Neugier an der Wanfrieder Schlagd

+
Andreas Schmidt-Maas (erhöht) erläutert die Bauarbeiten.

Bürger wollten Sanierungspläne genau wissen

Hann. Münden. Bauzäune rund um die Wanfrieder Schlagd zeigen, dass die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten an der Schlagdmauer begonnen haben. Am Sonntag, dem „Tag des offenen Denkmals“, war das Interesse groß an der Neugestaltung der Freiflächen am Werraufer. Die Planung hat die „Planungsgemeinschaft Landschaft und Freiraum“ übernommen, die auch den Dielengraben umgestaltet hatte. Dipl.-Ing. Landschaftsarchitekt Andreas Schmidt-Maas erläuterte im Packhof die Zeichnungen dazu. Es wird eine Uferpromenade wie am Dielengraben entstehen mit Bänken und „kleinen bis mittelgroßen Bäumen“ und am Ende der Lohstraße ein Aussichtspunkt zum Nadelwehr. Vorhandene Treppenzugänge zum Fluss werden wieder aktiviert, um Fußgängern den Zugang zum Fluss zu ermöglichen. Die Beleuchtung ist wie am Dielengraben vorgesehen. Für Veranstaltungen und Gastronomie wird eine „unterirdische Stromversorgung“ eingebaut. Die Sanierung der Ufermauern übernimmt „HAZ, Beratende Ingenieure für das Bauwesen GmbH“. Dessen Geschäftsführer, Dr.-Ing. Ulrich Huster, und Schmidt-Maas führten durch die Baustelle und erläuterten die Baumaßnahmen im Einzelnen. Die Gesamtkosten für das Projekt betragen 2,4 Millionen Euro, aufgeteilt zwischen Bund, Land und Stadt Hann. Münden. Fertigstellung ist in einem Jahr.

Dankeschön an Denkmalpfleger Klapp

Heimatforscher Martin Czichelski (li.) und Bürgermeister Harald Wegener enthüllen die Informationstafel an der Löwenbrücke.

Thema des diesjährigen Denkmaltages war „Modern(e) Umbrüche in Kunst und Architektur“. Bürgermeister Harald Wegener eröffnete im Packhof die Veranstaltung und ehrte dabei eine „besondere Person“. Denkmalpfleger Burkhard Klapp habe von Anfang an bis heute, 30 Jahre lang, den Tag des offenen Denkmals begleitet und zu dessen Gestaltung beigetragen. Informationsmaterial gab es vom Heimat- und Geschichtsverein Sydekum, vom Fachwerk Fünfeck und vom Förderverein Mündener Altstadt. Stadtarchivar Stefan Schäfer sprach über Mündens Geschichte. Die Stadtführergilde bot themenbezogene Führungen an. Offen zur Besichtigung waren ebenfalls das Vereinsheim der Fischfreunde zu den drei Strömen in der Speckstraße und die Freimaurerloge an der Bremer Schlagd. In der Kulturfabrik in der Radbrunnenstraße zeigte Günter Schuster seine Arbeiten. „Artepuvera“, zu Deutsch „arme Kunst“, wird die Verbindung von Text und Material genannt. Ein alter Lederschurz mit ausgestanzten Buchstaben, umgestaltete Frühstücksbrettchen oder handgemachte Bücher sind einige seiner Werke. Dr. Birgit Nolte-Schuster plant Literaturlesungen in der „denkmalgeschützten ehemaligen Fabrik“. Es soll ein „Begegnungsort“ mit „interkulturellem Hintergrund“ werden. An der Löwenbrücke „schaut ein steinerner Löwe“ nach Hessen. Heimatforscher Martin Czichelski und Bürgermeister Harald Wegener enthüllten gemeinsam eine Informationstafel vom Heimat- und Geschichtsverein Sydekum und Lions Club. Die Löwenbrücke hieß früher Tanzwerderbrücke. Der erste Hinweis auf die Löwenbrücke stammt aus dem Jahr 1401. Der Löwe habe schon viel „mitgemacht“, so Czichelski. Er wurde ins Wasser gestoßen, die wahrscheinlich „erhobene Pfote“ ist abgebrochen. „Achtung, hier herrschen wir“ soll der Löwe Ankommende gewarnt haben.

