoben, die sich im besonderen Maße um Reinhardshagen verdient gemacht haben. Vorgeschlagen wurde Rapp durch den 1. Vorsitzenden der Weserflößer Reinhardshagen e.V., Eckhard Meyer, der das Engagement des 72-jährigen Preisträgers näher skizzierte (siehe unten, "Infos zum Preisträger").

Die Ehrung war Teil des 20. Neujahrsempfangs in Reinhardshagen, zu dem etwa 180 Bürgerinnen und Bürger in die Wesertalhalle gekommen waren. Unter die Gäste mischten sich auch Landrat Uwe Schmidt, Nortrud Riemann, stellvertretende Bürgermeisterin von Hann. Münden und Hemelns Ortsbürgermeister Alfred Urhahn, die allesamt ihre besten Wünsche für die kommenden Monate überbrachten.

Dr. Markus Ziegeler, seit November Leiter des Forstamtes Reinhardshagen, stellte den Wirkungsbereich seiner 67 Mitarbeiter vor, die in 13 Revierförstereien 24.000 Hektar Waldfläche betreuen. Der Gastredner ging auf die veränderte Bewirtschaftung des Reinhardswaldes durch den Menschen im Laufe der Jahrhunderte ein und nannte Sturmtief Kyrill in 2007 als jüngstes einschneidendes Ereignis, das vor allem der flachwurzelnden Fichte zum Verhängnis wurde. Heute, zehn Jahre später, habe sich der Wald wieder erholt, junge Mischwälder seien entstanden, der Fichtenbestand habe sich stabilisiert. Heute bestehe der etwa 40 Hektar große Gemeindewald zur Hälfte aus Fichten, zu einem Drittel aus Buche und der restliche Teil aus anderen Baumarten, darunter die Eiche.

Bürgermeister Fred Dettmar nutzte die Gelegenheit, um aus seiner Sicht auf das vergangene Jahr zurückzublicken. Nach     Brexit, Flüchtlingskrise und IS-Terror war er auch auf lokaler Ebene angelangt. Sehe man von den Kommunalwahlen im Herbst ab, sei das Jahr aus politischer Sicht ruhig verlaufen. 100.000 Euro habe man im Zuge der Kanalsanierungsmaßnahmen in Wasserleitungen investiert. Gut angelaufen sei die Vermarkung des Baugebiets "Inselneudorfstraße", so dass man nun über eine Erschließung des zweiten Bauabschnitts nachdenken müsse. Das Baugebiet "Im alten Hagen" sei durch das Wohnprojekt 50+ aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Die Infrastruktur sei "prima", aber man müsse, wie zum Beispiel bei der Kläranlage – hier stehe man mit Hann. Münden zwecks Überleitung der Abwässer in Verhandlungen – am Ball bleiben, so der Bürgermeister.

Kritik übte Dettmar an den K+S-Plänen – Weserpipeline oder Salzsee hin oder her –, undurchsichtige Praktiken bei der Vergabe von Windkraftflächen im Reinhardswald und der Qualitätssenkung bei der Notfallversorgung Reinhardshagens. Die  Kommunalisierungsquote, also der Anteil der hessischen Kommunen an den unmittelbaren Ausgaben des Bundeslandes sei mit 51,7 Prozent viel zu hoch und belaste die Städte und Gemeinden hierzulande immens. Und das würde man, trotz des dritten ausgeglichenen Haushalts in Folge auch in Reinhardshagen zu spüren bekommen.Dennoch müsse man investieren, so in den Anbau der Feuerwache, in die rund 200.000 Euro fließen sollen. Weitere Ausgaben: 160.000 Euro für ein Multifunktionsgerät des Bauhofes, 100.000 Euro für die Wasserversorgung sowie 40.000 Euro für bauliche Veränderungen der Kindergärten. In Hinblick der Kindergartengebühren sei man  gezwungen, über eine Erhöhung zu sprechen – natürlich transparent.Allen ehrenamtlich Engagierten der beiden Ortsteile sprach Dettmar seinen Dank aus.  Dazu zählen auch die Personen, die vielfältige Veranstaltungen anlässlich des 1.150-jährigen Bestehens von Vaake mitorganisierten. Ohne sie würde viele offene Baustellen und eine Menge weniger Veranstaltungen im Jahr geben, die die Gemeinschaft fördern: "Ich bin stolz, Bürgermeister einer Gemeinde sein zu dürfen, deren Bürger sich dermaßen für das Gemeinwohl einsetzen."

Über den Preisträger

Hermann-Josef Rapp, Träger der Graf-Reinhard-Medaille, wurde 1944 in Wiedenbrück (Nordrhein-Westfalen) geboren und war nach seiner Ausbildung zum gehobenen Forstdienst in Hessen in der Landesforstverwaltung in verschiedenen Bereichen tätig. So in der Forst- und Versuchsanstalt als stellvertretender Leiter und später im Forstamt Reinhardshagen, wo er seit 1972 mit seiner Frau Christine lebt. Er hat sich durch sein besonderes Engagement in zahlreichen Ehrenämtern, die er teils schon mehr als 40 Jahre inne hat, besonders verdient gemacht.Rapp engagiert sich besonders für den Reinhardswald. In Vorträgen und als Moderator in der Regionalentwicklung, als Förderer des Ecomuseums Reinhardswald sowie als Beauftragter der Oberen Naturschutzbehörde ist er in verschiedenen Naturschutzorganisationen aktiv. Des Weiteren betätigte er sich als Autor zahlreicher Veröffentlichungen, wie "Reinhardswald - eine Kulturgeschichte". Der ehemalige Forstoberamtsrat brachte in mehr als 1.000 Führungen durch den Urwald die Schönheiten und besonderen Reize des ältesten Naturschutzgebietes Deutschlands den Besuchern nahe. Er wirkte beratend und als Interview-partner an mehreren Fernsehdokumentationen sowie Filmdrehs mit.

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