Zur Umgestaltung der Wanfrieder Schlagd

Wie Dr. Ulrich Huster und Dipl.-Ing. Andreas Schmidt-Maas erläuterten, konnten die Planungsarbeiten zur Wanfrieder Schlagd erst jetzt beginnen, weil zunächst geklärt werden musste, wem die denkmalgeschützte Deichmauer gehört und wer für die Kosten der Sanierung aufkommen muss – Stadt, Land oder Bund?

Mittlerweile habe man sich geeinigt. dass jeweils ein Drittel der Kosten von der Stadt, dem Land und dem Bund getragen werden. Die 200-Jahre alten Schlagdmauern stehen unter Denkmalschutz und bleiben erhalten. Sie sind oben dünn, werden nach unten immer dicker und stehen auf alten Eichenbalken, die „versintert“, also „versteinert“ sind. Dahinter, bis drei Meter Tiefe, setzt man circa 1 bis 1,50 Meter breite „Gabionen“. Das sind mit Steinen gefüllte „Stahlkäfige“, die den Druck des Erdreiches von der denkmalgeschützten Mauer fernhalten. Bäume und Sträucher, die aus dem Mauerwerk wuchern werden entfernt. Die entstandenen „Löcher“, „injiziert“ mit Mörtelmasse, sind danach zur Wasserseite hin „verdichtet“. Für diese Arbeiten wird der Fluss trockengelegt.

Gleichzeitig kann das Schifffahrtsamt die notwendigen Reparaturarbeiten am sogenannten „Nadelwehr“ vornehmen. Das Nadelwehr besteht aus großen dichten Eichenhölzern, die fast wie Nadeln aussehen. Es dient zur Regulierung der Durchflussmenge des Wassers. Die Arbeiten erfolgen immer abschnittweise in Abständen von ca. 10 Metern. (Auflage des Wasserschifffahrtsamtes wegen möglicher Hochwassergefahr). Zur weiteren Stabilisierung werden unterirdische Betonwände zu den Häusern hingezogen. Laut Dr. Ulrich Huster soll die Deichmauer wieder 200 Jahre halten. Alle Gebäude in unmittelbarer Nähe werden fotografiert, damit man im Falle von eintretenden Schäden alles genau rekonstruieren kann. Ein großer Kostenfaktor ist das Abtragen und Entsorgen des „Pechmaterials“ auf der Freifläche, das auf einer Sonderdeponie entsorgt werden muss. Der Boden darunter sei 60 Zentimeter tief „verseucht“.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Oktoberfest im Freibad Veckerhagen

Zünftiges Saisonende steigt am kommenden Samstag, 21. September
Oktoberfest im Freibad Veckerhagen

Feuerwehr-Großeinsatz: Gastank an Brandstelle in Sichelnstein

Am Mittwochnachmittag kam es gegen 14.40 Uhr in Staufenberg Sichelnstein zu einem Großeinsatz der Feuerwehr aus der gesamten Umgebung.
Feuerwehr-Großeinsatz: Gastank an Brandstelle in Sichelnstein

Drei Personen bei Unfall auf der B 80 verletzt

Der Zusammenstoß ereignete sich zwischen Hedemünden und Hann. Münden. Die Bundesstraße war rund eine Stunde lang voll gesperrt.
Drei Personen bei Unfall auf der B 80 verletzt

Fünf Tagestickets für das Kunstfestival in Hann. Münden zu gewinnen

DenkmalKunst-KunstDenkmal (DKKD) startet am 27. September - seien Sie dabei!
Fünf Tagestickets für das Kunstfestival in Hann. Münden zu gewinnen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.